Durch das altersbedingte Ausscheiden von Berufsschullehrern in den kommenden Jahren droht ein Lehrermangel in Brandenburg.

Durch das altersbedingte Ausscheiden von Berufsschullehrern in den kommenden Jahren droht ein Lehrermangel in Brandenburg. (Foto: © auremar/123RF.com)

Lehrermangel droht: Brandenburg braucht Berufsschullehrer

Politik

In den kommenden Jahren treten in Brandenburg jährlich um die 100 Berufsschullehrer in den Ruhestand. Der dualen Ausbildung droht damit ein einschneidender Lehrermangel.

Ein Blick auf die Zahlen: In Brandenburg besuchten zum Schuljahr 2019/20 laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 24.925 Schülerinnen und Schüler die 25 Berufsschulen in öffentlicher Trägerschaft an den Oberstufenzentren (OSZ), davon 23.841 in der dualen Berufsausbildung und weitere 1.084 in der Berufsorientierung. Unterrichtet wurden sie von 1.917 voll- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräften.

Hinzu kamen zehn Berufsschulen in freier Trägerschaft mit 1.215 Schülern und 352 Lehrkräften. 65 Prozent der Lehrerschaft an den Berufsschulen waren zu diesem Zeitpunkt bereits 50 Jahre und älter. Durch ihr altersbedingtes Ausscheiden in den kommenden Jahren droht absehbar ein Lehrermangel, der die Zuverlässigkeit der dualen Ausbildung in Brandenburg gefährdet.

Seit 1990 keine Berufsschullehrerausbildung

Zum Lehrermangel trägt bei, dass das Land Brandenburg an seinen Hochschulen keine grundständige universitäre Ausbildung zum Berufsschullehrer anbietet. Thomas Pehle, Vorsitzender des brandenburgischen Lehrerverbands beruflicher Schulen, klagt: "Wir haben seit 1990 keine Berufsschullehrerausbildung in Brandenburg. Es ist ein Unding, dass wir unseren Nachwuchs aus anderen Bundesländern rekrutieren müssen, welche zum großen Teil eine bessere Bezahlung und attraktivere Arbeits- und Wohnbedingungen bieten." Seine Forderung: "Da muss Brandenburg gegenhalten."

Ähnlich sieht es das brandenburgische Handwerk. "Das Handwerk steht für eine anspruchsvolle Ausbildung", sagt Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. "Durch stetigen Wandel, Technisierung und Digitalisierung steigen die Anforderungen an die Ausbildung und die Betriebe. Die Entwicklung und Sicherung einer hohen Unterrichtsqualität ist daher von größter Bedeutung."

Arbeitsgruppe erarbeitet Konzept

Unterrichtsausfall war schon vor Corona an vielen OSZ zu beklagen, weiß Deutscher. "Deshalb ist es ungemein wichtig, eine eigene Berufsschullehrerausbildung im Land Brandenburg zu etablieren. Diese Forderung erheben wir seit fast zehn Jahren, untersetzt mit konkreten Vorschlägen. Erhört wurden wir leider nicht."

Nach DHB-Informationen erarbeitet zurzeit eine Arbeitsgruppe ein Konzept zu möglichen Ausbildungsvarianten, den möglichen Standorten und den damit verbundenen Kosten. Ihr gehören neben dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) sowie dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) auch die in Frage kommenden Universitäten BTU Cottbus-Senftenberg und Potsdam an.

Ergebnis im dritten Quartal

Weiterhin soll geprüft werden, ob das Institut für Weiterqualifizierung im Bildungsbereich an der Uni Potsdam dauerhaft einen berufsbegleitenden Studiengang anbieten kann. Ein Ergebnis will die Landesregierung spätestens im dritten Quartal des Jahres vorlegen.

