Immer der Mucke nach. Michael Wenzelist der Herr der Sound-Box. Mit Musik der70er und 80er Jahre gibt er den Ton an.

Immer der Mucke nach. Michael Wenzelist der Herr der Sound-Box. Mit Musik der70er und 80er Jahre gibt er den Ton an. (Foto: © Düsseldorf Tourismus)

Musik: The Sound of Düsseldorf

Klangvoll: Ein neuer Rundgang zeigt Düsseldorf von einer sehr musikalischen Seite. Bekannte Musiker und Bands sendeten von hier wichtige Impulse an die internationale Musikszene. Bis heute.

"Play it loud". Wenn Michael Wenzel und Sven-André Dreyer mit hämmernden Bässen aus einer kleinen Sound-Box durch die Gassen von Düsseldorf ziehen, dann ist das eine Hommage an die Toten Hosen mit ihrem Kultsong "Tage wie diese". Zugleich gehört die Musikführung "The Sound of Düsseldorf" aber auch zum Lautesten, was die Stadt zu bieten hat. "Wir wollen laut sein", betont Michael Wenzel. "Mit unserem Rundgang möchten wir zeigen, dass gute Musik nicht nur aus den USA oder Großbritannien kommt." Seit 2019 erleben Musik-Nerds und alle an Musik Interessierte unterhaltsame wie überraschende Geschichten aus der DNA einer Musikstadt.

Musikalische Stadtgeschichte 

Nach acht Monaten Pause konnten die Journalisten an einem sonnigen Samstagvormittag endlich ihre Zeitreise durch mehr als 50 Jahre Musikgeschichte wieder starten. Emotional, mit viel Rhythmus im Blut erinnerten sie an Düsseldorfer Gruppen wie Kraftwerk, DAF, Fehlfarben, Propaganda, Der Plan, La Düsseldorf, Kreidler, Broilers, Marius Müller Westernhagen und viele, viele andere. Bei einem Blick vor und hinter die Kulissen erwiesen sie sich als absolute Insider der Szene. Zwei Stunden lang stellen sie Musiker und Bands vor. Unterwegs werden Stops an magischen Orten der Musikgeschichte eingelegt. Die so bedeutend waren, dass sogar David Bowie darauf aufmerksam wurde.

"In seiner Zeit als Wahl-Berliner war David Bowie sehr auf die Düsseldorfer Musikszene fixiert", weiß Sven-André Dreyer, dass der Sänger insbesondere von der Arbeit der Gruppe Neu! fasziniert war. 1971 gegründet von dem Duo Michael Rother und Klaus Dinger, war es das Ziel der Musiker den Schlager zu demontieren, umzugestalten und mit einer neuen deutschen Sprache zu verblüffen. Eine Zusammenarbeit Bowies mit den Düsseldorfer Musikern, um neue Klangwelten zu erkunden, kam nicht zustande. In einem Interview räumte Bowie ein: "Ja, ich habe Düsseldorf sehr genau verfolgt (…). Ich sage dir, wen ich momentan mag. Es sind Deutsche. Mouse on Mars. Eine Band, die ebenfalls aus Düsseldorf stammt."

Meilensteine in den neuen Musikgenres

Vor allem im Bereich Elektromusik und der neuen deutschen Popmusik erfanden die Düsseldorfer Künstler einen neuen Musikstil. Hier ist Kraftwerk zu nennen. In den 70ern zog es die jungen Musiker immer wieder hin zur modisch orientierten Kö. Hier gab es die schönsten Girls und angesagtesten Clubs. Die jungen Musiker waren Dandys, sie hatten das Geld, die technischen Mittel und die Kreativität, das vorherrschende Verständnis von Musik in ein Licht der Mensch- Maschine zu rücken. Meilensteine in dem neuen Musikgenre legte gleichfalls die Gruppe Fehlfarben um Gründungsmitglied und Sänger Peter Hein zurück. Er zählte zu den Pionieren der Punkbewegung. Mit dem Song "(Ein Jahr) Es geht voran" landen sie einen Hit.

