Die Rennautos des italienischen Rennfahrers Lorenzo Bandini gehörten beim Motor Valley Fest 2019 zu den Ausstellungsstücken.

Die Rennautos des italienischen Rennfahrers Lorenzo Bandini gehörten beim Motor Valley Fest 2019 zu den Ausstellungsstücken. (Foto: © Francesco Rucci / Motor Valley Collezione Bandini)

Sportwagenfestival "Made in Emilia Romagna“

Bis heute gehört die Region mit ihrer 110 Kilometer langen Küste zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Aber auch kulinarische Erlebnisse und ein Fest der schnellen Flitzer locken die Besucher an.

Schraubstock, Klemme, Tupfer. Mit einem weichen Tuch poliert der italienische Tecnico automobilistico hingebungsvoll ein letztes Mal den blitzeblanken Kotflügel eines Pagani Sportwagens. Der strahlend blaue Traum von einem schnellen Flitzer wurde über einen Monat, fast möchte man sagen, in Handarbeit erschaffen.

Seit den 90ern verlassen ausschließlich die luxuriösen Sportwagenmodelle Zonda C12 und Huayra in limitierter Auflage das Werksgelände in San Cesario sul Panaro in der Provinz Modena. Der Gründer, der Argentinier Horacio Pagani, hatte sein ganzes Wissen über Luxusautos zuvor als Spezialist für Carbon-Verarbeitung bei Ferrari wie auch bei Lamborghini gesammelt.

Emilia Romagna, das Eldorado der italienischen Autoindustrie

Ein Lamborghini schlängelt sich durch die malerischen Gassen in Modena. Foto: © Eros MaggiEin Lamborghini schlängelt sich durch die malerischen Gassen in Modena. Foto: © Eros Maggi

Liebhaber schneller Autos bekommen jetzt sicherlich leuchtende Augen, wenn Namen wie Ferrari und Lamborghini fallen. Doch die Emilia Romagna hat als Eldorado der italienischen Automobilindustrie gleich noch ein paar weitere PS-Trümpfe in der Hand. Es waren die Leidenschaft und Begabung für eine automobile Spitzenleistung der Menschen dieser Region, die dazu führte, dass in der sanft gewellten Hügellandschaft ebenso Luxuslabels wie Maserati, Dallara oder Ducati in den Regionen Modena, Maranello und Bologna zu Hause sind. Einer Region, die einen wunderschönen Kontrast zwischen Meer und Gebirge zu bieten hat. Zwischen der flachen Po-Ebene und der malerischen Landschaft der Apennin-Bergkette nutzen bis heute die Autobauer die kurvenreichen Straßen des Apennin für ihre Testfahrten.

Motor Valley Fest

Vom 1. bis zum 4. Juli geht das "Motor Valley Fest" in der "Terra di Motori" in diesem Jahr wieder an den Start. Musste das Fest der Motoren im letzten Jahr wegen der Pandemie rein virtuell stattfinden, hoffen die Veranstalter, als Hybridveranstaltung das Leuchten in den Augen der Fans wieder wecken zu können. Zum ersten Mal sind auch alle regionalen Rennstrecken der Emilia Romagna vertreten. Das sind der Riccardo Paletti in Varano, die Rennstrecke Modena, das Internationale Autodrom, die Rennstrecke Enzo und Dino Ferrari in Imola und der Misano World Circuit Marco Simoncelli, die für adrenalingeladene Momente sorgen wollen.

Neu sind Veranstaltungen, die die Nachhaltigkeit und die Welt der Elektromobilität thematisieren. Zentrum des Festivals ist Modena. In der Geburtsstadt von Star-Tenor Luciano Pavarotti werden rund um die Piazza Grande mit dem Dom San Geminiano Besucher den schönsten Sportwagen und Motorrädern ein Stückchen näher kommen. Anfassen erlaubt, wartet vier Tage lang die UNESCO-Weltkulturerbestadt mit Ausstellungen und Pop-up-Veranstaltungen auf.

Historische Klassiker und ein Blick hinter die Kulissen von Ferrari 

Aber auch Oldtimer-Fans dürfen vor Freude in die Hände klatschen. In rund 18 Privatsammlungen sind historische Bugattis, Alfa Romeos, Lancias und Fiats zu bestaunen. Wer noch mehr die Entwicklungsgeschichte der Luxusmarken verfolgen möchte, sollte einen Abstecher in das 22 Kilometer entfernte Dorf Maranello unternehmen. Immer entlang der gelben Linie können Besucher auf dem Werksgelände von Ferrari die Produktion der Luxusschlitten beobachten und im Anschluss gleich noch dem Ferrari-Museum einen Besuch abstatten. Um einiges spektakulärer ist das Museo Casa Enzo Ferrari (MEF) in der Via Paolo Ferrari in Modena. Erzählt wird nicht nur die Pionierarbeit von Enzo Ferrari. In einem 5.000 Quadratmeter großen futuristischen Neubau, der Nuova Galleria, stehen die roten Schmuckstücke auf Podesten und erzählen den Museumsbesuchern ihre Renngeschichte, in deren Mittelpunkt der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher steht.

