Kryptischer Name, futuristische Optik: der Toyota bZ4X .

Kryptischer Name, futuristische Optik: der Toyota bZ4X . (Foto: © Toyota)

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Toyota bZ4x: Japanischer Stromer sucht festen Anschluss

Mit dem Toyota bZ4X brachte der japanische Hersteller seinen ersten rein elektrischen Stromer auf die Stra√üe und gr√ľndete zugleich die neue Submarke bZ. Wir haben mit dem futuristisch gezeichneten Crossover ein paar Runden gedreht.

Toyota gilt seit 1997 mit dem Bau von elektrifizierten Antrieben als Hybrid-Pionier. Doch als die Japaner letztes Jahr ihren ersten rein batterieelektrischen Stromer präsentierten, waren andere Hersteller bereits längst mit ihren E-Modellen auf dem Markt. Nun gut, aber muss es dann ausgerechnet so ein kryptischer Name wie bZ4X sein? Die recht nüchterne Bezeichnung klingt eher nach dem Roboter R2-D2 aus der Filmserie Star Wars als nach einem achtbaren Auto.

Hinter dem ungewöhnlich gewählten Namen steckt allerdings eine Strategie. Die Abkürzung steht für "beyond Zero", was so viel wie jenseits von null Emissionen heißt und die Zahl vier steht beim bZ4X für das Mittelklasse-Segment, während das X auf die Karosserieform des Crossovers hinweist. Bis zum Jahr 2030 wollen die Japaner 30 neue batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen, darunter werden viele unter die eigens hierzu gegründete Submarke bZ fallen. An die abstrakte Modellbezeichnung muss man sich jedoch erst noch gewöhnen.

Baugleich mit dem Subaru Solterra

Toyotas Stromer entstand in Kooperation mit Subaru. Foto: © ToyotaToyotas Stromer entstand in Kooperation mit Subaru. Foto: © Toyota

Mit einer Länge von 4,69 Metern übertrifft der japanische ID.4-Konkurrent den RAV4 um gerade einmal eine Handbreit, doch ist er um Vergleich mit dem Hybriden um neun Zentimeter flacher. Und anders als bei seinem braven RAV4-Bruder macht der bZ4X mit seiner progressiv gewählten Formsprache auf sich aufmerksam. Dazu zählen neben dem kantigen Design, extrem schmale LED-Scheinwerfer, sowie reichlich Kunststoffbeplankungen. Die futuristische Mischung hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Überall dort, wo der eigenwillig gestylte bz4X auftaucht, drehen sich die Passanten nach ihm um und verrenken sich die Hälse.

Jedoch ist der Japaner mit seiner großen Show nicht allein. Der bZ4X stammt aus einer Kooperation zwischen Toyota und Subaru. Beide Fahrzeuge, der bZ4X und der Solterra von Subaru, basieren auf der gleichen Elektro-Plattform e-TNGA. Diese modulare Architektur ermöglicht frei skalierbare Fahrzeuglängen und verschiedene Antriebsformen. Beim bZ4X besteht sie Wahl zwischen Front- und Allradantrieb. Preislich startet der Toyota bei 39.908 Euro (alle Preise netto), während die gefahrene Allradvariante 160 kW (218 PS) bei 48.227 Euro beginnt. Der Subaru Solterra wird dagegen ausschließlich als 4x4 und ebenfalls mit 160 kW angeboten und ist mit einem Einstiegspreis von 49.151 Euro etwas teurer.

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Allrad-Japaner mit Offroad-Talenten

Der Toyota bZ4X verfügt über ein Gelände-Fahrprogramm. Foto: ¬© ToyotaDer Toyota bZ4X verfügt über ein Gelände-Fahrprogramm. Foto: ¬© Toyota

Auf die Allradvariante sind die Japaner besonders stolz, da sie auch abseits befestigter Straßen einige Talente mitbringt. So gibt es neben den beiden E-Motoren an der Vorder- und Hinterachse ein spezielles Geländeprogramm inklusive einer mehrstufigen Traktionskontrolle. Damit erklimmt der bZ4X problemlos leichte Hindernisse und da seine Akkus wasserdicht verpackt sind, überwindet der Japaner selbst bis zu 35 Zentimeter tiefe Bäche oder Flüsse problemlos. Auf die Batterien gibt Toyota übrigens eine zehnjährige Garantie und selbst nach Ablauf der Dekade, so lautet das Versprechen der Japaner, soll das Speicherdepot noch eine Kapazität von über 70 Prozent aufweisen.

Klingt gut, aber wie sieht es mit der Reichweite aus? Die 4x4-Topversion kommt mit ihrem 71,4 kWh starken Energiespeicher bis zu 461 Kilometer weit, beim Fronttriebler liegt der Aktionsradius mit maximal 513 Kilometern wesentlich höher. Zwar verzichtet der bZ4X auf spezielle Programme zur Energierückgewinnung, doch lässt sich das sogenannte One-Pedal-Driving mittels Knopfdruck aktivieren. Lobenswert: Eine energiesparende Wärmepumpe zählt beim Toyota bereits in der Basisausstattung zum Lieferumfang, während sie bei anderen Herstellern oftmals nur gegen Zuzahlung erhältlich ist.

