Mehr als 650.000 Menschen im Gebäudereiniger-Handwerk sind aktuell tariflos. (Foto: © Kzenon/123RF.com)

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Tarifverhandlungen für Gebäudereiniger unterbrochen

Betriebsführung

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk wurden nach zähen Verhandlungen unterbrochen. Haupthindernis im Streit zwischen Arbeitgebern und IG BAU ist ein Weihnachtsgeld/13. Monatsgehalt.

Es gibt weiterhin keinen Tarivertrag für die 650.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk: Die sechste Verhandlungsrunde zum Rahmentarifvertrag (RTV) ist am Morgen des 1. Oktober nach 13 Verhandlungsstunden unterbrochen worden. Die Blockadehaltung der IG BAU sei "ärgerlich", kritisiert Christian Kloevekorn, Verhandlungsführer für den Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV).

Am 25. April 2019 hat der Bundesinnungsverband (BIV) des Gebäudereiniger-Handwerks den seit 1. Januar 2012 gültigen und allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrag "kündigen müssen". Mehr dazu hierDie Gewerkschaft fordere nach wie vor ein Weihnachtsgeld beziehungsweise 13. Monatsgehalt. Das sei aber eine reine Lohnforderung gehöre daher auch nur in die Lohnrunde, so Kloevekorn. "Diese Themenvermengung ist und bleibt Haupthindernis auf dem Weg zu einem Tarifabschluss."

Bis Ende 2020 habe das Gebäudereiniger-Handwerk einen laufenden Lohntarifvertrag. Dieser sehe Lohnsteigerungen von fast 20 Prozent vor (2018 bis Ende 2020). Damit seien gerade die Unternehmen in Ostdeutschland stark betroffen, so der Bundesinnungsverband.

Die Arbeitgeber hätten der IG BAU längst zugesichert, im Zuge der Lohnrunde ab 2020 über das Weihnachtsgeld zu verhandeln. Für den Rahmentarifvertrag hätten die Arbeitgeber in folgenden Punkten Verbesserungen vorgeschlagen:

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  • Branchentreue-Bonus beim Urlaub: Einmal 30 Tage – immer 30 Tage.
  • Mindestens Eingruppierung in Lohngruppe 6 für Gesellen, unabhängig von der tatsächlichen Tätigkeit (Lohnsteigerungen von mehr als 30 Prozent).
  • Mehr Industriereiniger erhalten einen Zuschlag von 0,75 Euro auf den Stundenlohn.
  • Anspruch auf Vertragsanpassung, wenn sich die regelmäßige Arbeitszeit dauerhaft verändert hat.
  • Mehrarbeitszuschläge von 25 Prozent ab Überschreitung der 8. Arbeitsstunde am Tag. Dies gelte auch für Teilzeitbeschäftigte und ohne Ausgleichsmöglichkeit für Arbeitgeber.
  • Erhöhung der Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge.

Es sei ärgerlich, so Kloevekorn, sowohl für die Beschäftigten als auch für die Unternehmen, "dass die IG BAU bei ihrer Blockadehaltung bleibt und damit mehr als 650.000 Menschen tariflos stellt".

Das sagt die IG Bau

Die IG BAU fordert unter anderem höhere Eingruppierung für Fachkräfte, einen Treuebonus und die Einführung eines Weihnachtsgeldes. "Zwar sind wir uns bei einigen Punkten nähergekommen, doch das reichte am Ende nicht für eine Einigung im Gesamtpaket, in dem es auch eine Perspektive fürs Weihnachtsgeld geben sollte", erklärte die Verhandlungsführerin der IG BAU, Ulrike Laux nach den abgebrochenen Verhandlungen. Es stelle sich die Frage, welche Haltung der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks zum Rahmentarifvertrag habe.

Die IG BAU wisse, wie wichtig der allgemeinverbindliche Rahmentarifvertrag ist. Man wäre auch bereit, das Weihnachtsgeld dort zu regeln, betont Laux. Nachdem der Bundesinnungsverband den Rahmentarifvertrag zum 31. Juli gekündigt hatte, hätten aber einige Firmen ihren Beschäftigten neue Arbeitsverträge vorgelegt. Diese Praxis kritisiert die Gewerkschaft. Diese  Arbeitsverträge würden "massive Verschlechterungen gegenüber dem Rahmentarifvertrag" enthalten. Laux: "Auch die Betriebe sind aufgefordert, fair mit ihren Beschäftigten umzugehen."

In den letzten Wochen gab es in vielen Städten Warnstreiks.

Einen neuen Verhandlungstermin haben die Sozialpartner noch nicht vereinbart. 

Text: / handwerksblatt.de

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