"Es braucht eine entschlossene Bildungswende. Mit einer handwerklichen Ausbildung kann jede und jeder ihren oder seinen Beitrag zum Gelingen der Klimawende leisten", sagt Holger Schwannecke.

"Es braucht eine entschlossene Bildungswende. Mit einer handwerklichen Ausbildung kann jede und jeder ihren oder seinen Beitrag zum Gelingen der Klimawende leisten", sagt Holger Schwannecke. (Foto: © ZDH / Boris Trenkel)

Handwerk fordert Bildungswende

Politik

Bei der DHKT-Frühjahrskonferenz zeichnete ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke ein Lagebild des Handwerks. Die Fachkräftesicherung sei das drängendste Thema.

Die vergangenen beiden Jahre haben im Handwerk tiefe Spuren hinterlassen. "Viele Betriebe und Beschäftigte haben massiv kämpfen müssen, um überhaupt zu überleben. Sie haben Vieles neu lernen und sich auf einigen Gebieten einschränken oder umstellen müssen", sagte Holger Schwannecke bei der Frühjahrskonferenz des Deutschen Handwerkskammertags (DHKT). Ein Lichtblick sei die positive Entwicklung im Bereich Digitalisierung. "Viele Handwerksbetriebe setzen auf innovative digitale Lösungen und sind damit auch wirtschaftlich erfolgreich", so der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Der Krieg in der Ukraine verhindere den für dieses Jahr erhofften Aufschwung. "Das, was die Menschen in der Ukraine seit zwei Monaten durchleiden müssen, erschüttert das deutsche Handwerk zutiefst", betonte Schwannecke. Er sei froh, dass sich die Betriebe solidarisch und sehr hilfsbereit zeigen. Humanitäre Hilfe sei wichtig, aber es gehe auch darum, welche Auswirkungen dieser Krieg mitten in Europa auf  Wirtschaft und Gesellschaft hat. Die Politik müsse nun die richtigen Entscheidungen treffen, um die Versorgungssicherheit im Energiesektor zu gewährleisten und die größten Lasten abzufedern.

Betrieben unbürokratisch helfen

"Politik muss unseren Betrieben gezielt, schnell und unbürokratisch helfen, die Lasten aus dieser Preisexplosion abzufedern und Härten auszugleichen", forderte Schwannecke. Die Verbrauchsteuern wie Strom- und Energiesteuern sollten auf die europäisch zulässigen Mindestsätze gesenkt und die neue CO2-Bepreisung sollte zeitweise ausgesetzt werden. Besonders energieintensive Bertriebe müssten direkte Hilfen erhalten, um einer Insolvenzwelle vorzubeugen. Das Hilfspaket der Bundesregierung laufe an diesen Betrieben komplett vorbei.

"Weil der Ukraine-Krieg viele Handwerksbetriebe – jenseits der Energieproblematik – mittelbar durch massive Materialpreissteigerungen und Lieferkettenprobleme betrifft, muss zudem zwingend ein zusätzlicher Kleinbeihilferahmen geschaffen werden." Die Nutzung von Preisgleitklauseln auf Bundesebene und die Möglichkeit, bestehende Bauverträge an neue Preisverhältnisse anzupassen müssten auch auf Länder- und kommunaler Ebene angewandt werden – auch über den Baubereich hinaus.

Fachkräftesicherung das drängendste Thema im Handwerk

Geflüchtete Menschen aus der Ukraine gelte es, zügig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Generell sei die Fachkräftesituation ein dringedes Problem. Schwannecke: "Wir haben einen enormen Fachkräftebedarf und die Fachkräftesicherung der Zukunft bleibt das drängendste Thema im Handwerk." Entscheidend, dass das Handwerk endlich wieder mehr wertgeschätzt wird. "Das gilt umso mehr, als es gerade die handwerklichen Dienstleistungen sind, die wir zur Bewältigung der Transformationsprozesse unbedingt brauchen – bei Klima-, Umwelt- oder Energiepolitik genauso wie bei der Mobilität."

Die Botschaft müsse lauten: Es gibt zwei Wege, um erfolgreich zu sein: den akademischen und den berufspraktischen Ausbildungsweg – wobei beide absolut gleich viel wert seien. Die Politik müsse entsprechend handeln. Das gelte ganz besonders für die finanzielle Ausstattung der beruflichen Bildung insgesamt. "Es braucht eine entschlossene Bildungswende. Mit einer handwerklichen Ausbildung kann jede und jeder ihren oder seinen Beitrag zum Gelingen der Klimawende leisten. Wer aktiv täglich in seinem Beruf seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten will, der ist bei uns im Handwerk genau richtig."

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Text: / handwerksblatt.de

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