Johannes Grimme in seiner Werkstatt in einem der 16 Schiffscontainer. Ungewöhnlicher könnte der Ort für eine Tischlerei kaum sein.

Johannes Grimme in seiner Werkstatt in einem der 16 Schiffscontainer. Ungewöhnlicher könnte der Ort für eine Tischlerei kaum sein. (Foto: © Peter Leßmann)

Die Tischlerei in Seecontainern

Die Grimme Architektur & Möbelwerkstätten haben ihren Sitz in 16 umgebauten Schiffscontainern im Stadthafen von Münster. Die Container haben Johannes und Sabine Grimme selbst zur Tischlerei umgebaut.

Da, wo in Münster Binnenschiffe vorbeiziehen, wo ein aufgegebenes Holzgroßlager an ein früheres Industriegebiet am Hafen erinnert, ganz nah an der Kante des Dortmund-Ems-Kanals, hat Johannes Grimme mit seiner Frau Sabine in 16 ehemaligen Schiffscontainern eine eigene Tischlerei errichtet – die Grimme Architektur & Möbelwerkstätten.

Der besondere Reiz des Ortes ist für den 37 Jahre alten Jungunternehmer klar: "Er liegt zentral in Münster, zugleich kann man hier so richtig Krach machen und in Pausen oder mit Kunden in Ruhe auf der Terrasse am Wasser sitzen."

Bodenständig und mit Leidenschaft

"Die Grimmes" lernten sich während der Tischlerlehre von Johannes Grimme im Münsterland kennen. Nach seiner Meisterprüfung und einem gemeinsamen Architekturstudium mit ersten Schritten in die Selbstständigkeit sowie einem mehrmonatigen Stipendium in New York war das gemeinsame Ziel: zusammen wirtschaftlich selbstständig sein, mit Bodenständigkeit und Leidenschaft.

"Wir haben keinen Standort in der Stadt gefunden"

Foto: © Verlagsanstalt Handwerk
Foto: © Verlagsanstalt Handwerk

Das Paar konzentrierte sich auf den Möbelbau und entschied sich für Münster. Eineinhalb Jahre wurde nach einer Fläche oder Immobilie für den künftigen Betrieb gesucht. Die Vorstellung war ein leerstehendes Fabrikgebäude. "Aber wir haben keinen Standort in der Stadt gefunden", so Grimme. Da entstand das Konzept: fremdes Grundstück und eigenes Gebäude aus Seecontainern.

Sie entdeckten die Brachfläche am Kanal. Ein Pachtvertrag kam zustande. Sechsmal sprachen Johannes und Sabine Grimme im Hamburger Hafen mit Containerhändlern und planten ihre Werkstatt aus 16 gebrauchten Stahlbehältern im Detail exakt durch, bevor sie die "40 Fuß High Cubes" kauften, jeder davon 2,9 Meter hoch, 2,438 Meter breit und 12,192 Meter lang.

Fast alles selbst gemacht

"Da gibt es ein Riesenlager und man muss die Container nehmen, die der Kran gerade herausholt." Wenn man Glück hat, war der Container vorher in Europa im Einsatz, wo er mit Kränen bewegt wird. Am mitgenommensten sind die Container, die in Afrika waren, wo sie auch mit Baggern über den Boden geschrabbt werden.

An den Wänden eines von Grimme zur Werkstatt verbauten Containers befanden sich beispielsweise Reifenspuren. Ein weiterer Container war zuvor in Pakistan, mit Klebestreifen markierte Abschnitte zeugen davon. Jeder Container hat seine eigene Historie.

Eine intensive handwerkliche Erfahrung

Der schon zugewachsene Strom- und Wasseranschluss auf dem Grundstück der verlassenen Lagerhallen musste freigelegt werden. Das Betonfundament wurde selbst gegossen und innerhalb von zwei Tagen alle Container zum Hexaeder daraufgesetzt – zweimal vier Behälter nebeneinander, acht weitere als erstes Obergeschoss.

"Wir haben fast alles selber gemacht, außer Sanitär- und Elektroleistungen, Tag und Nacht gearbeitet, bis zur Erschöpfung", sprüht Grimme und erinnert sich an seine "intensivste handwerkliche Erfahrung überhaupt": Das Ausschneiden von 1,5 Meter breiten Wandteilen aus den Containern mit einem Plasmaschneider hat in den Wänden "geknallt und geknackt". Die herausgetrennten Teile – insgesamt 6,5 Tonnen – dienen als Veranda und Balkonträger. Die Ost-West-Fronten wurden großflächig verglast; so scheint viel Licht herein.

Jeder Container ist 28 Quadratmeter groß

Mit holzverkleideter Dämmung an Boden, Decken und Wänden bietet jeder einzelne Container 28 Quadratmeter Raum. Die Flächen sind zu einem Ganzen verschmolzen. Die gesamte Bauzeit betrug ein Dreivierteljahr, bereits im halbfertigen Unternehmenssitz nahmen die "Grimme Architektur & Möbelwerkstätten" 2015 die Produktion auf.

Die ersten Kunden, Besitzer eines Münsteraner Cafés, wurden empfangen, als noch an den Containern geschraubt wurde. Sie bekamen den Auftrag zur Inneneinrichtung. Grimme: "Das hat Mut gemacht." Der Unternehmer setzt mit hohem handwerklichen Anspruch erfolgreich auf Mund-zu-Mund-Werbung und die Internetpräsenz.

Große Flexibilität

Jeder Gebäudeteil ist so konzipiert, dass die Werkstatt innerhalb von zwei Wochen abmontiert und anderswo aufgebaut werden könnte. Alternativ wäre sie durch zusätzliche Container erweiterbar. "Unser Platz reicht nie, aber für den Start war es perfekt."

Der gesamte, nach und nach erweiterte Gebrauchtmaschinenpark passt zwar schon nicht mehr hinein. In der Riesenhalle des Nachbarn lagern jedoch die größeren Maschinen zwischen und lassen sich bei Bedarf in der Werkstatt austauschen.

Das Interesse von Privatleuten und Unternehmen am Nachbau der Containerwerkstatt ist riesig. Die Weitergabe des Know-hows habe sich fast schon zu einem eigenen Geschäftsfeld entwickelt, berichtet Grimme. Für ihn ist klar: "Hier in Hafennähe, wo man die Schiffe vorbeifahren sieht, passen Seecontainer. Diese Architektur gehört aber nicht überall hin."

Text: / handwerksblatt.de

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