Beim Bundesleistungswettbewerb PLW konnte sich Christian Schneider gegen seine Konkurrenten durchsetzen. Sein nächstes Ziel: eine Medaille bei den EuroSkills 2020 in Graz.

Beim Bundesleistungswettbewerb PLW konnte sich Christian Schneider gegen seine Konkurrenten durchsetzen. Sein nächstes Ziel: eine Medaille bei den EuroSkills 2020 in Graz. (Foto: © Vogel Communications Group GmbH & Co. KG)

EuroSkills 2020: Christian Schneider steuert das oberste Treppchen an

PLW-Sieger und Kfz-Techniker-Meister ist Christian Schneider schon. Als nächstes Ziel steuert der 24-Jährige die Goldmedaille bei den EuroSkills in Graz an.

"Ich habe nichts zu verlieren und möchte möglichst viel Spaß haben." Mit dieser Einstellung ist Christian Schneider bislang gut gefahren. Einen Mitbewerber hat der Kfz-Mechatroniker voriges Jahr beim Leistungswettbewerb auf Kammerebene in Koblenz hinter sich gelassen. Drei weitere wurden auf Landesebene besiegt. Am Ende konnte er 15 Kontrahenten besiegen und den Bundessieg beim PLW nach Rheinland-Pfalz holen. Nun wartet eine weitere Herausforderung auf ihn, denn der 24-Jährige vertritt die deutschen Farben im Skill Kfz-Technik/Automobile Technology bei den EuroSkills vom 6. bis 10. Januar 2021 in Graz.

Dass er es einmal bis ins Team von WorldSkills Germany schaffen könnte, hätte Christian Schneider nicht erwartet. Seine Ausbildung hat er bei einem Rennstall – der Rinaldi Automotive GmbH & Co. KG in Mendig – absolviert. Während der dreieinhalb Jahre war er überwiegend mit GT3-Fahrzeugen bei Rennserien wie der VLN Langstreckenmeisterschaft, dem Endurance Cup der GT World Challenge Europe oder Blancpain Endurance Series unterwegs. "Ich habe maximal 30 Prozent an Straßenautos gearbeitet. Umso erstaunter war ich, dass ich mich beim PLW relativ deutlich gegen andere Kfz-Mechatroniker durchsetzen konnte."

Weiter ohne Boxenstopp

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die EuroSkills 2020 verschoben werden. Sie finden nun vom 6. bis 10. Januar 2021 statt. Foto: © EuroSkills 2020 GmbHAufgrund der Corona-Pandemie mussten die EuroSkills 2020 verschoben werden. Sie finden nun vom 6. bis 10. Januar 2021 statt. Foto: © EuroSkills 2020 GmbH

Nach dem Sieg beim Bundesleistungswettbewerb hat sich Christian Schneider keine Zeit für einen Boxenstopp gegönnt. Seit Anfang des Jahres kann er sich nicht nur Deutscher Meister des Kfz-Nachwuchses 2019, sondern auch Handwerksmeister nennen. Doch der gebürtige Baden-Württemberger dreht noch weiter auf. Zurzeit macht er in Northeim an der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC) den Betriebswirt.

Trotzdem bleibt noch Luft, um sich auf die EuroSkills vorzubereiten. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass mich die Schulleiterin Frau Gerl für das Training beurlaubt, immer ein offenes Ohr für meine Fragen hat und mir Tipps gibt, wie ich den verpassten Stoff am besten nachholen kann."

Vorbereitung übers Telefon

Ursprünglich wollte sich Christian Schneider regelmäßig mit Bundestrainer Jörg Stotz zum Training treffen. Dann kam Corona, und sie mussten umdisponieren. Kommuniziert wird nun vor allem über WhatsApp oder direkt übers Telefon. Persönliche Kontakte sind selten und werden bestmöglich genutzt. "An einem Sonntag im September haben wir uns bei mir getroffen und intensiv darüber ausgetauscht, was noch trainiert werden muss. An diesem Leitfaden hangeln wir uns jetzt bis zu den EuroSkills im Januar entlang", erklärt Christian Schneider.

"Rüberflitzen" zum Euro-Cup

Dazu gehören Übungen, die er am Wochenende in der heimischen Garage erledigen kann, aber auch ein viertägiger Workshop im Bundesleistungszentrum in Dresden. "Da werden wir praxisnah an den Motoren und an der Elektrik üben." Darüber hinaus ist in der sächsischen Landeshauptstadt noch der Euro-Cup geplant, bei dem traditionell Österreich, die Schweiz, Südtirol, Luxemburg und Deutschland antreten. "Eventuell kann ich daran aber gar nicht teilnehmen, weil an der BFC im Dezember Klausuren geschrieben werden." Wenn möglich, würde er trotzdem gerne für einen oder zwei Tage "rüberflitzen".

Technikvokabeln auf Englisch pauken

Fachlich dürfte der Kfz-Techniker-Meister und angehende Betriebswirt gut vorbereitet sein. Dennoch hat Christian Schneider ein bisschen Muffensausen. Als größte Schwäche macht er momentan seine Kenntnisse im Technischen Englisch aus, die wegen der Fortbildungen ein wenig eingerostet sind. "Wettkampfsprache bei den EuroSkills ist Englisch. Ich muss mir die nötige Ruhe und Routine aneignen, damit mir auch in der größten Hektik die richtigen Begriffe einfallen und ich mich beim Gespräch mit den Experten nicht verhasple." Der 24-Jährige ist jedoch optimistisch, dass er das Manko ausgleichen kann.

Die Vorfreude auf die Europameisterschaft ist groß. Die Erwartungen sind es auch. "Wenn wir so viel Zeit, Geld und Liebe in das Projekt ,EuroSkills‘ stecken, dann wollen wir mit der Goldmedaille nach Hause kommen", weiß Christian Schneider auch Bundestrainer Jörg Stotz hinter sich. Wenn es für das oberste Treppchen auf dem Podium nicht reicht, sollte es wenigstens der zweite oder dritte Platz sein. Die Erfolgsformel wird die vom PLW sein. "Ich werde Spaß an der Teilnahme, Spaß an der Aufgabe und Spaß am Wettkampf haben", hat sich Christian Schneider fest vorgenommen.

Erneute VerschiebungUnd dann kam der 7. Oktober. Aufgrund der anhaltend unsicheren Corona-Lage haben WorldSkills Europe und die EuroSkills Graz 2020 die Berufs-EM auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach Alternativen wird gesucht. "Die erneute Verschiebung der Euroskills kam für uns auch sehr plötzlich und hat die euphorische Stimmung natürlich zunächst etwas gedrückt. Herr Stotz und ich sind jedoch der Meinung, dass die Gesundheit aller natürlich an erster Stelle steht und wir nun flexibel agieren müssen", erklärt Christian Schneider. Der Trainingsplan bleibe zunächst unverändert. "Wir werden konzentriert und weiter motiviert trainieren und hoffen, dass wir möglichst bald nach Graz fahren dürfen", gibt sich der Kfz-Meister kämpferisch.

Text: / handwerksblatt.de

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