Mit Beginn der "Neuen deutschen Welle" wird es den Musikern wichtig, einen Brückenschlag zur bildenden Kunst herzustellen. Ein Halt an der Neubrückstraße 12 ist daher ein Muss. Von 1967 bis 1976 gehörte das Creamcheese zu den ungewöhnlichsten und spektakulärsten Lokalen Düsseldorfs. Unter der künstlerischen Leitung des Bildhauers Günther Uecker entstand entlang der Bar mit Künstlern wie Heinz Mack und Gerhard Richter ein Gesamtkunstwerk. Die Liste der Gäste ist ein who is who der internationalen Musikszene. In dem schlauchförmigen Insidertreff feierten unter anderem Jimi Hendrix und Frank Zappa. Tangerine Dream und Kraftwerk traten dort bereits 1969 und 1970 auf.

Zitat "So ist "The Sound of Düsseldorf" mehr als eine Entdeckungsreise. Es ist ein musikalisches Erlebnis, das deutlich werden lässt, wie diese Musik entstand und was sie bis heute zeitlos macht." 

Zeitlose Musik

Sven-André Dreyer (l.) hat zu jeder Geschichte ein passendes Foto der Band, der Schauplätze und Personen im Gepäck. Foto: © Düsseldorf TourismusSven-André Dreyer (l.) hat zu jeder Geschichte ein passendes Foto der Band, der Schauplätze und Personen im Gepäck. Foto: © Düsseldorf Tourismus

Nur einen Katzensprung vom Creamcheese und der Kunstakademie entfernt lag der Ratinger Hof. Die Toten Hosen lernten dort ihr Punk-ABC und gaben ihr erstes Konzert. Die Künstlerkneipe gilt als Wurzel des deutschen Punks. Mitte der 70er übernahm Carmen Knoebel die Kneipe mit dem Wunsch, nach Gastronomie auch eine eigene Musik zu spielen. Aus einer Kuschelecke für Hippies entstand etwas vollkommen Neues. Der Künstler Imi Knoebel nimmt eine radikale Veränderung vor. Weiß gestrichene Wände und Neonleuchten an den Decken ziehen ein neues Publikum an. Musiker wie Male oder Family 5 stehen auf der Bühne.

Am Ende des Rundgangs ist klar: "The Sound of Düsseldorf" ist weit mehr als eine Entdeckungsreise. Es ist ein musikalisches Erlebnis, das deutlich werden lässt, wie bedeutend die Musik war, aber auch erstaunlich zeitlos immer noch klingt. Wer in der Stadt am Rhein unterwegs ist, findet nach wie vor eine lebendige lokale Musikszene vor. Was viele nicht wissen: Nach Hamburg und Berlin werden in den Studios der Stadt die meisten Musikalben produziert. Wenn es also einen Ort gibt, wo sich Menschen treffen, die Musik lieben, ja, dann ist es Düsseldorf!

Foto: © Düsseldorf TourismusFoto: © Düsseldorf Tourismus

Musikgeschichte
"The Sound of Düsseldorf – Ikonische Musikorte und ihre Songs"
Spaziergang vom Dreischeibenhaus bis zum Mannesmann-Hochhaus. Jeden Samstag, außer im Dezember und Januar. 16 Euro

Anmeldung
duesseldorf-tourismus.de
Die Guides Dreyer/Wenzel führen mit einer Sound-Box durch die Stadt. Zu hören sind immer wieder legendäre Songs wie "Das Model" von Kraftwerk oder "Dreiklangdimensionen" von Rheingold. Bei Spotify gibt es eine Playlist, die während des Pop-Walks gespielt wird.
duesseldorf-tourismus.de/sound

Dreyer/Wenzel
"Keine Atempause – Musik aus Düsseldorf"
Droste Verlag 192 Seiten, 25 Euro Zu bestellen im vh-buchshop.de

Seit März erzählt Google Arts & Culture online die Geschichte der elektronischen Musik. "Music, Makers & Machines". Mit sechs Beiträgen ist Düsseldorf in dem Projekt prominent vertreten. Ab 9. Dezember wird es im Kunstpalast die Ausstellung "Electro. Von Kraftwerk bis Techno" geben. Gezeigt wird die Verbindung der elektronischen Musik zur Kunst. kunstpalast.de

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Text: / handwerksblatt.de

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