Impressionen von der digitalBAU Köln
Tablet mit Bausoftware.

Tablet mit Bausoftware. (Foto: © Messe München/ Koy + Winkler)

Digital bauen – analog arbeiten

Drohnen auf der Baustelle, Apps zur Zeiterfassung, AR-Brillen und BIM: Kaum eine andere Branche im Handwerk ist aktuell von der Digitalisierung mehr betroffen als das Bauhandwerk. Wir haben uns auf der Messe digitalBAU umgesehen.

Drohnen werden zur Schadensaufnahme an Dächern eingesetzt, Aufmaße werden digital erstellt, Pläne können mobil vom Smartphone oder Tablet aus in der Baustelle eingesehen werden, die Planung, Kalkulation und Abrechnung erfolgt über entsprechende Software.

Das Gute daran: Die Digitalisierung im Bau- und Ausbauhandwerk hilft Prozesse zu vereinfachen, doch die Arbeit muss letztlich vom Handwerker vor Ort verrichtet werden. Fachkräfte im Handwerk werden auch weiterhin gefragt sein.

Digitale Zeiterfassung statt Zettelwirtschaft

Zeiterfassung und Stundenabrechnung: ein leidiges Problem. Dank moderner Zeiterfassungssysteme gehört die Zettelwirtschaft in den Betrieben der Vergangenheit an. Anbieter wie "123erfasst" bieten bereits App-Lösungen, die mehr können: Hier werden die Daten zugleich in Abrechnungsdaten umgerechnet. Man kann zentral einsehen, welcher Mitarbeiter sich auf welcher Baustelle befindet und welche Zeit für welche Tätigkeit aufgewendet wird (etwa Betonieren).

Dazu loggt sich einfach jeder Mitarbeiter schnell und unkompliziert bei Arbeitsbeginn am Handy ein. "Die digitalen Lösungen heute werden zunehmend verzahnter und ermöglichen dem Backoffice ein effizienteres Arbeiten", weiß auch Naomi Herrmann von brz Deutschland, das ebenfalls mit einer Zeiterfassungssoftware am Markt ist.

Ein alter Hase im digitalen Handwerks-Geschäft ist seit vierzig Jahren das Moser-Softwarehaus. In den 80er Jahren hat es sich vor allem mit kaufmännischer Software für das Malerhandwerk einen Namen gemacht. Heute entwickelt es Software für fast alle Gewerke und arbeitet dabei vorrangig mit Cloud-Lösungen. So haben Mitarbeiter auf der Baustelle stets Zugriff auf die Angebots-, Auftrags- und Rechnungsdaten.

Hilfestellung bieten Handwerkskammern und Fachverbände mit ihrem kostenlosen Beratungsangebot. Das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk bietet zudem zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema an.

Drohnen nicht nur für Dachdecker

Doch nicht nur Software spielt eine Rolle bei der Digitalisierung: Kameras, Drohnen oder Sensoren sind im digitalen Prozess wichtige Hilfsmittel. Fotos von Gebäudeschäden oder Mängeln können zu einzelnen Projekten hinterlegt werden.

Drohnenaufnahmen werden nicht nur an Dächern bei Dachdeckern eingesetzt, sondern zunehmend auch an Fassaden und sind damit auch für Stuckateure oder Gerüstbauer interessant. "Noch vor ein paar Jahren hat man uns für Exoten gehalten", lacht Thomas Gorski von der Airteam Aerial Intelligence GmbH, "heute dagegen fragen die unterschiedlichsten Gewerke bei uns an".

Eine neue Sensoranwendung stellt Isover Saint Gobain vor. Mit einem Sensor können Schäden auf Flachdächern frühzeitig erkannt werden. Der Vorteil: Der Sensor misst Feuchtigkeit und schlägt frühzeitig Alarm. So kann man rechtzeitig reagieren und muss nur die einzelne Schadstelle beheben, bevor es zu einer Ausdehnung auf das ganze Dach kommt.

Augmented Reality: Visionäres Bauen oder Bauen mit Visionen?

Stellen Sie sich vor: Sie setzen sich als Bauherr eine AR-Brille auf und schon eröffnet sich vor ihnen eine neue Welt. Sie stehen vor einer einigermaßen langweiligen Wand, die noch nicht fertig ist. Plötzlich sehen Sie die Bemaßungen der Fenster, können erkennen, welche Materialien verbaut werden müssen und wo und wie diese eingesetzt werden. Entdecken Sie einen Fehler, macht das System auf Befehl einen Screenshot von dem aktuellen Bild, das Sie per AR-Brille sehen und gibt diesen weiter.

Auf der digitalBAU in Köln konnte man sich den Einsatz von AR in der Baupraxis beispielsweise am Stand von Xella anschauen. Das Baustoffunternehmen versieht seine Produkte bereits mit zahlreichen Informationen für die digitale Verarbeitung und sieht hier eindeutig die zukünftige Entwicklung. "In Holland werden AR-Brillen bereits am Bau eingesetzt", klärt Claudia Kellert von Xella auf, "und wir sind sicher, dass dies auch bei uns Einzug halten wird".

BIM vernetzt alle Bausteine

Im Building Information Modeling, kurz BIM genannt, werden alle digitalen Informationen zum Bau zusammengeführt. Professor Dr. Joaquin Diaz, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Bausoftware, sieht darin ein verbindliches Verfahren für die Zukunft. So wird zunächst ein digitales Modell erstellt, dann werden sämtliche Informationen wie Pläne, Baumaterialien, Kosten- und Mengenermittlungen diesem hinzugefügt. Die Daten werden ständig aktualisiert und erweitert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: So gibt es für alle Beteiligten eine direkte und kontinuierliche Verfügbarkeit aller relevanten Daten zum Bau. Kein Rätselraten mehr: Woher bekomme ich die Pläne? Welche Materialien wurden verbaut? Wie viel Material kam dabei zum Einsatz? Und wenn später Schäden am Bauwerk festgestellt werden sollten, kann schnell ermittelt werden, ob es am Material, an mangelnder Trocknungszeit oder an anderen Gründen gelegen hat.

"Die Chancen, die die digitale Vernetzung bietet, sind riesengroß", sagt Diaz. "Jeder Mitarbeiter hat heute ein Smartphone. Gibt es Unklarheiten, kann er sich die Pläne im Nu auf dem Smartphone anschauen und hat den direkten Zugriff." Früher, so der BIM-Experte, seien damit Wege und Zeit verbunden gewesen. Plan nicht verfügbar, ab ins Auto, zurück ins Büro, zurück zur Baustelle. Und das kostete nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld.

Prozesse Schritt für Schritt verbessern

"Dennoch muss jetzt nicht jeder Handwerker BIM-Experte werden", räumt Ingo Reifgerste ein, geschäftsführender Gesellschafter der Schleiff Bauflächentechnik. Er selbst führt ein Unternehmen mit inzwischen mehr als 100 Mitarbeitern, kann sich aber auch noch an Zeiten erinnern, "als wir noch kleiner waren". "Man muss sich darüber im Klaren sein", so Reifgerste, "da hat nicht jeder Betrieb seinen eigenen IT-Experten".

Fazit: Wichtig sei es vor allem, sich der Digitalisierung zu stellen und je nach Anforderungen und Betriebsgröße individuelle Lösungen zu finden. Das fängt bei der Angebotserstellung an und hört frühestens bei der Rechnungsstellung auf.

Mehr Infos zur Digitalisierung im Handwerk finden Sie in unserem Themen-Special "Digitales Handwerk"!

Text: / handwerksblatt.de

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