Sonnenuntergang in Oostende (Foto: © Jürgen Ulbrich)

Sonnenuntergang in Oostende (Foto: © Jürgen Ulbrich)

Sonne, Strand und Sexual Healing

Panorama - Reise

Oostende, die Stadt am Meer, gilt als Königin der belgischen Seebäder und lädt zu einer ausgiebigen gastronomischen wie kulturellen Entdeckungstour ein.

"Königin der Seebäder" lobte schon König Leopold II. (1835-1909) sein "geliebtes Oostende" an der belgischen Nordseeküste in der Provinz Westflandern. Einst war die Stadt am Meer der Treffpunkt der europäischen Aristokratie, Sehen und Gesehen werden war die Devise der Monarchen und des Geldadels. Und noch heute ist Oostende die einzige wirkliche Stadt unter Belgiens Seebädern, auch wenn die vielgeschossigen Bettenburgen, die die Küste säumen, sicherlich nicht jedermanns Geschmack sind und zum Teil im bizarren Gegensatz zur erhaltenen Belle-Époque-Architektur stehen. Einerseits ist Oostende ein Bademekka mit dem über neun Kilometer langen feinen Sandstrand, anderseits besitzt Oostende ein herausragendes kulturelles Angebot. Historischer Mittelpunkt ist der Hafen mit dem Visserskai und seinen Fischbuden. Darüber hinaus laden über 300 Restaurants zu einer gastronomischen Entdeckungstour ein. Und nicht zuletzt bietet die Stadt am Meer ein pulsierendes Nachtleben.

Urbanes Leben

Foto: © Jürgen Ulbrich Foto: © Jürgen Ulbrich

Wer über die Albert I Promenade spaziert, vorbei an den voll besetzten Cafés und exquisiten Restaurants, spürt schnell den internationalen Flair von Oostende. Hier sind Strand, Sonne und Vergnügen die Maximen. Besonders schön ist die Aussicht auf das Seepanorama bei Sonnenuntergang, dann scheint die Promenade fast noch voller zu sein als tagsüber. Geschäftiges Treiben herrscht auch in den zahlreichen Einkaufsstraßen mit ihren erlesenen und eleganten Boutiquen, so etwa in der Haupteinkaufsmeile, der Kapellestraat. Doch Oostende bietet ebenso malerische Ecken wie den Hafen oder die Königliche Sommerresidenz, die zum Verweilen einladen. Und während Kunstliebhaber ins PMMK (Museum für Moderne Kunst) oder ins Mu.ZEE (Kunstmuseum für belgische Kunst am Meer) pilgern, wirbeln auf den Roulette-Tischen des weltbekannten Casinos die Jetons.

Maritimes Leben

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Vor dem Bau des Ärmelkanaltunnels war Oostende einer der wichtigsten Fährhafen vom europäischen Festland nach England, verlor nach dessen Eröffnung aber stark an Bedeutung. Heute prägen herrliche Yachten und der Fischereihafen das maritime Leben der Küstenstadt. Interessierte Besucher können am Mercatordock den ausgedienten Dreimaster "Mercator" besichtigen. Das ehemalige Marine-Schulschiff segelte von 1932 bis 1960 über die Weltmeere und legte dabei fast 340000 Seemeilen zurück. Seit 1965 liegt es nun im Hafen vor Anker und beherbergt ein Schifffahrtsmuseum. Jährlicher Höhepunkt ist die maritime Oldtimer-Parade Oostende voor Anker, während der Dutzende historischer Großsegler und kleine und große motorbetriebene Schiffe in Oostende ankern. 2016 findet "Oostende voor Anker" vom 26. bis 29. Mai statt.

König Leopold II.

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Wer durch die 400 Meter langen Arkaden am Zeedijk wandelt, begibt sich auf die Spuren von Leopold II. Der ließ die Arkaden einst erbauen, um in ihrem Schatten von seiner Sommerresidenz zur Pferderennbahn zu flanieren. Sie sind nicht das einzige Bauwerk, das der umtriebige wie äußerst umstrittene Herrscher in "seinem" Badeort errichten ließ. Leopold II. finanzierte seine landesweite Bauwut mit den Einnahmen aus dem Kongo-Freistaat, dessen persönlicher Eigentümer er von 1885 bis 1909 war – ein in der Kolonialgeschichte einzigartiger Vorgang. Heute gilt Leopolds grausame Herrschaft über den Kongo-Freistaat als Völkermord, vorsichtig geschätzt wurden 10 Millionen Kongolesen getötet - seinerzeit die Hälfte der Bevölkerung – und unzählige Menschen gefoltert und verstümmelt. Ein dunkles Kapitel der belgischen Geschichte, das der Schriftsteller Joseph Conrad in seiner weltberühmten, 1899 erschienenen Erzählung "Herz der Finsternis" thematisierte, in der er seine Erfahrungen als Flussschiff-Kapitän im Kongo-Freistaat des Jahres 1890 niederschrieb.

