Das dicke Ende kommt noch, wenn alle Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen ihre Nebenkostenabrechnung haben.

Das dicke Ende kommt noch, wenn alle Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen ihre Nebenkostenabrechnung erhalten haben. (Foto: © Ralf Kalytta/123RF.com)

Rekordtief bei Überschuldungen - Trendwende zeichnet sich ab

Betriebsführung

Die Überschuldungslage der deutschen Verbraucher ist auf einem historischen Tiefststand, so der Creditreform SchuldnerAtlas 2022. Nun droht eine Trendwende: Viele Bürger und Unternehmen dürften bald ihre Energiekosten nicht mehr bezahlen können.

Die Überschuldungslage bei den deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern hat 2022 einen neuen, historischen Tiefststand erreicht. 5,88 Millionen Erwachsene gelten als überschuldet, 276.000 weniger als noch vor einem Jahr. Insgesamt 2,94 Millionen Haushalte gelten als überschuldet und nachhaltig zahlungsgestört.

Das geht aus dem SchuldnerAtlas Deutschland 2022 der Auskunftei Creditreform hervor. Die Überschuldungsquote ist trotz der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs zum vierten Mal in Folge gesunken und liegt bundesweit bei 8,48 Prozent.

Stabiler Arbeitsmarkt dank staatlicher Hilfsprogramme

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Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, führt diese positive Entwicklung auf die massiven staatlichen Hilfsprogramme für Verbraucher und Unternehmen zurück. "Der Staat hat mit Instrumenten wie der Kurzarbeit und den Coronahilfen dafür gesorgt, dass es keine großen Arbeitsplatzverluste gab." Dazu kommt eine starke Konsumzurückhaltung und Sparneigung der Verbraucher.

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Creditreform geht allerdings davon aus, dass damit die Talsohle dieser positiven Entwicklung erreicht ist. "Die guten Zahlen sind trügerisch", sagte Hantzsch vor der Presse.

Viele finanzielle Belastungen seien angesichts der anhaltend hohen Inflation und den explodierenden Energiekosten noch nicht beim Verbraucher angekommen.

Viele Nebenkostenabrechnungen sind noch nicht bei den Bürgern und Unternehmen angekommen. "Wir fürchten in den kommenden Monaten eine Trendwende. Die in der 
Corona-Krise angehäuften Sparguthaben sind vielfach schon wieder aufgebraucht. Das trifft jetzt vor allem Geringverdiener, die auch in normalen Zeiten nicht viel auf die Seite 
legen können", erläuterte Hantzsch.  Es sei der Ketchup-Effekt. Erst kommen nur ein paar Tropfen aus der Flasche und dann ein ganzer Schwall auf einmal. 

Eine große Variable in der aktuellen Situation sei der Staat mit seinen Hilfsprogrammen. Die Lage könne sich wöchentlich ändern. "Wir müssen mit einem Dauerkrisenmodus rechnen", sind sich die Creditreform-Experten einig. Viele Menschen seien bedroht, ihre Energiekosten künftig nicht mehr bezahlen zu können. 

Hintergrund:Der Verband der Vereine Creditreform hat zusammen mit Creditreform Boniversum GmbH sowie microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH den SchuldnerAtlas Deutschland 2022 erstellt.

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Text: / handwerksblatt.de

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