Deutlich verbesserte Ladezeiten

Dank 11kW-Bordlader hat sich das Ladetempo deutlich erhöht. Foto: ¬© ToyotaDank 11kW-Bordlader hat sich das Ladetempo deutlich erhöht. Foto: ¬© Toyota

Das größte Manko des bZ4X haben die Japaner inzwischen beseitigt. Während die ersten Modelle noch mit einem mickrigen 6,6 kW On-Board-Charger auf den Markt kamen, hat sich mittlerweile das Ladetempo dank schnellerem 11kW Bordlader deutlich erhöht. 6,5 Stunden benötigt der Toyota an einer Wallbox bis seine Akkus voll befüllt sind, während er seine Batterien an einem Dreiphasen-Schnelllader mit 150 kW in nur 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent hoch powert.

Rund ums Cockpit erweist sich der Toyota ebenfalls als futuristisch und mit recycelten Stoffen auch als nachhaltig. Veganes Leder haben die Japaner allerdings nicht im Programm und verweisen auf die gegen Aufpreis erhältlichen Tierhäute. Apropos Polster. Man sitzt recht angenehm auf den gut ausgeformten Vordersitzen, während die Oberschenkelauflage für die Hinterbänkler viel zu gering ausfällt. Die sitzen im Toyota mit stark angewinkelten Knien, was auf Dauer ziemlich unbequem ist.

Dafür geht das Kofferraumvolumen mit 452 Litern in Ordnung. Die Rückbank lässt sich zudem geteilt umklappen. Wie hoch das maximale Fassungsvermögen ist, verschweigt Toyota allerdings. Das Ladekabel kann in einem Fach unter dem Ladeboden verstaut werden. Einen Frunk unter der Motorhaube hat der Toyota hingegen nicht. Wer daher mit viel Gepäck unterwegs ist, sollte clever packen. Ansonsten beginnt die Kramerei an der nächsten Ladestation. Dafür eignet sich der bZ4X auch als leichtes Zugfahrzeug und nimmt bis zu 750 Kilogramm an den Haken.

Üppiges Raumangebot

Der Multimedia-Touchscreen dominiert das Cockpit. Foto: © ToyotaDer Multimedia-Touchscreen dominiert das Cockpit. Foto: © Toyota

Das Platzangebot fällt im Toyota recht üppig aus. Der Fahrer blickt auf ein kleines Kombiinstrument, welches weit oberhalb der Windschutzscheibe positioniert wurde und dadurch ein weiteres Head-up-Display überflüssig macht. Rechts daneben macht sich das Multimedia breit. Der Touchscreen erweist sich als modern, misst in seiner besten Form 12,3 Zoll und glänzt neben einer kabellosen Smartphone-Integration darüber hinaus mit Over-the-Air-Updates. Die Online-Navigation berechnet die gewünschte Route fix, Ladestationen müssen allerdings erst umständlich über das Point-Of-Interest-Menü aktiviert werden. Außerdem zeigt das Multimedia nicht an, ob die Station frei ist und was letztendlich das Laden kostet. Hier sollte Toyota noch nachbessern.

Dass der bZ4X auf ein klassisches Handschuhfach verzichtet, ist nicht weiter schlimm. Alternativ gibt es auf der mit Klavierlack bezogenen Mittelkonsole ein großes Staufach, nebst vielen weiteren Ablagemöglichkeiten für den täglichen Kleinkram. Auch in Sachen Verarbeitungsqualität glänzt der Toyota. Die teils einfachen Materialien, vor allem unteren Bereich des Innenraums, enttäuschen allerdings.

Ein angenehmer Cruiser mit agiler Handhabung

Beim Fahren erweist sich der Allrad-Toyota als ein angenehmer Cruiser. Seine beiden Motoren mit 160 kW (218 PS) gehen tatkräftig zur Sache und die tief im Fahrzeugboden platzierten Akkus sind beste Grundvoraussetzungen für ein agiles Handling. Allerdings vereitelt die gefühllos ansprechende Lenkung das Kurvenräubern. Dafür spricht der bZ4X sehr feinfühlig auf Unebenheiten an. Der hohe Federungskomfortlässt sich selbst von derben Schlaglöchern nicht aus der Ruhe bringen.

Auch die Abroll- und Windgeräusche liegen auf einem erfreulich niedrigen Level. Der Toyota spurtet bei Bedarf auf bis zu 160 km/h und bleibt angenehm leise. Anschließend schiebt die Elektronik den Reichweiten-Riegel vor und macht zu. Schneller muss es aber auch nicht wirklich sein. Zumal die Kraftreserven vollkommen ausreichen, um mit dem Japaner auf der Autobahn locker mitzuschwimmen.

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Text: / handwerksblatt.de

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