Nach Ansicht des brandenburgischen Berufsschullehrerverbands sollte in dem geplanten Studiengang jede angehende Lehrkraft, wie auch bei anderen Lehrämtern, zwei Fachrichtungen belegen. Das könnten zwei berufliche Fächer oder aber auch ein berufliches und ein allgemeinbildendes Fach wie Mathematik, Deutsch oder Wirtschaftskunde sein. "Diese Fächerkombinationen werden dringend gebraucht", so Thomas Pehle.

Ausbildung verkürzen

Die Arbeitsgruppe folgt einem Beschluss des Brandenburger Landtages. Über die Notwendigkeit einer eigenen Berufsschullehrerausbildung herrscht in Brandenburg parteiübergreifend Einigkeit. So plädiert Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der Fraktion Die Linke, etwa für eine Beschleunigung der Ausbildung: "Es sollten Konzepte geprüft werden, die unter Wahrung einer hohen Qualität eine zeitliche Verkürzung der Ausbildung gewährleisten."

Hierbei könnten Konzepte favorisiert werden, so Danneberg, die auf einen Bachelor-Abschluss in den relevanten Erstfächern aufbauen und dann erst die pädagogischen, lehramtsbezogenen Masterstudiengänge folgen lassen. Als Vorbild wird von Experten immer wieder der Masterstudiengang Berufliche Bildung an der TU München genannt, der sich an Absolvent/innen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge richtet.

Arbeitsbedingungen attraktiver machen

Der geplante Studiengang wird den Lehrermangel an den OSZ allerdings frühestens in zehn Jahren mindern helfen. Bis dahin gilt es, die Arbeitsbedingungen für Berufsschullehrer an den OSZ in Brandenburg attraktiver zu gestalten, um auch Bewerber aus anderen Bundesländern anzulocken oder Quereinsteiger zu motivieren.

"Lehrkraft an einer beruflichen Schule zu sein, bedeutet meist lange Fahrtwege in Kauf zu nehmen", nennt Thomas Pehle eine der Hürden. "Die verschiedenen Standorte, manchmal sind es bis zu vier in Brandenburg, erfordern viel Flexibilität." Attraktivitätskonzepte müssten daher gerade für den berlinfernen Raum entwickelt werden, um auch dort die duale Ausbildung in den kommenden Jahren zu sichern.

Finanzielle Anreize setzen

Da sind zum einen finanzielle Anreize gefragt. Neben variabel gestalteten Zuschlägen für die Lehrkräfte an den OSZ und besseren Aufstiegsmöglichkeiten wünscht sich der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands aber auch attraktivere Weiterbildungsmöglichkeiten. Einer seiner Vorschläge: "Könnten die Kammern oder Unternehmen Ihre Fortbildungen für Lehrkräfte öffnen?" Dem stehen und standen die Kammern schon in der Vergangenheit offen gegenüber.

Ein Knackpunkt bleibt weiterhin auch die schleppende Digitalisierung und damit die Gefahr, dass die digitale Ausstattung an den Schulen der Digitalisierung der Ausbildungsbetriebe immer weiter hinterherhinkt. Bisher fällt die digitale Ausrüstung der 25 Oberstufenzentren mitunter sehr unterschiedlich aus.

Mehr Geld für IT-Ausstattung

Für die bessere IT-Ausstattung der Brandenburger Schulen stehen in den kommenden Jahren insgesamt 135 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land im Rahmen des DigitalPakts Schule bereit. Weitere 47 Millionen Euro können aus Zusatzvereinbarungen in mobile Endgeräte für die Schülerschaft und für Lehrkräfte sowie für die Finanzierung von IT-Administratoren fließen.

Gelder, die beispielsweise an den Berufsschulen für die Idee der "virtuellen Berufsschule" eingesetzt werden könnten, die bereits von den Autoren der Studie zur Situation der Oberstufenzentren in Brandenburg 2019 vorgeschlagen wurde. Die digitale Vermittlung einzelner Lehrinhalte und virtuelle Lehrformen könnte erheblich zur Entlastung von Lehrkräften ebenso wie der Auszubildenden beispielsweise hinsichtlich der oft langen Fahrtzeiten beitragen.

Text: / handwerksblatt.de

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