Mit staatlichen Infrastrukturförderungen müsse die Landesregierung Potenziale der mittelständischen Wirtschaft zur Entfaltung bringen, fordert Andreas Ehlert.

Mit staatlichen Infrastrukturförderungen müsse die Landesregierung Potenziale der mittelständischen Wirtschaft zur Entfaltung bringen, fordert Andreas Ehlert. (Foto: © HildaWeges/123RF.com)

Ruhrgebiet soll florierende Mittelstandsmetropole werden

Politik

Die nordrhein-westfälische Landesregierung stellt den Steinkohlekraftwerkstandorten Strukturhilfen für einen nachhaltigen Wandel zur Verfügung. Das Handwerk sieht den Miitelstand als wichtigen Teil für die Modernisierung.

Nach 200 Jahren Steinkohlebergbau in Deutschland wurde Ende Dezember 2018 auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop wurde das letzte Stück Kohle gefördert. Für das Ruhrgebiet bedeutete der Abschied von der Steinkohle einen historischen Wendepunkt, der mit einem tiefgreifenden Strukturwandel einhergeht. Mit der Abschaltung von fünf Steinkohlekraftwerken in Duisburg, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und im Kreis Unna geht Nordrhein-Westfalen einen weiteren Schritt in Richtung Kohleausstieg. Dazu hat die Landesregierung jetzt mit dem "5-Standorte-Programm" den Weg frei gemacht für die Bereitstellung von Strukturhilfen für die fünf Steinkohlekraftwerksstandorte. Erarbeitet hat sie es gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Thüringen.

"Noch bevor die Kraftwerke stillgelegt werden, entstehen durch innovative Projekte neue und gut bezahlte Arbeitsplätze für die Menschen in der Region", sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Die Bundesregierung stellt bis zum Jahr 2038 eine Milliarde Euro für die Transformation von Steinkohlekraftwerksstandorten zur Verfügung. Nordrhein-Westfalen erhält hiervon 662 Millionen Euro. Die jetzt unterzeichnete Verwaltungsvereinbarung konkretisiert die gesetzlichen Regeln des bereits in Kraft getretenen Investitionsgesetzes Kohleregionen. Das Handwerk begleitet den Strukturwandel im Ruhrgebiet intensiv. Die Handwerksorganisationen in der Region Ruhr – die drei Kammern Dortmund, Düsseldorf und Münster und elf Kreishandwerkerschaften – haben 2018 ihre politischen Forderungen für die zukünftige Entwicklung der Region Ruhr in mehreren Ruhrkonferenzen diskutiert und schließlich im Positionspapier "Mittelstandsmetropole Ruhr!" zusammengefasst.

Mittelstand Motor des Strukturwandels

Andreas Ehlert Foto: © Ingo LammertAndreas Ehlert Foto: © Ingo Lammert

Ein wertvoller Erkenntnisgewinn aus den Konferenzen sei, dass die handwerklichen Betriebe den Arbeitsmarkt in der wachstumsbenachteiligten Region Ruhr stabilisieren, die Ausbildung sichern und Innovationen vorantreiben, sagt Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW. "Handwerk und Mittelstand sind die Motoren eines erforderlichen Strukturwandels mit dem Ziel, aus der Ruhrschiene eine florierende Mittelstandsmetropole zu machen." Mit staatlichen Infrastrukturförderungen müsse die Landesregierung Potenziale der mittelständischen Wirtschaft zur Entfaltung bringen, fordert Ehlert. "Nur so kann es gelingen, die großen gesellschaftlichen Aufgaben wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, demografischer Wandel, Digitalisierung und Mobilität zu bewältigen."

LinksHier finden Sie das Handlungskonzept zum 5-Standorteprogramm und das Positionspapier des Handwerks im Ruhrgebiet.Das zentrale Leitlinie des 5-Standorte-Programms ist ein nachhaltiger Strukturwandel, der "im Einklang mit der bestehenden besonderen Wirtschaftsstruktur" steht und zukünftige Potenziale erschließt, heißt es im Handlungskonzept zum Programm. Verschiedene strategische Ziele stehen dabei im Vordergrund: Vorhandene Wirtschaftsflächenpotenziale sollen erschlossen und die Wirtschaft soll innovativer, nachhaltiger und widerstandsfähiger werden. Im Bereich Bildung sollen die "Wertschöpfungsketten" optimiert werden, damit attraktive Angebote und Potenziale für alle Arbeitsstufen entstehen können. Außerdem will die Landesregierung die Mobilität effizienter und nachhaltiger gestalten und die entsprechende Infrastruktur dafür schaffen.

Richtige Akzente für die Modernisierung

Hans Hund Foto: © Teamfoto MarquardtHans Hund Foto: © Teamfoto Marquardt

"Das fast 700 Millionen Euro schwere Standorte-Programm für die Region Ruhr setzt mit den Handlungsfeldern Innovationskraft, Nachhaltigkeit und Klimaschutz und vor allem mit dem Fokus auf die drängende Problematik der Bereitstellung von Wirtschaftsflächen absolut richtige Akzente für die notwendige durchgreifende Strukturmodernisierung", erklärt Hans Hund. Nun müsse es darum gehen, mit Hilfe des Programms eine führende Modellregion zur Förderung des Mittelstandes zu entwickeln, so der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags. Weitere Handlungsfelder seien der Ausbau erneuerbarer Energien und die Fachkräftesicherung im Handwerk. "Dabei bedarf es zunächst einer stärkeren Wahrnehmung und Wertschätzung für die handwerklichen Tätigkeiten und die Leistung der Beschäftigten. Hier besteht großer Handlungsbedarf.“ Besonders wichtig sei die Stärkung der Berufsbildungslandschaft im Ruhrgebiet. "Die Region Ruhr braucht dringend ein Aktionsprogramm zur Stärkung der dualen Ausbildung."

Andreas Ehlert lenkt den Blick auch auf "die Problematik zusehends verödender Innenstädte". Das Handwerk könne hier eine "revitalisierende Rolle" einnehmen. "Insgesamt betrachtet ist gerade das Handwerk in seinen Möglichkeiten in der Region Ruhr bislang zu Unrecht unterschätzt." Die bereits getroffenen Absprachen zwischen Handwerk und dem Regionalverband Ruhr (RVR) wiesen in die richtige Richtung. "Wichtig wäre, wenn auch vom Ruhrparlament nun bald ein starkes Signal ausgehen würde für eine Stärkung der mittelständischen Wirtschaftsstruktur im RVR-Raum. Die Bereitstellung eines quantitativ und qualitativ ausreichendenden Angebots an Gewerbeflächen im Rahmen durch den Regionalplan Ruhr wäre ein solches Signal."

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Text: / handwerksblatt.de

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