Duschrinne statt Rohr: So reduzieren Sie Energieverlust
Das Duschwasser von Millionen Menschen läuft täglich in den Abfluss. Steffen und Valentin Nittbaur wollen die Wärme des Abwassers zurückgewinnen.
Ohne Wasser geht nichts. Tatsächlich verbraucht in Deutschland ein Mensch im Schnitt 123 Liter Wasser täglich, was aufs Jahr hochgerechnet fast 45.000 Liter entspricht, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelt. Neben Kochen, Toilettenspülung, Waschmaschine fallen rund 36 Prozent davon für die Körperhygiene an: Waschen, Baden, Duschen – und das in der Regel mit warmem Wasser. Das Problem: Das beim Duschen auf rund 40 Grad aufgeheizte Wasser rinnt nur wenige Sekunden über den Körper, um dann im Abfluss zu verschwinden.
Unocconi: Duschrinnen und Rohre mit Wärmetauscher
Der Einbau eignet sich nicht nur für den Neubau, sondern auch als Nachrüstlösung bei Sanierungen und Renovierungen. Foto: © UnocconiGenau hier setzt das Unternehmen Unocconi aus Filderstadt an: Es vertreibt Rohre und Duschrinnen mit eingebautem Wärmetauscher, die eins tun: die Wärme aus dem Abwasser zurückgewinnen. "Das Prinzip habe ich während meines Studiums der Umweltwissenschaften an der Fernuni Hagen kennengelernt und festgestellt, dass das in den Nachbarländern Schweiz, Niederlanden und auch in Großbritannien längst üblich ist", sagt Firmengründer Steffen Nittbaur, der zuvor 25 Jahre bei Mercedes-Benz in der Materialwirtschaft tätig war. "Da geht richtig Energie verloren: Sie würde ausreichen, um ein gut gedämmtes Haus das ganze Jahr über zu heizen."
Zitat"Das warme Abwasser fließt durch den Duschrohr-Wärmetauscher, das kalte Frischwasser fließt im Gegenstrom-Verfahren nach oben – und die Restwärme wird übertragen."
Steffen Nittbaur, Firmengründer
Zwei Systeme vertreibt das Unternehmen, das der heute 60-jährige Steffen Nittbaur mit seinem Sohn Valentin 2023 gegründet hat. Das erste System ist ein Rohrleitungssystem aus den Niederlanden. Das senkrechte Rohr mit dem Wärmetauscher wird im Stock unterhalb der Duschtasse eingebaut. Das Wirkprinzip: "Das warme Abwasser fließt durch den Duschrohr-Wärmetauscher, das kalte Frischwasser fließt im Gegenstrom-Verfahren nach oben – und die Restwärme wird übertragen", erklärt Nittbaur. Das geschieht, bevor das kalte Frischwasser in die Mischbatterie fließt. Durch das so aufgewärmte Wasser braucht es weniger Energie, um eine angenehme Duschwassertemperatur zu erreichen.
Mit zunehmender Länge des Duschrohrwärmetauschers wird mehr Wärme übertragen, das Rohr gibt es in Längen von 1,70 und 2,10 Meter. Je nach Modell liegt der Wirkungsgrad zwischen 53 und 69 Prozent, ein Rohr kostet ab 800 Euro. "Die Investition amortisiert sich schon nach drei bis vier Jahren und hält 40 bis 60 Jahre", so Nittbaur.
Duschrinne mit Wärmetauscher: Bis zu 60 Prozent sparen
Etwas teurer ist die Variante der Duschrinne mit eingebautem Wärmetauscher aus der Schweiz, die rund 2.000 Euro kostet. Der Vorteil: Sie braucht keinen Platz im darunter liegenden Stockwerk und spart je nach Modell bis zu 60 Prozent der Energie. Beides zeigt das Unternehmen auch auf Messen, so auf der SHK + E in Essen vom 17. bis 21. März (Halle 1, Stand 1D11.14) und der IFH in Nürnberg vom 14. bis 17. April (Halle 4, Stand 4.301S). Der Einsatz beider Varianten eignet sich nicht nur im Neubau, sondern auch als Nachrüstlösung bei Sanierungen und Renovierungen. Im gewerblichen Bereich ist so die Wärmerückgewinnung zum Beispiel bei Hotels interessant, aber natürlich auch bei jedem Hausneubau beziehungsweise Sanierungsvorhaben.
Damit die Materialien richtig zum Einsatz kommen, verkauft Unocconi die Materialien nur dann, wenn Handwerker die Installation vor Ort übernehmen. Die Duschrinnen sind schon vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs (DGVW) für Trinkwasser zertifiziert, bei den Duschrohren ist das Unternehmen noch in der Warteschleife.
Ein weiterer Vorteil: Wer auf Rohre oder Rinne setzt, kann dies möglicherweise sogar mit Hilfe von Fördermitteln finanzieren. Denn die Maßnahmen helfen, Gebäude energieeffizient zu bauen – und Wärmerückgewinnung zählt zu den Kriterien für die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG). Die Nittbaurs stehen mit ihrer Unocconi am Anfang eines großen Marktpotenzials, wie ein Blick auf die Nachbarländer zeigt: Dort sind schon über 100.000 Rohre im Einsatz.
unocconi.com
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Text:
Stefan Buhren /
handwerksblatt.de
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