Vom Traktor zum Luxusschlitten

Aber auch die Autoschmiede Lamborghini lädt zu einem Museumsbesuch ein. In Sant’Agata Bolognese stehen vom 350 GT bis zum Countach, dem Miura bis hin zum Diablo alle Modelle im Scheinwerferlicht, die für die Geschichte wichtig waren. Als Lamborghini Trattori startet das Unternehmen vor über 40 Jahren als Hersteller von Traktoren. Wenige Kilometer weiter befindet sich dann das Centro Museale Ferruccio Lamborghini in Funo di Argelato (BO) in der Provinz Bologna. Gezeigt wird fast alles, was Ferruccio Lamborghini in seinem Arbeitsleben geschaffen hat. Ausgestellt sind Traktoren, wie auch der berühmte "Topolino Mille Miglia", ein Fiat, den Ferruccio 1948 in eine Art Rennwagen umbaute.

Nicht nur Autoliebhaber kommen auf ihre Kosten 

Die Vielfalt des perligen Lambrusco erleben Besucher bei einer Weinprobe auf dem Weingut Chiarli. Foto: © DHBDie Vielfalt des perligen Lambrusco erleben Besucher bei einer Weinprobe auf dem Weingut Chiarli. Foto: © DHB

Enthusiasten, die sich bei zahlreichen Demonstrationen, Testfahrten und heißen Runden an den chromblitzenden schnellen Flitzern sattgesehen haben, sollten es nicht versäumen, auch die kulinarischen Genüsse der Emilia Romagna kennenzulernen. Im Nordosten Italiens ist die Region für ihren Parmaschinken, Parmesankäse, Tortellini und vor allem den Aceto Balsamico Tradizionale di Modena bekannt. Hergestellt nach einer Rezeptur aus dem Jahr 1046 macht der Zusatz "Traditionale" den Unterschied zu den anderen Balsamicos.

Nur dreißig Autominuten von Modena entfernt liegt die Stadt Parma. In den Schaufenstern der Feinkostläden laden Parmaschinken und Parmakäse zur Verkostung ein. Neben weiteren Feinschmecker-Angeboten hält Parma zudem als Kulturhauptstadt 2021 ein reichhaltiges Angebot erlebnisreicher Veranstaltungen parat. Nachdem dieses Ereignis auch wegen der Corona-Krise von 2020 auf 2021 verlegt werden musste, setzen die Macher alles daran, in der Universitätsstadt alles zu bieten, was ein richtiges "Bella-Italia-Feeling" nur hergeben kann.

Wieder zurück in Modena können Besucher bei einem abendlichen Stadtbummel noch einmal an den vielen Karossen vorbeischlendern. Im Anschluss laden die Altstadtbars in der Via Gallucci zu einem Glas Lambrusco ein. Die Trauben des perlig-fruchtigen Rotweins werden rund um Modena und Parma angebaut. Schon nach dem ersten Schluck werden Weinliebhaber und Experten gleich einen feinen Wein erkennen, der längst sein ehamals schlechtes Image aus den 70er Jahren hinter sich gelassen hat. Gute Fahrt in die Emilia Romagna, das Land der Motoren und der Genüsse.
motorvalley.it/en
visitmodena.it/en

Anreise

Zu den Provinzen der Emilia Romagna gehören Bologna, Ferrara, Forli-Cesena, Modena, Parma, Piacenza, Ravenna, Reggio Emilia und Rimini.
Mit dem Flugzeug: Flug mit Air Dolomiti. Der Flughafen Bologna G. Marconi liegt etwa 35 Kilometer von der Stadt entfernt und ist der nächstgelegene Flughafen von Modena.
Mit dem Zug: Modena kann von Mailand in weniger als zwei Stunden erreicht werden. Von Bologna fahren regelmäßig Züge, die innerhalb von zwanzig Minuten Modena erreichen.

Unterkunft

Modena: Hotel Principe, Corso Vittorio Emanuele II 94, Telefon +39 059 218670, DZ ab 160 Euro
Internet: elprincipehotel.com
Parma: Hotel Stendhal, Via Gian Battista Bodoni 3, Telefon +39 059 208057
hotelstendhal.it/en/index.aspx

Restaurant

Modena: Trattoria La Pomposa by Chef Luca Marcini, Via Castel Meraldo no. 57
trattoriapomposa.it
Parma: Restaurant La Filoma, Via XX Marzo 145
ristorantelafiloma.it

Weingut

DOC Lambrusco Winery CHIARLI Via Daniele Manin 15, Modena
chiarli.it

Maserati Museum

Neben den erwähnten Museen können auch das Maserati Museum und Unternehmen in Modena besichtigt werden. Maserati Museum

Text: / handwerksblatt.de