Nachhaltigkeit ist auch im Betriebsalltag wichtig – einer von drei Betrieben im Kammerbezirk Münster setzt darauf!

Nachhaltigkeit ist auch im Betriebsalltag wichtig – einer von drei Betrieben im Kammerbezirk Münster setzt darauf! (Foto: © Piotr Adamowicz/123RF.com)

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Jeder dritte Betrieb setzt auf Nachhaltigkeit

Handwerkskammer-Präsident Hans Hund lobt die Initiative der Handwerksbetriebe, die auf Nachhaltigkeit im Betriebsalltag setzen.

Einer von drei Handwerksbetrieben im Kammerbezirk Münster setzt intern konkrete Nachhaltigkeitsziele bereits in die Tat um. Das ergibt eine Befragung der Handwerkskammer Münster, die sie zusammen mit dem Institut für Betriebsführung im DHI e.V. (itb, Karlsruhe) durchgeführt hat. 398 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region nahmen daran teil. Die meisten Aktivitäten der Betriebe beziehen sich auf den Umgang mit Ressourcen im Arbeitsprozess, gefolgt vom Energiemanagement am und im Gebäude. Mobilität und soziales Engagement stehen bislang weniger im Fokus. Die aktiven Unternehmen würden gerne mehr tun und stehen Nachhaltigkeitsthemen aufgeschlossen gegenüber. 

"Viele Handwerksbetriebe, die Nachhaltigkeit seit Langem praktizieren, machen darüber kein großes Aufheben, sondern sehen das Denken in Generationen als Selbstverständlichkeit an", weiß Handwerkskammer-Präsident Hans Hund. So setzt knapp die Hälfte der befragten Betriebe ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen nicht öffentlichkeitswirksam ein, weil sie dies für nicht notwendig erachten. Hund empfiehlt jedoch, über das Gute, das man tue, auch zu reden, um die Unternehmenszukunft zu stärken. Die Betriebe, die ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten öffentlich bewerben, erwähnen viele positive Effekte wie beispielsweise die Gewinnung neuer Kunden und die Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für künftige Auszubildende und Fachkräfte. 

Plädoyer für bürokratiearme Berichte

Acht Betriebe weisen eine Nachhaltigkeitsberichterstattung oder Zertifizierung mit Gütesiegeln und Normenzertifizierung nach. Für größere Unternehmen gelten diese Berichtspflichten ab 2025. Hund macht darauf aufmerksam, dass diese Direktive für zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen durch das Lieferkettengesetz und den Produktpass indirekt Konsequenzen habe. Er mahnt, bürokratiearme Offenlegungsmöglichkeiten für sie zu schaffen, damit ihr Zeitaufwand für die Berichte auf das Nötigste beschränkt werden könne. Den indirekt betroffenen Betrieben empfiehlt Hund, durch einen frühzeitigen Einstieg in die Berichterstattung wirtschaftliche Chancen zu nutzen.

Die Notwendigkeit von mehr Nachhaltigkeit bekräftigt etwas mehr als die Hälfte der Betriebe. Viele von ihnen wollen ihre Aktivitäten umgehend oder in den nächsten beiden Jahren fortsetzen oder sogar verstärken. Die Handwerkskammer Münster bietet im Rahmen einer Initiative Informationen, Veranstaltungen und Beratungen zu verschiedenen Aspekten von Nachhaltigkeit an. Der Bedarf daran wächst. Auch das zeigt die Befragung, und zwar zu Nachhaltigkeit allgemein und zu konkreten Themen wie Energieeinsparung und Elektromobilität.

Malzers berichtet über NachhaltigkeitFamilienunternehmer, Bäckermeister und Management-Master Christian Scherpel Foto: © Thomas BernsFamilienunternehmer, Bäckermeister und Management-Master Christian Scherpel Foto: © Thomas BernsErfahrungsbericht "Einfach anfangen und sich fragen, was schiefläuft und wo man einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten kann." Diesen Tipp gibt Familienunternehmer, Bäckermeister und Management-Master Christian Scherpel Handwerksbetrieben, die sich schon jetzt mit einem eigenen Nachhaltigkeitsbericht beschäftigen wollen oder dies ab 2024 müssen. Dann greift die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD). Scherpel ist als fünfte Generation als geschäftsführender Gesellschafter in die familien-eigene Malzers Backstube eingestiegen. Sein Ziel: Die 1901 gegründete Gelsenkirchener Bäckerei mit ihren 2.800 Beschäftigten "zur reinen Selbsterhaltung für die Nachkommen zukunftsfest machen". Schon vor der Pflicht, die auf die handwerkliche Bäckerei in der größeren Liga ab 2025 zukommen wird, legt Scherpel freiwillig seinen ersten Bericht vor. Dieser wurde von einer intern gebildeten Fachgruppe in Anlehnung an den "ZNU-Standard" erstellt. Darin sind alle Aspekte – Ökologie, Ökonomie und Soziales – beleuchtet. "Über den Bericht haben wir neue Nachhaltigkeitsziele definiert, die sich auf Dauer auch betriebswirtschaftlich positiv bemerkbar machen", ist Scherpel sicher.DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale DHB registrieren!

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Text: / handwerksblatt.de

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