Wiedersehen mit ehemaligen Lehrlingen: Bruder Valerius mit Alois Annen, Gerd Lambertz und Carlo Kirsch (v. l.) an der verzierten Eingangstür zum historischen Kapitelsaal der Abtei St. Matthias

Wiedersehen mit ehemaligen Lehrlingen: Bruder Valerius mit Alois Annen, Gerd Lambertz und Carlo Kirsch (v. l.) an der verzierten Eingangstür zum historischen Kapitelsaal der Abtei St. Matthias (Foto: © HWK Trier)

"Ora et labora" als Mönch und Schreiner

Er lebt in der Berufung als Mönch und mit ganzem Herzblut für das Schreinerhandwerk – Bruder Valerius wird 90 Jahre!

Es sind unruhige Zeiten, in die Valerius Boesen hineingeboren wird. Die Weltwirtschaftskrise spitzt sich zu. Die Nazis machen mobil. Schließlich bricht der Zweite Weltkrieg aus. Einen Ausbildungsplatz zu finden, ist schwer. "Ich hatte Glück und fand im Saargau eine Lehrstelle als Schreiner. Nach der Ausbildung bin ich ins Kloster gegangen und habe parallel dazu meinen Meister gemacht", erinnert sich Bruder Valerius.

Der Eintritt ins Kloster ist ein Einschnitt, aber keineswegs ein Bruch in der Vita: Glaube und Handwerk sind eng miteinander verbunden, allein durch die Tradition. Der heilige Josef – ein Schreiner und noch heute deren Schutzpatron. Jesus arbeitete als Zimmermann, also ebenfalls mit Holz. Auch Valerius Boesen liebt diesen Naturwerkstoff. "Mönch und zugleich ein guter Handwerker zu sein, ist eine Herausforderung. Es bedeutet aber auch Einklang mit der Schöpfung", sagt er. "Schreiner ist mein Traumberuf! Die Arbeit mit Holz ist herausfordernd, wunderbar und erfüllend. Man erlebt das Ergebnis und besondere Wertschätzung."

Ordensgelübde mit 34 Jahren

Mit 34 Jahren legt der junge Mann von der Obermosel sein Ordensgelübde ab. Die Benediktinerabtei St. Matthias in Trier ist sein Zuhause. Hier lebt er für Gott, betet und arbeitet nach den Regeln des heiligen Benedikts. Mit dieser Maxime zu leben, bleibt ein Leben lang sein oberstes Anliegen. Viele Schreinerarbeiten der Abtei tragen seine Handschrift, etwa der Holzschrein für die Reliquien des heiligen Apostels Matthias, ein Ersatz des alten Schreins von 1780. Oder die riesigen Portale der Matthias-Basilika mit den herrlichen Profilen. Bis 1997 leitet Bruder Valerius die klösterliche Holzwerkstatt. Als Schreinermeister bildet er dort auch Lehrlinge aus. Und noch heute verwaltet er die Kunstschätze der Abtei.

Seine ehemaligen Schützlinge sind längst gefragte Schreiner und gestandene Unternehmer. Mit Carlo Kirsch, Alois Annen und Gerd Lambertz gab es im Beisein von Kammerpräsident Rudi Müller nun ein Wiedersehen aus besonderem Anlass: Bruder Valerius wurde am 4. September 90 Jahre – ein gesegnetes Alter! Naturgemäß ging es dabei viel um die damalige Zeit. Zugleich waren die Themen jedoch hochaktuell. Wenn es beispielsweise um die Achtung vor der Natur und ihren Werkstoffen ging, so sind das heutzutage Kernthemen der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdebatte. Was früher jedoch Dauerzustand war, dürfte heute allerdings lediglich vorübergehend sein: "Das Material war immer knapp", berichtet der Jubilar. Es wurde nachhaltig gearbeitet. "Das Holz wurde in seiner natürlichen Schönheit verwendet, also auch mal mit Verwachsungen und Ästen verarbeitet. Dabei kommt die natürliche Ausstrahlung zum Ausdruck!" Heute gibt es Betriebe, die sich darauf rückbesinnen. Also "back to the roots" – nicht nur wegen der temporären Materialknappheit, sondern aus Überzeugung zur Ehrlichkeit im Material, ganz im Sinne der Natur. Dennoch kein Vergleich zu früher, denn Holz ist inzwischen wieder ausreichend auf dem Markt erhältlich – aber gegen entsprechenden Aufpreis. Das gehört zu den Herausforderungen, die die ehemaligen Lehrlinge von Bruder Valerius heutzutage meistern müssen.

Berührendes Wiedersehen mit den Lehrlingen

"Schön und berührend, die eigenen Lehrlinge wiederzusehen", sagt Bruder Valerius und freut sich darüber, dass sie so gute Meister geworden sind und viele Mitarbeiter haben. Rührt doch ihr Erfolg unter anderem auch von ihrer Ausbildung her. Die gute Ausbildung war einer der Hauptgründe, sich für eine Schreinerlehre im Kloster zu entscheiden: beste handwerkliche Tradition und erstklassiges Handwerk!

Darüber hinaus trug die Ausbildung im Kloster zu besonderer Persönlichkeitsentwicklung bei und bot entschleunigtes und besinnliches Arbeiten. Tugenden wie Zurückhaltung und Bescheidenheit wurden vermittelt. "Es galt, mit wenigen Mitteln das beste Ergebnis zu erzielen und auch mal innezuhalten", sagt Bruder Valerius, "sowie christliche Werte zu erleben in der Klostergemeinschaft, in der jeder willkommen ist. Bewusst Mahlzeiten einzunehmen und ein Tischgebet zu sprechen." Im besten Sinne der Benediktregel "Ora et labora!"

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Text: / handwerksblatt.de

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