Unternehmer wollen unabhängig sein, bauen Eigenkapital auf und vermeiden Schulden. (Foto: © hin255/123RF.com)

Eigenkapital macht unabhängig

Deutschlands Unternehmer schätzen ihre finanzielle Unabhängigkeit. Sie haben in den letzten Jahren ihr Eigenkapital immer stärker aufgestockt. Inzwischen liegt die Eigenkapitalquote bei über 30 Prozent.

Egal ob kleiner Handwerksbetrieb oder mittelständischer Zulieferer: Deutschlands Unternehmer haben ihr  Eigenkapitalpolster seit Anfang der 2000-er Jahre stetig aufgestockt. Im Jahr 2016 lag die Eigenkapitalquote im Durchschnitt bei komfortablen 30 Prozent. So die jüngsten Zahlen, die die KfW-Researchabteilung jetzt vorgestellt hat.

Zum Vergleich: Im Jahr 2002 betrug die Eigenkapitalquote im Schnitt 18,4 Prozent. Der Anteil der schwach kapitalisierten Unternehmen, also diejenigen mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital, ging auf rund 30 Prozent zurück.

Neues Denken seit Basel II

Ein Auslöser war das Thema Bankenregulierung und die Einführung von Basel II im Jahr 2007. Spätestens das hat die Unternehmen stärker gezwungen, sich mit ihren Risiken und ihrer Bonität auseinanderzusetzen, wenn sie ihren Kreditzugang nicht gefährden wollen, sagen die Volkswirte der KfW. Die Eigenkapitalquote sie einwichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens und spiele bei der Kreditvergabe eine große Rolle. Die Unternehmen waren in den letzen Jahren aber auch zurückhaltend bei Investitionen. Das hat das Eigenkapital ebenfalls wachsen lassen.

Keine Schulden, keine Gläubiger im Nacken, keine Zinsen

Solche strategischen Überlegungen sind aber nicht der Hauptgrund für die Unternehmer, warum sie Gewinne einbehalten und Eigenkapital aufbauen. Der wichtigste Grund ist Unabhängigkeit.  Die KMU wollen keine Schulden haben und verzichten deshalb bei Investitionen auf Kreditfinanzierungen. Dadurch haben sie auch weniger Belastungen durch Zins- und Tilgungszahlen. Das ergab eine Zusatzbefragung zum KfW-Mittelstandspanel 2017.

Erinnerungen an die Finanzkrise sind noch nicht verblasst

Weitere Gründe: Höhere Widerstandsfähigkeit des Unternehmens in Krisenzeiten und der Erhalt von Flexibilität. "Rund die Hälfte aller Mittelständler stocken ihr Eigenkapital auf, um für ein schwierigeres Finanzierungsklima gewappnet zu sein", heißt es da. Die Erinnerungen an die Finanzkrise mit ihren Kreditrestriktionen insbesondere an bonitätsschwache Unternehmen seien also noch nicht verblasst. 

Aber: Die Experten der KfW warnen allerdings davor, dass der stetige Ausbau des Eigenkapitalpolsters zulasten von Investitionen gehen könnte. Eine Fremdfinanzierung könne sich, wenn sie richtig eingesetzt wird, auch positiv auf die Rentabilitätszahlen des Unternehmens auswirken. "Die Erhöhung der Eigenkapitalquote sollte nicht zum Selbstzweck werden, sondern Teil einer nachhaltigen und ausgewogenen Finanzierungsstrategie sein", ist das Fazit von Dr. Juliane Gerstenberger, Autorin der Studie. 

Text: / handwerksblatt.de

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