Ensor, der Maler der Masken

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James Ensor (1860-1949) ist einer der berühmtesten Söhne Oostendes und verbrachte den größten Teil seines Lebens in seiner Heimatstadt, in der er den Andenkenladen der Eltern führte. Er wurde früh vom Impressionismus beeinflusst, wandte sich später jedoch christlichen Themen und fantastischen Visionen mit Dämonen, Skeletten und Masken zu. Besonders mit Hilfe der Symbolik der Maske zeigte Ensor seine sarkastische Verachtung für das bürgerliche Denken seiner Umwelt. Dieses Ausdrucksmittel durchzieht das gesamte Werk des belgischen Meisters, das durchweg stark von ironischer Verzerrung geprägt ist. Das Ensorhaus, hier wohnte und arbeitete der Künstler bis zu seinem Tod, bietet einen interessanten Einblick in die Welt des berühmten Malers mit Originalmobiliar und Erinnerungsstücken. Auf den Spuren Ensors wandeln Besucher während des digitalen Stadtbummels Das Parfüm von Oostende, gesprochen vom Meister höchstpersönlich. Und jedes Jahr am ersten Märzsamstag feiert man im Kursaal die Wohltätigkeitsveranstaltung Bal du rat mort ("Ball der toten Ratte"), den Ensor zusammen mit Freunden 1898 nach dem Vorbild des Pariser Kabaretts "Rat mort" ins Leben rief.

Essen und Trinken

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Lassen Sie sich von dieser vor Lebensfreude überschäumenden Stadt verführen! Nach einem Bummel über die Promenade oder einem Besuch des Casinos sollten Sie einem der zahlreichen Feinschmecker-Restaurants einen Besuch abstatten. Von der Dachterrasse des Kursaals im Ostend Queen haben Sie einen herrlichen Ausblick. Hier werden Fischmenüs, Regionalprodukte und Leckereien serviert, die die Nordsee bietet. Eine tollen Blick auf die Promenade und hervorragende Fischgerichte genießt man auch in dem Top-Restaurant Toi, moi et la mer ("Du, ich und das Meer") oder im Savarin. Preiswerter und lockerer geht’s dagegen in Restaurant Jan’s Café zu. Probieren Sie hier unbedingt die hervorragenden Weine!

Sexual Healing

Im September 1982 veröffentlichte der US-amerikanische Soul- und R&B-Sänger Marvin Gaye (1939–1984) sein Album "Midnight Love", das den Welthit "Sexual Healing" enthielt. Gaye schrieb den späteren Grammy-Gewinner in Oostende, wohin er sich im Februar 1981 zurückgezogen hatte. Etwa 18 Monate lebte er in der Stadt am Meer, unter anderem in der "Residence Jane" (Albert I Promenade 77). Seine Zeit vertrieb er sich im „Café Floride" (Albert I Promenade 81) oder beim Sport. Heute erinnern ein Gedenkstein auf der Promenade vor der "Residence Jane" und eine mächtige Bronzestatue in der Lobby des Casinos an den so tragisch verstorbenen Musiker - sein Vater erschoss ihn im Streit mit einer Waffe, die ihm der Sohn geschenkt hatte. Erkunden können Sie Marvin Gayes Monate in der Stadt am Meer bei dem digitalen Spaziergang Marvin Gaye – Midnight Love Tour.

Nachtleben

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Und wer nach einem langen Tag noch das üppige Nachtleben der Stadt erkunden möchte, sollte die Langestraat und die umliegenden Straßen besuchen. Dort reihen sich Cafés, Bars und Diskotheken aneinander, in denen bis in die frühen Morgenstunden nach Lust und Laune gefeiert wird. Junge Leute zieht es etwa freitags nachts ins "Groovy Buddha" (Langestraat 43), angesagt ist auch die "Lafayette Music Bar" (Langestraat 12). Vergessen Sie nicht, die berühmten belgischen Biere zu kosten, so etwa das Abteibier „Tripel Karmeliet", das einst Karmelitermönche erfanden. Doch Vorsicht, 8,4 Prozent Alkoholgehalt sollten nicht unterschätzt werden!

Hotel-Tipp
Das Thermae Palace liegt direkt am Strand und verfügt über 159 Zimmer. Das "Périgord", ein Restaurant im Belle Epoque-Stil, bietet eine herrliche Aussicht aufs Meer.

Kinder-Tipp
Erde, Wasser, Wind und Feuer. Das sind die Themengebiete, die das interaktive Museum Explorado Family Adventure Science Park Oostende zum Anfassen und Mitmachen anbietet. So wird etwa erklärt, wie die Erde entstand und welche Wirkung die Naturgewalten auch auf unser tägliches Leben haben. 
 
Natur-Tipp
Atlantikwall Domäne Raversyde – drei historische Museen sind hier mitten in der Dünenlandschaft eingebettet. Das Memorial Prinz Karel, das Freilichtmuseum Atlantikwall mit einem Bunker- und Schützengrabenkomplex wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie Walraversyde, ein Fischerdorf von 1464. Archäologen entdeckten und rekonstruierten das alte Dorf.  

Weitere Infos:
Tourismus Oostende, Monacoplein 2, Tel. 0032 59701199 / Fax 0032 59703477

Text: / handwerksblatt.de

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