Handwerk

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Attraktive Alternativen zum Bankkredit

Handwerker haben es manchmal schwer, eine Finanzierung für Investitionen oder Betriebsmittel zu stemmen. Schließlich sind die Banken bei ihnen oftmals besonders zögerlich. Dabei gibt es attraktive Alternativen zum Kredit.

Auch heute noch wird Andreas Schomaker wütend, wenn er an seine alte Hausbank denkt. Der Biobäcker aus Rheurdt am Niederrhein wollte investieren und eine neue Getreidemahlanlage kaufen. Doch die Volksbank stelle sich quer. "Der Berater hat abgelehnt und gesagt: Bio ist nur eine Welle und wir bauen den Betrieb nicht weiter mit aus", erzählt er. Der Frust war groß. Doch er kam auf eine pfiffige Idee für die Finanzierung: Genussrechte.

Zusammen mit einem Unternehmensberater setzte er Verträge für die künftigen Anleger auf. Bis zu vier Prozent sollten sie als garantierte Zinsen auf ihre Einlage bekommen, "und bei einer vernünftigen Gewinnlage nochmal drei bis vier Prozent mehr", sagt Schomaker. Die Nachfrage war groß. "Wir hatten, bevor wir alles fertig hatten, schon Zusagen von unseren Kunden." Mindestens 1.000 Euro musste jeder anlegen. Innerhalb kurzer Zeit hatte er das Geld für den Maschinenkauf zusammen. "Wir waren überrascht über den Zuspruch der Kunden." Insgesamt 200.000 Euro sammelte seine Firma damit an Kapital ein – mehr als ursprünglich geplant.

"Wir waren überrascht über den Zuspruch der Kunden"

Für die Zinszahlungen ließ er "Schomaker-Zinsbonds" im Wert von jeweils einem Euro drucken, "kleine Scheine wie Monopoly-Geld und einem Kopierschutz, damit man ihn nicht nachmachen kann", erzählt der Bäckermeister und Betriebswirt. "Und damit kaufen die Leute mit extra Rabatt bei uns im Laden ein." Das zahlt sich aus. "Wir haben den Vorteil der geringeren Kosten und unsere Genussrechtler kaufen günstig ein."

Die Finanzierung über Genussrechte hat für Unternehmen aber auch noch andere Pluspunkte: Die Einlage zählt bei einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren zum wirtschaftlichen Eigenkapital und verbessert damit auch das Rating bei Banken und Wirtschaftsauskunfteien. Außerdem sind für die Finanzierung keine Sicherheiten notwendig und die Zinsen sind steuerlich absetzbar.

"Die Ausgabe von Genussrechte eignet sich grundsätzlich für jedes Unternehmen, das ein solides Anlagepotential hat", sagt Gernot Meyer, der bisher mehr als 60 Unternehmen dazu beraten hat. "Man muss aber den Mut haben, auf die Anleger zuzugehen." Dabei bezahlt längst nicht jeder die Zinsen wie Biobäcker Schomaker in Naturalien, wie das Wort "Genussrechte" vermuten lassen könnte. "Drei Viertel der Unternehmen zahlen die Zinsen in Geldform aus", sagt Meyer.In ähnlicher Weise können Unternehmen auch Mitarbeiter als Investoren ins Boot holen: durch Mitarbeiterbeteiligungen. Für das angelegte Kapital erhalten die Angestellten Zinsen und/oder eine Gewinnbeteiligung. "Das stärkt den Betrieb – und motiviert die Mitarbeiter", sagt Meyer.

Eine weitere alternative Finanzierungsmöglichkeit für Handwerksunternehmen sind stille Beteiligungen. Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGs) in den Bundesländern beteiligen sich zum Teil bereits mit fünfstelligen Beträgen als stille Gesellschafter. Und auch private Finanzierer wie die HCM in Quickborn sind in diesem Kleinsegment unterwegs.


Bei Leasing ist manchmal Vorsicht angebracht


Eine weitere Alternative für die Finanzierung von Investitionen, insbesondere von Maschinen oder dem Fuhrpark, ist das Leasing: Anlagegüter also zu mieten statt kaufen. Läuft ein Leasinggeschäft aus, kann der Kunde das gemietete Gut je nach Vertrag vollständig übernehmen, für eine weitere Vertragslaufzeit erneut mieten oder an die Leasinggesellschaft zurückgeben.

