"Das Handwerk wird durch stetig steigende Energiekosten immer mehr belastet", sagt Potsdams Handwerkskammerpräsident Robert Wüst. Energieffizienz werde deshalb immer wichtiger.

"Das Handwerk wird durch stetig steigende Energiekosten immer mehr belastet", sagt Potsdams Handwerkskammerpräsident Robert Wüst. Energieffizienz werde deshalb immer wichtiger. (Foto: © kebox/123RF.com)

Handwerk vollzieht die Energiewende

Betriebsführung

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Auch im brandenburgischen Handwerk bieten sich noch viele Chancen, Energie einzusparen und den Schadstoffausstoß zu reduzieren.

Jörg Gauger hat ein festes Prinzip: "So wenig Erdgas wie nötig, soviel Sonnenenergie wie möglich." Mit dieser Maxime hat Gauger in der Landbäckerei Röhrig in der Blankenseer Dorfstraße vor den Toren Trebbins seine ganz persönliche Energiewende vollzogen. Während in der Backstube Gaugers Ehefrau, Bäckermeisterin Antje Mieske, in der mittlerweile vierten Generation für frisches und leckeres Backwerk sorgt und sonntags Ausflügler im Hofcafé eine idyllische Einkehrmöglichkeit finden, hat Jörg Gauger schon vor rund 20 Jahren begonnen, das 1910 gegründete Familienunternehmen nachhaltig zu modernisieren. "Das Bäckereihandwerk braucht auch heute noch sehr viel Energie zur Produktion der Backwaren“, erklärt Gauger. Frühzeitig hat er deshalb das Energieeinsparpotenzial in der Landbäckerei umfassend analysiert und den Betrieb sukzessive auf eine eigene Stromerzeugung durch erneuerbare Energien umgestellt.

Schon kurz nach der Übernahme des Familienbetriebs durch Antje Mieske wurde die Wärmeerzeugung in der Landbäckerei fortan mit Erdgas statt wie bisher mit Öl betrieben. Im Jahr 2006 installierte Gauger eine Solarthermieanlage, 2010 hielt die erste Photovoltaikanlage Einzug, der 2011 eine weitere folgte. Zwei Jahre später nahm Gauger das erste Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb und 2016 einen Batteriespeicher. "Wir haben eine eigene Stromerzeugung aufgebaut. Das ermöglicht uns, den Strom preisgünstiger und klimaschonender herzustellen als es durch externen Netzbezug möglich wäre. 98 Prozent unseres Strombedarfs werden durch Eigenerzeugung gedeckt", schildert Gauger die Erfolge der Energiewende im eigenen Betrieb.

60 Prozent weniger CO2

Im September dieses Jahres ging schließlich ein neues BHKW ans Netz. "Das neue Blockheizkraftwerk gehört zu den energieeffizientesten, die zur Zeit auf dem Markt erhältlich sind", betont Gauger stolz. Die Summe der Maßnahmen, zu der auch die Umrüstung der Leuchtkörper auf LED-Technik und der Austausch energetisch veralteter Kühl- und Spülgeräte gehörte, führte zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes in der Bäckerei Röhrig um rund 60 Prozent.

Die Trebbiner Landbäckerei Röhrig ist ein Musterbeispiel für den Einsatz energiesparender Technologien im brandenburgischen Handwerk – doch bei weitem nicht das einzige. Denn das Thema geht nahezu alle Gewerke an. "Das Handwerk wird durch stetig steigende Energiekosten immer mehr belastet", weiß Potsdams Handwerkskammerpräsident Robert Wüst um die Dringlichkeit, verstärkt den Energieverbrauch im Handwerk zu senken. "Backöfen in den Bäckereien, aber auch Kühlanlagen in Fleischereien, notwendige Lüftungsanlagen, Warmwasserbereitung oder Druckluft stehen beispielhaft für die größten Energieverbraucher in Handwerksbetrieben."

Berater der Kammern helfen

So sieht es auch Jan-Hendrik Aust, Teamleiter Innovation & Technik und Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) bei der Handwerkskammer Potsdam: "Die Energiewende ist gegenwärtig ein wichtiges Thema im Handwerk.“ Viele Handwerksbetriebe hätten in den letzten Jahren beispielsweise in Photovoltaikanlagen investiert, so Aust. "Es bieten sich aber in jedem Betrieb eine Vielzahl von Maßnahmen an, um die Energiekosten zu senken."

