Handwerk

Der Operationssaal im Kinderkrankenhaus von Asmara wurde komplett renoviert. (Foto: © Archemed)

Deutsche Handwerker helfen in Afrika

Panorama

Schreinermeister Reinhard Berns aus Remscheid fährt regelmäßig nach Eritrea. Dort baut er mit anderen Ehrenamtlichen für den Verein Archemed Kinderkrankenhäuser.

Reinhard Berns könnte eigentlich in aller Gemütsruhe seinen Ruhestand genießen. Der 78-jährige Remscheider ist Schreinermeister, war lange Obermeister der Innung in Remscheid und blickt auf eine lange Zeit als selbstständiger Betriebsinhaber zurück. Aber Reinhard Berns möchte gar nicht dem Nichtstun frönen, er möchte helfen. "Ich erledige zwar immer wieder noch Aufträge für einzelne Kunden, meinen Betrieb habe ich aber schon vor einigen Jahren verpachtet. Und mehrmals im Jahr fahre ich jeweils für zwei Wochen nach Afrika", sagt der 78-Jährige.

Er ist einer der ehrenamtlichen Handwerker im noch jungen Verein Archemed. Der wurde in Soest/NRW gegründet, um kranken Kindern im nordostafrikanischen Eritrea zu helfen. "Wir bauen Krankenhäuser, renovieren die Gebäude und sorgen auch für die notwendigen Einrichtungsgegenstände", sagt Berns.

Der Wunsch zu helfen erfüllte sich schnell

Auf die Idee gekommen ist er durch seinen guten Freund Rainer Duda, ebenfalls Schreinermeister, aus der bergischen Kleinstadt Wermelskirchen. "Rainer war einmal Mitarbeiter bei mir, wir kennen uns auch vom Sport", erzählt Berns. Er wusste, dass sein Freund regelmäßig nach Afrika fuhr, um dort zu helfen. "Ich habe ihm einmal gesagt: Wenn du mal nicht kannst, sag mir Bescheid", sagt Berns. Das war Mitte 2008, damals hieß Archemed noch Hammer Forum, die Neugründung und Umbenennung erfolgte 2010. Auf das Angebot sei Duda schon bald zurückgekommen: "Im August 2008 kam sein Anruf – und zwei Wochen später war ich in Eritrea", sagt Berns schmunzelnd.

Die Situation dort sei mit Deutschland absolut nicht zu vergleichen, sagt der 78-Jährige: "Es ist ein sehr armes Land. Wir haben zwar nicht viel Zeit, um außerhalb des Krankenhausgeländes,wo wir arbeiten, herumzufahren. Aber manchmal klappt das doch." Und dann habe er sehr einfache Hütten als Unterkunft gesehen, die die Menschen sich aus Steinen und Blech selbst gebaut hätten. Auch in dem einfachen Hotel, in dem die Archemed-Mitarbeiter während ihres Aufenthalts untergebracht sind, merke man das: "Wenn wir in Asmara, der Hauptstadt Eritreas, landen, ist es meist Nacht. Wenn wir dann ins Hotel kommen, kommt es nicht selten vor, dass der Strom ausgefallen ist", sagt Berns. Die Stadt liegt auf über 2.000 Höhenmetern klimatisch günstig: "Da kann man gut arbeiten, abgesehen davon, dass einem manchmal etwas die Luft wegbleibt."

Sinnvolle Arbeit in Eritrea

HandwerkViel feuchter und unangenehmer sei es hingegen in Keren, einer anderen Stadt, in der Archemed präsent ist. "Meine Motivation ist, helfen zu wollen", macht Berns deutlich. In Asmara baut Archemed Krankenhäuser verschiedener medizinischer Fachrichtungen. "Aber immer für Kinder. Es kommen viele Mütter mit ihren Kindern vom Land, und es sind eine ganze Menge Ärzte hier, die helfen", sagt Berns. Er und seine Kollegen seien dafür da, ihr handwerkliches Wissen einzubringen, um die Gebäude instand zu halten oder neue Anbauten zu errichten.

Auch Einrichtungsgegenstände wie Schränke oder Kommoden bauen die ehrenamtlichen Handwerker. Auf seinen nächsten Aufenthalt im September freut sich Berns schon: "Es ist zwar manchmal nicht so einfach mit den Offiziellen zusammenzuarbeiten. Aber es sind mir nur liebe, sympathische und dankbare Menschen begegnet." Er überlegt kurz und sagt dann: "Da weiß man einfach, dass die eigene Arbeit sinnvoll ist."

 

Hintergrund: Der Verein Archemed wurde 2010 in Soest/NRW gegründet. Sein Ziel ist es, medizinische und humanitäre Hilfe für Kinder in Eritrea zu leisten sowie die dortigen Infrastrukturen zu fördern. Es arbeiten spezialisierte Ärzte aller pädiatrischen Fachrichtungen, Krankenschwestern, Techniker und Handwerker mit. Aktuell sucht Archemed Installateure, die beim Neubau einer Wasseraufbereitungsanlage mithelfen wollen. Die Reise- und Unterkunftskosten werden übernommen, eine Aufwandsentschädigung bezahlt. Die Reise findet voraussichtlich vom 3. bis 14. September statt.
Kontakt: Archemed, Grüner Weg 12, 59519 Möhnesee, Telefon: 02924/972910, E-Mail: info@archemed.org.
Internet: Zum Webauftritt von Archemed geht es hier.

Text: Wolfgang Weitzdörfer; Fotos: © Archemed

Text: / handwerksblatt.de

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