Benefits bei Azubis nur unter ferner liefen
Um sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren, werben Ausbildungsbetriebe in ihren Stellengesuchen zunehmend mit Sonderleistungen. Für die jungen Menschen stehen aber andere Faktoren höher im Kurs.
Deutsche Unternehmen setzen immer häufiger auf freiwillige Zusatzleistungen, auch Benefits genannt, um ihre Ausbildungsplätze zu bewerben. So hat sich etwa die Zahl der Online-Anzeigen für Ausbildungsstellen, in denen ein Firmenticket angeboten wird, von 2019 bis 2025 mehr als verdoppelt. Hinweise auf Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld haben sich im selben Zeitraum ungefähr verdreifacht. Informationen über flexible Arbeitszeiten und zu vermögenswirksamen Leistungen tauchten jeweils fast viermal so oft in den Inseraten auf. Die am häufigsten genannte Kategorie von Sonderleistungen sind Angebote zur inner- oder außerbetrieblichen Weiterbildung: 2025 nahm die Hälfte aller Ausbildungsanzeigen Bezug darauf, während das 2019 noch bei einem Drittel der Fall war. Das geht aus einer Datenanalyse hervor, für die der "Jobmonitor" der Bertelsmann Stiftung 6,5 Millionen Online-Anzeigen für Ausbildungsplätze ausgewertet hat.
Prioritäten der jungen Menschen
Eine Befragung junger Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass die Strategie der Betriebe, ihre Ausbildungs-Inserate mit Informationen über Zusatzleistungen anzureichern, nur bedingt Aussicht auf Erfolg hat: Danach gefragt, welche Informationen ihnen in einer Ausbildungsausschreibung wichtig sind, nennen sie vor allem die konkreten Tätigkeiten, die Höhe der Ausbildungsvergütung, die Arbeitszeiten sowie den Arbeitsort. Auch eine authentische Beschreibung der Unternehmenskultur sowie Angaben zum möglichen Gehalt nach der Ausbildung sind für sie von Interesse. Die Sonderleistungen belegen in der Prioritätenliste nur Platz acht von zehn.
Attraktivität einer Ausbildung betonen
Da Helferjobs der Berufsausbildung zunehmend Konkurrenz zu machen drohen, rät Helen Renk dazu, die Attraktivität der Berufsausbildung hochzuhalten. "Unternehmen sollten daher bereits in der Ausschreibung einer Lehrstelle deutlich machen, welche mittel- und längerfristigen Vorteile die Ausbildung bietet – gerade gegenüber dem Verharren in einer ungelernten Hilfstätigkeit", so die Expertin für berufliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung. Wer besonders nachgefragte Zusatzleistungen in ein überzeugendes Gesamtpaket für Auszubildende einbette und in den Stellenanzeigen prominent darauf hinweise, habe einen klaren Vorteil am Ausbildungsmarkt.
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Text:
Bernd Lorenz /
handwerksblatt.de
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