Um Einsparmöglichkeiten zu erkennen, hilft oft der kritische Blick von außen, wie ihn die BIT-Berater der Handwerkskammern leisten können. Auch Konditormeister René Klinkmüller hat die Beratung der Handwerkskammer Cottbus bereits in Anspruch genommen. Die Konditorei Klinkmüller, 1983 von Werner Klinkmüller gegründet, verbindet in Luckau klassisches Konditor-Handwerk mit frischen Ideen und überraschenden Kreationen.

Restwärme besser nutzen

René Klinkmüller, seines Zeichens mehrfach prämierter Konditormeister, hat den Familienbetrieb 2018 von seinen Eltern übernommen. Im vergangenen Jahr stand die Modernisierung des Backofens auf der Tagesordnung. "Dabei stellte sich für uns auch die Frage nach einer größeren Energieeffizienz", sagt der Luckauer Konditormeister. "Wir haben mit dem Hersteller vor allem besprochen, wie sich die Restwärme künftig besser nutzen lässt. Das war für uns ein wichtiger Aspekt bei der Kaufentscheidung auch wegen der hohen Energiekosten." Nun wird die Restwärme beim Backprozess mittels Wärmetauscher für die Warmwasserbereitung eingesetzt. Eine Vorabkalkulation ergab, dass sich so rund 1.000 Euro im Jahr an Energiekosten einsparen lassen. "Die Handwerkskammer hat uns dazu zusätzlich bei der Auswahl eines passenden Förderprogramms für unsere Investition unterstützt", erklärt Konditoreichef Klinkmüller.

"Eine solche Investition lohnt sich überall dort, wo energieintensive Maschinen im Einsatz sind, also nicht nur bei Bäckern, sondern auch beispielsweise bei Tischlern und Metallbauern“, berichtet Gunnar Ballschmieter, Umwelt- und Technischer Berater bei der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Ballschmieter verweist interessierte Handwerksbetriebe deshalb auf die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, an der sich die Handwerkskammern beteiligen (mittelstand-energiewende.de). Dort finden sich viele praktische Energiespartipps, etwa für Fleischer, Tischler oder das Kraftfahrzeuggewerbe, die einen ersten Einstieg in das Thema ermöglichen.

Bessere Arbeitsbedingungen, weniger Energieverbrauch

Auch Bäckermeister Claas Baumgärtel aus dem Lindendorfer Ortsteil Sachsendorf investiert in moderne, energieeffiziente Backöfen und Kühlanlagen. 2015 übernahmen die Geschwister Claas und Diana Baumgärtel den elterlichen Betrieb von Mutter Doris und Vater Günter Baumgärtel und führen das Traditionsunternehmen nun in vierter Generation. "Wir sind ein kleines mittelständisches Unternehmen mit acht Filialen und 50 Mitarbeitenden", beschreibt Claas Baumgärtel den Familienbetrieb. Gegenwärtig investiert Baumgärtel in die Modernisierung zweier Backöfen und einer Kühlanlage. Davon verspricht sich der Bäckermeister nicht nur bessere Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter, sondern auch deutliche Energieeinsparungen. Schließlich spürt auch der Sachsendorfer Bäckermeister die steigenden Energiekosten gegenwärtig deutlich. Baumgärtel hat sich deshalb rechtzeitig Know-how von außen hinzu geholt. "Ich habe vor zwei Jahren ein Seminar der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) zum Thema Energiesparen besucht und anschließend einen Energieberater hinzugezogen, um Einspar- und Fördermöglichkeiten auszuloten." Mittlerweile sind die Fördermittel des Landes Brandenburg bewilligt, um die Modernisierung der Anlagen zeitnah durchführen zu können.

Ein großes Potenzial für die Energiewende sehen die Berater der Handwerkskammern aber nicht nur bei der Umrüstung von Maschinen und Anlagen, sondern auch beim Thema E-Mobilität. Doch vor einer Umstellung ihres Fuhrparks auf E-Fahrzeuge scheuen viele Handwerker augenblicklich noch zurück. "Das Interesse ist aber auf jeden Fall da", weiß Axel Bernhardt, Technischer Berater bei der Handwerkskammer Cottbus, aus zahlreichen Gesprächen mit Handwerkern, bei denen er beispielsweise über die staatlichen Fördermöglichkeiten für E-Nutzfahrzeuge informiert. Noch fehlt aber zum Teil das entsprechende Angebot etwa für Fahrzeuge mit Anhängerbetrieb. Auch die Ladeinfrastruktur und die Reichweiten sind für manchen Handwerksbetrieb noch nicht ausreichend.

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Text: / handwerksblatt.de

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