Weithaus mehr als nur "Beauty": Das Kosmetikerhandwerk ist ein anspruchsvoller Beruf, der umfangreiche Kenntnisse erfordert.

Weitaus mehr als nur "Beauty": Das Kosmetikerhandwerk ist ein anspruchsvoller Beruf, der umfangreiche Kenntnisse erfordert. (Foto: © www.amh-online.de)

Kosmetikbetriebe wünschen sich mehr Zusammenarbeit

Kosmetikerin Ellen Walter aus Dreis appelliert an ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Region, sich zusammenzutun und ein gemeinsames Netzwerk aufzubauen.

Die derzeit stark eingeschränkte Ausübung des Kosmetikerhandwerks belastet die betroffenen Betriebe stark. Durch die beiden wochenlangen Lockdowns sind sie in ihrer Existenz bedroht. Ellen Walter, Kosmetikerin aus Dreis, hätte sich eine Wiedereröffnung wie bei den Friseuren zum 1. März gewünscht. Schon seit dem 2. November ist ihr Studio geschlossen. "Leider fällt das Kosmetikerhandwerk derzeit wieder hinten runter", sagt sie. "Dabei haben die Kosmetikstudios schon vor Corona Hygienekonzepte umgesetzt, bei denen der gesundheitliche Schutz oberste Priorität hat: die Aufnahme von Kundenkontaktdaten, zu jeder Behandlung frische Handtücher, jeweils nur ein Kunde im Raum und viele andere Maßnahmen – all das haben wir bereits vom ersten Tag unserer Ausbildung an verinnerlicht." Seit Mai hat sie den Hygieneschutz noch verstärkt und jeweils eine Viertelstunde mehr pro Kundin für Desinfektions- und andere Maßnahmen eingeplant – "mit einem Hygienestandard, der einer Arztpraxis entspricht. Am Ende haben wir FFP2-Masken, Schutzvisier und Einmalhandschuhe getragen."

Kein bloßes Aufhübschen

Kosmetikerin Ellen Walter aus Dreis Foto: © ab.communication, Andrea BölingerKosmetikerin Ellen Walter aus Dreis Foto: © ab.communication, Andrea Bölinger

Schließlich geht es in der Kosmetik, so Ellen Walter, um die Arbeit an der Haut, dem größten Organ des Menschen. Daher will sie mit Schubladendenken und Vorurteilen aufräumen: "Kosmetik ist kein bloßes Aufhübschen und Schönmachen, sondern ein anspruchsvolles und verantwortungsvolles Handwerk, das umfassende Kenntnisse in Dermatologie und Wirkstoffkunde erfordert." So bieten gut ausgebildete Kosmetikerinnen heute Leistungen an, die weitaus umfassenderes Fachwissen erfordern als früher. "Das Berufsbild hat sich seit dem Abschluss meiner Ausbildung vor gut zwanzig Jahren erheblich gewandelt – ein Quantensprung", sagt Ellen Walter. "Daher ist lebenslanges Lernen in diesem Beruf das A und O." Laufend frischt sie ihr Wissen auf. Den Lockdown hat sie genutzt, um sich intensiv weiterzubilden: "Fast täglich habe ich an Online-Seminaren teilgenommen", sagt Ellen Walter. "Diese Schulungen meiner Produktpartnerfirmen waren sehr gut. In dem meisten davon ging es um Dermakosmetik."

Kosmetiker sollte geschützter Beruf werden

Von ihrer breitgefächerten Qualifikation können ihre Kundinnen und Kunden nur profitieren. Ihre fundierten Kenntnisse tragen unter Umständen sogar dazu bei, frühzeitig Hautveränderungen festzustellen. In solchen Fällen legt sie ihren Kunden nah, einen Dermatologen aufzusuchen und die Sache abklären zu lassen, "auch wenn ich als Kosmetikerin natürlich keine ärztlichen Diagnosen stellen darf", wie sie betont. Ellen Walter plädiert dafür, dass Kosmetiker/-in ein gesetzlich geschützter Ausbildungsberuf und meisterpflichtig wird. Nicht zuletzt aus diesem Grund möchte sie ihren Berufsstand aufgewertet und besser aufgestellt wissen. Außerdem will sie sich für ein besseres Berufsbild in der Öffentlichkeit einsetzen. Daran arbeitet die seit dem Jahr 2000 selbstständige Unternehmerin derzeit verstärkt. "Nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung geht zur Kosmetik. Der Rest weiß über unsere Arbeit nicht Bescheid", sagt sie.

Lockdown bereitet Sorgen

Am meisten Sorgen bereitet ihr momentan der Lockdown – die fehlenden Einnahmen bei weiterlaufenden Kosten. "Die finanziellen Hilfen kommen zu spät", findet sie. "Wir wollen keine Geschenke, wir wollen überleben und endlich weiterarbeiten!" Ihr fehlen die Arbeit und die Kunden, "denn das ist mein Leben!" Zudem vermisst sie ein einschlägiges Netzwerk für ihre Branche, eine Innung, um den Beruf des Kosmetikers stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. "Wir haben es jahrelang versäumt, uns zu organisieren. Das schlägt jetzt in der Coronakrise zurück. Aber Jammern hilft nichts. Gerade jetzt sollten wir die Chance nutzen, uns zusammenzutun", sagt die tatkräftige Unternehmerin. "Stillstand bedeutet Rückstand!" Kolleginnen und Handwerksorganisationen aus der Region will sie daher nun an einen Tisch bringen. Ihre ersten Gespräche mit der Kreishandwerkerschaft MEHR, der Handwerkskammer und dem Landesverband Friseure & Kosmetik Rheinland waren konstruktiv. Ellen Walter freut sich über interessierte Kolleginnen und Kollegen, die ein Netzwerk mitgestalten möchten.

 

Kontakt Kontaktaufnahme bitte per E-Mail unter info@ellens-kosmetik.de.

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Text: / handwerksblatt.de

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