McDonald's ist wohl das bekannteste Franchise-System, aber es geht auch kleiner  ...

McDonald's ist wohl das bekannteste Franchise-System, aber es geht auch kleiner ... (Foto: © joeppoulssen/123RF.com)

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Franchise: Schlüsselfertige Existenzen auch fürs Handwerk

Betriebsführung

Franchise-Nehmer kaufen sich in eine Markenwelt ein, in der das Produkt nur ein Teil ist. Wer das Konzept akzeptiert, der kann mit Franchise erfolgreich sein. Diese besondere Form der Unternehmenskooperation wächst und wächst.

Die Brötchen der alteingesessenen Bäckerei Peter gehen nicht nur über den Ladentisch, sondern liegen in der Frühe bei den Familien vor der Haustür. Auf der knallroten Brötchentüte steht dann nicht Bäckerei Peter, sondern "Morgengold". Geliefert wurde das frische Backwerk von Frank Hufnagel und seinen Subunternehmern. Hufnagel ist Franchise-Nehmer bei Morgengold, ein Brötchenbringdienst, den Franz Smeja als Student ins Leben gerufen und vor 15 Jahren zum Franchise-System ausgebaut hat. Heute liefert Morgengold im Jahr 20 Millionen Brötchen aus.

Die Franchise-Nehmer sind zwar keine Bäcker, doch Franz Smeja ist überzeugt, dass auch das Bäckerhandwerk von seinem System profitiert. "Wir arbeiten nur mit lokalen Handwerksbäckereien zusammen. Bundesweit sind es derzeit fast 100 Bäckereien, die so ihren Warenabsatz um bis zu 40 Prozent steigern und den Betrieb besser auslasten können", so Smeja. "Das ist für die Bäcker eine Art virtuelle Filiale." Auch die Kunden legen Wert darauf zu wissen, woher das Backwerk kommt.

Das System ist bei Franchise das A und O

Die Franchise-Branche boomt. Sie erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von 37,6 Milliarden Euro. Es gab mehr als 51.100 selbstständige Franchise-Partner, die insgesamt 421.000 Arbeitnehmer beschäftigen. 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. 900 Franchise-Geber waren am Markt, 30 mehr als 2005. Franchise eignet sich für viele, die sich selbstständig machen wollen, und die Nachfrage ist entsprechend groß.

Franchise-Nehmer sind Branchenfremde aber auch Handwerker, Bauingenieure und Architekten. Das System ist bei Franchise das A und O. "Franchise-Geber verkaufen eine Markenwelt", betont Franchise-Experte Felix Peckert vom Branchendienst forum franchise und systeme. Daran müssen sich die Franchise-Nehmer halten. Wer viele Ideen hat und diese schnell umsetzen will, sollte besser seine eigene Markenwelt erfinden. Wer bei der Gründung auf Sicherheit und ein erfahrenes System setzen will, der liege mit Franchise richtig.

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Jedes vierte Unternehmen im Fleischerhandwerk ist filialisiert

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Selbst für sehr traditionelle Berufe wie das Fleischerhandwerk wird Franchise mehr und mehr zum Thema. Verbandspräsident Manfred Rycken  erwartet in Zukunft auch mehr Franchise-Systeme im Fleischerhandwerk. Jedes vierte Unternehmen im Fleischerhandwerk ist filialisiert, manche mit 100 Zweigstellen und mehr. Da sei Franchise eine natürliche Begleiterscheinung, insbesondere bei den auf Filialisierung spezialisierten Großunternehmen, so Rycken. Der Konzentrationsprozess sei kaum aufzuhalten und noch nicht am Ende angelangt.

Da es aber auch hier wie in jeder Branche schwarze Schafe und nicht ganz so erfolgreiche Systeme gibt, muss sich jeder Gründer vorher ganz genau über das System informieren. Felix Peckert geht davon aus, dass von den 900 Franchise-Systemen, die momentan in Deutschland angeboten werden, nur 100 bis 150 wirklich Erfolg versprechend sind. Ist das System neu auf dem Markt, ist das Risiko größer, damit zu baden zu gehen. Aber auch alt eingesessene Systeme können scheitern, wenn sie nicht am Markt ausgerichtet sind und Entwicklungen verschlafen. Peckert: "Am besten mal mit mehreren anderen Franchise-Nehmern des gleichen Systems über deren Erfahrungen und Umsätze sprechen."

Unternehmertypen sind gefragt

"Mit Franchise kauft ein Gründer eine Markenwelt", sagt der Bonner Franchise-Experte Felix Peckert. Das eigentliche Produkt sei nur ein Teil dieser Markenwelt.

Wer sich mit einem Franchise-System selbstständig machen möchte, der muss wie jeder Selbstständige ein Unternehmertyp sein, darf nicht wie ein Angestellter denken und muss am Anfang eine 60-Stunden-Woche einkalkulieren. Er muss aber auch bereit sein, die Markenwelt seines Systems zu leben. Für Individualisten, die in ihrer Mc Donald's Filiale das goldene M abschrauben und auch Bratwürstchen verkaufen wollen, sei das nichts.

"Der Franchise-Nehmer bekommt eine schlüsselfertige Existenz geboten und ein am Markt erprobtes Geschäftsmodell", sagt Torben Leif Brodersehen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes (DFV) in Berlin. Er erhalte vom Franchise-Geber das unternehmerische Know-how und wichtige Erfahrungen, ein etabliertes System mit Schutzrechten, Schulungen und Dienstleistungen. Der Vorteil daran, so Brodersen: Er kann sich dann komplett auf den Vertrieb vor Ort konzentrieren, also die Kundenakquise und Kundenbindung.

Rund 870 Systeme gibt es hier zu Lande. Branchenkenner Peckert betont, dass lediglich 100 bis 150 von ihnen wirklich erfolgreich sind. Bei 300 bis 400 von ihnen sei das Risiko ein wenig größer und vom Rest sollte man besser die Finger lassen. Wer sich unsicher ist, ob ein System erprobt ist und zu ihm passt, kann sich an den Deutschen Franchise Verband wenden (Tel. 030/ 278902-0) und wird dort beraten. Beim Existenzgründer-Portal des Bundeswirtschaftsministeriums finden Sie viele praktische Infos und Tipps zum Thema Franchise.

Text: / handwerksblatt.de

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