Reinhard Kaup, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Münster, rät in manchen Fällen allerdings zur Vorsicht. "Die Leasingzeit ist häufig kürzer als die Abschreibungszeit und die Finanzierungsdauer. Dadurch liegen die Leasingraten in vielen Fällen über dem Kapitaldienst eines gekauften und finanzierten Wirtschaftsgutes", sagt Kaup. "Deshalb sollten Unternehmen mit angespannter Liquidität prüfen, ob die Zahlungsfähigkeit gesichert ist."

Genussrechte: Ein gutes Mittel zur Kundenbindung

Unternehmen mit hohen Außenständen können sich auch durch Factoring mehr Liquidität Liquidität beschaffen: Dabei verkaufen sie offene Rechnungen an einen Factoring-Dienstleister und bekommen – wenn auch mit Abschlag – das Geld sofort, statt lange darauf warten zu müssen.

Andreas Schomaker hat inzwischen die Bank gewechselt. Mit der Ausgabe der Genussrechte ist er aber immer noch zufrieden. „Man kann es wirklich empfehlen. Es ist ein gutes Mittel, sich zu finanzieren – und zur Kundenbindung", sagt er. "Man muss es nur sicher sehr sauber und genau und interessant aufsetzen. Und man muss auch bereits sein, sich zu öffnen, die Unternehmensdaten mitzuteilen." Eine Sache würde er allerdings anders machen, wenn er heute noch einmal Genussrechte ausgeben würde: "Beim aktuellen Zinsniveau würde ich tiefer anfangen mit den Zinsen."

Das Bundeswirtschaftsministerium hat im Internet unter www.bmwi-unternehmensportal.de ein neues Informationsangebot zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung gestartet. Das neue Portal soll vor allem mittelständische Unternehmen auf dem Weg zu einer Beteiligung der Mitarbeiter an ihrem Unternehmen unterstützen und begleiten. Auf der neuen Informationsplattform werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen, Checklisten und Musterverträge für alle gängigen Beteiligungsmodelle bereitgestellt. Das Informationsportal richtet sich auch an Unternehmen, die bereits Erfahrungen gesammelt haben und ihr Beteiligungsmodell verbessern wollen.

Stille Beteiligung

Vorteile

  • langfristige Finanzmittel
  • zählt zum wirtschaftlichen Eigenkapital (bei einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren) und stärkt damit die Eigenkapitalbasis und das Rating bei Banken und Wirtschaftsauskunfteien
  • keine dinglichen Sicherheiten notwendig
  • kein Einfluss auf die Geschäftsführung
  • Zinsen sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar

Nachteile

  • höhere Zinsen als bei Fremdkapital
  • Einräumung von Informationsrechten

Leasing

Vorteile

  • schont das Eigenkapital
  • Einsparung von Steuern
  • Bilanzneutralität

Nachteile

  • teurer als der direkte Erwerb
  • höhere monatliche Fixkosten
  • Vertrags ist in der Mindestlaufzeit unkündbar
  • Gewährleistungsansprüche nur gegenüber dem Hersteller

Factoring

Vorteile

  • schnelle Liquiditätsbeschaffung
  • verbessert die Eigenkapitalquote
  • Schutz vor Forderungsausfällen
  • geringer Forderungsbestand
  • Entlastung des Kontokorrentkredits
  • Nutzung von Skontomöglichkeiten

Nachteile

  • Voraussetzung: gute Bonität; Factoring ist also keine Alternative für Unternehmen in schwieriger Situation
  • lohnt sich wegen der anfallenden Kosten nur, wenn dadurch Spielraum für Skonti entsteht oder es zur Senkung des Kontokorrents verwendet wird

Genussrecht

Vorteile

  • langfristiges Kapital
  • zählt zum wirtschaftlichen Eigenkapital und verbessert damit die Eigenkapitalbasis und das Rating (bei einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren)
  • keine Sicherheiten notwendig
  • Zinsen als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar

Nachteile

  • teurer als Fremdkapital
  • nicht vorzeitig kündbar
  • Einräumung von Informationsrechten
  • Kosten für die Vertragserstellung durch Rechtsanwälte
  • Finanzierung nur bis maximal 100.000 Euro ohne Prospektpflicht möglich (früher bis zu 200.000 Euro). Bei höheren Summen muss ein von der BaFin geprüfter und gebilligter Verkaufsprospekt erstellt werden (hohe Kosten)

