Lange Zeit arbeiteten Friseure ohne Schutz der Hände. Das hat sich grundlegend geändert.

Lange Zeit arbeiteten Friseure ohne Schutz der Hände. Das hat sich grundlegend geändert. (Foto: © Ravil Sayfullin/123RF.com)

Friseur-Hände sind stark gefährdet

Betriebsführung

In Friseursalons gehört es längst zum Alltag: das Arbeiten mit Handschuhen. Denn die gefährdetsten Körperteile von Friseuren sind die Hände. Während früher ein Handekzem oft das berufliche Aus bedeutete, können heute durch die richtige Vorbeugung die meisten weiter arbeiten.

Haare waschen, tönen, färben, stylen – die Hände von Friseuren sind zwei großen Gefahren ausgesetzt: Wasser und Chemikalien. "Dabei stellen Chemikalien keineswegs die größere Gefahr dar", weiß Sabine Schoening, Präventionsexpertin der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), der gesetzlichen Unfallversicherung für das Friseurgewerbe: "Häufig nasse Hände reichen bereits aus, um die Hautbarriere so stark zu schädigen, dass Fremdstoffe eindringen können."

Dies führt oft zu Entzündungen und Allergien, die ein Leben lang bleiben. "Es klingt paradox, aber Wasser trocknet die Haut aus. Es wäscht die hauteigenen Fette heraus." Verstärkt wird dies durch waschaktive Substanzen und Shampoos. Ständiges Haarewaschen bringt selbst gesunde Haut aus dem Gleichgewicht.

Professioneller Hautschutz ist Standard in vielen Friseurstudios

Doch es gibt wirksamen Schutz: Mit Handschuhen arbeiten. Nicht immer, aber immer dann, wenn Wasser und Chemikalien ins Spiel kommen. Friseure sollten mehrmals am Tag zwischen Nass- und Trockenarbeiten, zum Beispiel Trockenschnitt, wechseln. Denn auch in den Schutzhandschuhen wird die Haut mit der Zeit feucht, weil sie schwitzt. Außerdem sollten keine Handschuhe aus hoch allergenem Latex, sondern aus Vinyl oder Nitril verwendet werden. Schließlich ist es auch noch wichtig, die Hände vor der Arbeit, vor dem Anlegen der Handschuhe, in Pausen und nach Feierabend mit Hautschutz- und -pflegecremes zu behandeln.

Inzwischen ist der professionelle Hautschutz Standard in vielen Friseurstudios. Auch an Berufsschulen wird er gelehrt. "Er gilt nicht nur für Friseurinnen und Friseure, die bereits juckende und rote Stellen an den Händen haben", betont Sabine Schoening von der BGW. "Hautschutz ist eine Präventionsmaßnahme für alle. Denn es muss ja gar nicht erst so weit kommen." Wie Umfragen zeigen, gewöhnen sich Kunden schnell daran, mit Handschuhen bedient zu werden. 88 Prozent stört es nicht, oder sie empfinden es sogar angenehm.

Berufsgenossenschaft bietet kostenlose Hautschutzseminare

Dank der inzwischen weit verbreiteten Präventionsmaßnahmen können die meisten Friseure, die Hautprobleme bekommen, im Beruf bleiben. Dies war nicht immer so. Anfang der 90er Jahre noch war ein Berufswechsel die zwangsläufige Folge einer Hauterkrankung. Damals gingen bei der BGW aus dem Friseurhandwerk pro Jahr rund 4.500 Meldungen des Verdachts auf eine Hauterkrankung ein. Seitdem die BGW Hautschutzmaßnahmen forciert hat, sind es nur noch rund 1.000 Meldungen (2006). Dies spart enorme Rehabilitations- und Umschulungskosten.

Die BGW verfügt nach eigenen Angaben über ein großes Präventionsangebot. Sie berät Friseurbetriebe, unterhält bundesweit sieben Schulungs- und Beratungszentren für hauterkrankte Versicherte, und bietet flächendeckend kostenlose Hautschutzseminare an. Im September 2007 eröffnete sie in Bochum das "studio78". Junge Friseurinnen und Friseure sollen dort von Profis alles über perfekten Kundenservice und optimalen Hautschutz lernen.

Text: / handwerksblatt.de

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