Wer eine Harley-Davidson fährt, erlebt das mit einem anderen, einzigartigen Lebensgefühl.

Wer eine Harley-Davidson fährt, erlebt das mit einem anderen, einzigartigen Lebensgefühl. (Foto: © HARLEY-DAVIDSON)

Motorrad: Ladies only

Es gibt ihn, den kleinen Unterschied unter Motorradfahrern und Motorradfahrerinnen. Ob Brettern oder Cruisen, Rennsemmel oder Bummelliese. Ein kurzer Blick über die Lenkstange.

"Das ist kein Motorrad. Das ist ein Chopper, Baby!" Mit diesem berühmten Zitat aus dem Film Pulp Fiction macht Bruce Willis als Butch seiner Flamme gleich klar, wer eine Harley-Davidson fährt, erlebt das mit einem anderen, einzigartigen Lebensgefühl. Auch im Film Easy Rider erlebt Peter Fonda das unbändige Gefühl der Freiheit im Sattel von Mister America. Mit schräg gestellter Lenkstange und hoher Rückenlehne vermittelte er damals das echte Lebensgefühl der Biker Ende der 60er Jahre.

Der kleine Unterschied fängt schon beim typischen Sound einer Harley an: blubb, blubb, blubb. "Es ist dieses schöne Blubbern der Auspuffrohre", lächelt Carmen Losch. Seit acht Jahren fährt sie eine Harley, seit fünf Jahren arbeitet sie im Paradies. Genauer gesagt im Harley-Paradies von Motomaxx in Remscheid. Während unten in der Werkstatt die Jungs chromblitzende Chopper liebevoll hegen und pflegen, blickt Carmen Losch oben im Verkauf auf alles, was das Herz eines Harleyfahrers und natürlich Harleyfahrerin höher schlagen lässt. Angefangen bei den Riding-Hosen, den schnittigen Lederwesten mit bunten Stickereien und den für Harley typischen Helm ohne Visier. Mit dem Outfit ähneln sie denn auch mehr einem Cowgirl oder Cowboy, immer unterwegs, der Sonne entgegen. Es sind aber vor allem die schwarz- und chromglänzenden Maschinen wie Fat Bob, Softail Slim oder eine Breakout, die die Blicke auf sich ziehen.

Mit allen Sinnen genießen

Carmen Losch nickt zustimmend: "Es ist dieses besondere Gefühl der Freiheit", erklärt die Fachfrau und Mitglied der "Ladys of Harley" (LOH) das oberste Harleygebot, das da lautet: "geschmeidig fahren". Harleyfahrer sind immer im Verbund unterwegs. 30, 40 oder mehr Maschinen auf einmal starten zu Rallyes und Ausflugsfahrten. "Anders als die mit einem Rennsemmel", meint Sigrid Losch die Motorradfahrer, die mit 100 bis 120 Stundenkilometern unterwegs sind und gerne mal mit einem gekonnten Knieschleifer beeindrucken möchten.

Harleyfahrer dagegen cruisen gemütlich durch die Landschaft und erleben den Ausflug mit all ihren Sinnen. Selbst fährt Carmen Losch eine Softail deluxe aus dem Jahr 2006. Da ist noch viel Chrom dran. Entsprechend mehr muss sie putzen. Ihre alte Lady gegen ein neueres Modell tauschen? Niemals! "Sie trägt mich dahin, wohin ich will", erzählt Carmen Losch, dass sie bei gleich bei ihrer ersten Tour auf immer und ewig Feuer gefangen hat für das Motorrad mit dem bequemen Sattel und den dicken Schluppen.

Am Anfang war ein Schuppen

Foto: © Harley-DavidsonFoto: © Harley-Davidson

Angefangen hat die Begeisterung für diesen Cruiser im Jahr 1903 in einem Schuppen in Milwaukee, Wisconsin. William Harley, technischer Zeichner, und Möbelschreiner Arthur Davidson tüfteln an einem neuen Motorrad. Zusammen mit dem Eisenbahnmaschinist Walter Davidson entwickeln sie mit "Silent Grey Fellow" das erste verkaufsfähige Modell. Dabei wird ein 3-PS-Einzylindermotor in ein Fahrrad eingebaut.

Ein weiterer und sehr wichtiger Apsekt: "Auf einer Harley-Davidson ist man nie allein, egal wo man hinfährt. Dafür sorgen die Harley Owners Group und natürlich die 'Ladys of Harley‘. Wir sind eine große Familie und wir sind überall auf der Welt zu Hause," erklärt Lisa Wacha von Harley-Davidson Deutschland die außergewöhnliche Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Über die ganze Welt hinweg verbreiten sich die H-D-Wertvorstellungen hinsichtlich Freiheit und Selbstverwirklichung, unabhängig von Kulturkreis, Alter oder Geschlecht.

Seit 36 Jahren auf Harleys unterwegs

Stopp. Moment. Es gab auch hier den kleinen Unterschied. Ende der 90er Jahre werden Mary Mölder und eine Handvoll Ladys auf ihren Harleys von der Männerwelt eher belächelt. "Es wurde behauptet, wir Frauen fahren doch nur die kleinen Modelle." Das ärgert die Motorrad-Begeisterte gewaltig. Sie selbst fährt seit 36 Jahren eine Harley. Zurzeit ist sie mit einer Electra Light unterwegs. Über ihren Dealer, so heißen die H-D-Händler, sucht sie Gleichgesinnte. "Mensch, dachte ich, wir sind so tolle Frauen, wir machen was für uns alleine." 1996 startet die erste "Ladys-of-Harley-Rallye" im Weserbergland mit 50 Motorradfahrerinnen. Inzwischen sind es 1.500 Harley-Damen, die dem Club angehören. Stolz verweist Mary Mölder darauf, dass unter den Ladys Ärztinnen, Anwältinnen und viele Handwerkerfrauen vertreten sind. Auch prominente Fahrerinnen sind dabei, wie Kabarettistin Lisa Fitz und Schauspielerin Tanja Schumann.

Girls just wanna have fun

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2019 war ein ganz besonderes Jahr für die "Ladies of Harley". Im September trafen sie sich zur 25. LOH-Jubiläumsrallye. Für die Zukunft hofft sie, noch mehr Frauen für die Harley begeistern zu können. Und an interessierte Damen richtet sie die Botschaft: "Wer Harley fahren möchte, der kann das auch, egal welches Modell. Also Mädels, keine Scheu, los geht’s, den Fahrtwind spüren. Girls just wanna have fun. Wir warten auf euch!"

Wussten Sie?

 ...dass Harley-Davidson-Fahrer furchtlos sind? Es gibt nur eine Sache, die sie mehr fürchten als schlechtes Wetter: Geister und Gremlins, die sie und ihre Chopper in Schlaglöcher ziehen können. Deshalb gibt es die Riding Bells. Das kleine Glöckchen wird nur verschenkt. Selbst kaufen gilt nicht. Es wird an dem tiefstmöglichen Punkt am Fahrgestell angebracht. Jetzt ist jeder Gremlin chancenlos.

Ladies of Harley

 Bei der LOH können sowohl Motorradfahrerinnen als auch -beifahrerinnen Mitglied werden. Einzige Bedingung ist die Mitgliedschaft in der Harley Owners Group. Bei Kauf einer Harley-Davidson wird jeder auto matisch in die HOG-Familie aufgenommen. LOH-Mitglieder erhalten einen besonders gestickten L.O.H.(R)-Patch und -Pin mit jedem Jahr der Mitgliedschaft.

Text: / handwerksblatt.de

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