Ausgewählte Kreditinstitute

    • Kapitalbeteiligungsgesellschaft NRW ab 50.000 Euro, feste Vergütung 7 bis 7,5 Prozent p.a.*, gewinnabhängige Vergütung 2 bis 2,5 Prozent p.a.*, Laufzeit sieben bis zehn Jahre
    • MBG Rheinland-Pfalz ab 50.000 Euro, feste Vergütung 5,75 Prozent p.a.*, gewinnabhängige Vergütung 2 Prozent p.a.*; Garantieprovision 1,05 Prozent + Mehrwertsteuer, Laufzeit zehn Jahre
    • Saarländische Kapitalbeteiligungsgesellschaft, Beteiligungsprogramm Kapitaloffensive für Existenzgründer und junge Unternehmen, Beteiligungen ab ca. 30.000 Euro bis 100.000 Euro, feste Vergütung 3 Prozent p.a. im 1.-3. Jahr, 5 Prozent p.a. im 4.-7. Jahr und 7 Prozent p.a. im 8.-10. Jahr, zzgl. 2 Prozent p.a. cash-flow-abhängig, Laufzeit in der Regel zehn Jahre
    • Saarländische Kapitalbeteiligungsgesellschaft, Beteiligungsprogramm zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, ab ca. 30.000 Euro bis 1 Million Euro, feste Vergütung 6,0 bis 6,5 Prozent p.a., zzgl. 1 bis 2 Prozent p.a. cash-flow-abhängig
    • Handwerk Capital Management (HCM), ab 10.000 Euro, feste Vergütung: 12,5 Prozent p.a.*, gewinnabhängige Vergütung 1 bis 2 Prozent p.a.**, Laufzeit mindestens fünf Jahre
    • MBG Sachsen, MBG Exist: Für Existenzgründer und Unternehmen in der Existenzgründungsphase während der ersten drei Jahre, 1.- 3. Jahr festes Entgelt ab 5,25 Prozent p.a., gewinnabhängiges Entgelt ab 1,00 Prozent p.a., ab 4. Jahr festes Entgelt ab 6,90Prozent p.a., gewinnabhängiges Entgelt ab 2,00Prozent p.a., Höhe der Beteiligung 25.000 bis 1,25 Millionen Euro (in Ausnahmefällen bis 2,5 Millionen Euro möglich), Laufzeit bis zu 12,5 Jahre, endfällig
    • MBG Sachsen, MBG Kompakt: Für Unternehmen, die seit mindestens drei Jahren bestehen, ein stetiges Wachstum aufweisen, weiteres Wachstum erkennen lassen, Höhe der Beteiligung 25.000 bis 200.000 Euro, Laufzeit bis zu 12,5 Jahre, endfällig, festes Entgelt ab 6,9Prozent p.a., gewinnabhängiges Entgelt ab 2,0Prozent p.a.
    • MBG Sachsen, MBG Klassik: Für Unternehmen, die seit mindestens drei Jahren bestehen, ein stetiges Wachstum aufweisen, weiteres Wachstum erkennen lassen, Höhe der Beteiligung 25.000 bis 1,25 Millionen Euro (in Ausnahmefällen bis 2,5 Millionen Euro möglich), Laufzeit bis zu 12,5 Jahre, endfällig, festes Entgelt ab 6,9 Prozent p.a., gewinnabhängiges Entgelt ab 2,0 Prozent p.a.
    • MBG Sachsen, MBG Idee: Zur Innovationsfinanzierung etablierter Unternehmen (keine Frühphasenfinanzierung), Höhe der Beteiligung 25.000 bis 300.000 Euro, Laufzeit bis zu zehn Jahre, endfällig, festes Entgelt ab 6,9Prozent p.a., gewinnabhängiges Entgelt ab 2,0 Prozent p.a.
    • MBG Berlin-Brandenburg: Höhe der Beteiligung:ab ca. 25.000 Euro bis insgesamt 1 Millionen Euro, Laufzeit bis zu 12,5 Jahre, Rückzahlung ist flexibel, maximal 12 Prozent Vergütung (feste Vergütung + gewinnabhängige Vergütung insgesamt)

* bezogen auf den Beteiligungsbetrag
** bezogen auf den Gewinn
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Text: / handwerksblatt.de