Ich bleibe bei Ihnen, Chef! Zwischen 2014 und 2020 ist die Quote von Azubis, die nach dem Ende ihrer Lehre in einem Handwerksbetrieb weiterarbeiten, kontinuierlich gestiegen. Am höchsten ist die Verbleibquote in Betrieben mit 50 bis 249 sowie 10 bis 49 Beschäftigten. Das geht aus dem aktuellen „Ausbildungspanel Handwerk“ hervor, an dem Handwerkskammern, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammengearbeitet haben. (Foto: © Chokniti Khongchum/123RF.com)

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Mehr Absolventen einer Ausbildung bleiben zunächst im Handwerk

Betriebsführung

Im Handwerk steigt die Verbleibquote von Absolventen einer Ausbildung seit 2014 kontinuierlich an. Aus dem "Ausbildungspanel Handwerk" geht hervor, welche Rolle etwa die Faktoren Betriebsgröße, Geschlecht oder Schulabschluss spielen.

Der Anteil der Absolventen, die nach ihrer Lehre im ausbildenden Handwerksbetrieb bleiben, ist über die Jahre stetig gestiegen. Dies zeigen aktuelle Zahlen aus dem "Ausbildungspanel Handwerk", an dem zwölf westdeutsche Handwerkskammern, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitgewirkt haben. Die Autoren der Auswertung sind die IAB-Forscher Stefan Hell und Dr. Gabriele Wydra-Somaggio. 

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Demnach waren im Jahr 2014 sechs Monate nach dem Ausbildungsende noch 48 Prozent bei ihrem alten Lehrherrn beschäftigt (siehe Grafik). Nach zwölf Monaten waren es 42 Prozent. 2020 lag die Verbleibquote nach der Ausbildung nach sechs Monaten bei 57 Prozent und nach zwölf Monaten bei 50 Prozent. Die Autoren vermuten, dass die seit 2014 stetig wachsende Verbleibquote im Handwerk auf den zunehmenden Fachkräftemangel zurückzuführen ist.

Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft schneidet das Handwerk jedoch schlechter ab. Insgesamt waren 62 Prozent der Jugendlichen sechs Monate nach dem Ende ihrer Ausbildung noch im Ausbildungsbetrieb beschäftigt. Nach zwölf Monaten waren es noch 56 Prozent.

Faktor: Betriebsgröße

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Aus dem "Ausbildungspanel Handwerk" geht hervor, dass sich die Verbleibquote im Handwerk zum Teil deutlich nach der Größe des Ausbildungsbetriebs unterscheidet (siehe Grafik). Den höchsten Anteil von Absolventen, die in ihrem Ausbildungsbetrieb sechs beziehungsweise zwölf Monate weiter beschäftigt sind, können Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten und Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten vorweisen. Ihre Werte liegen zu beiden Zeitpunkten nahezu gleichauf. Dahinter folgen Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten. Die geringste Verbleibquote nach sechs beziehungsweise zwölf Monaten haben Betriebe zwischen einem und neun Mitarbeitern.

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Aus- und Umstieg im Großbetrieb

Überraschend ist für die Autoren der Auswertung, dass nicht die großen Betriebe den höchsten Anteil an verbleibenden Absolvent aufweisen. "Dies könnte unter anderem daran liegen, dass Auszubildende in größeren Betrieben eine höhere schulische Vorbildung haben und sie nach der Ausbildung beispielsweise ein Studium beginnen", heißt es im Bericht des IAB-Forums.

Als weitere Erklärung wird angeführt, dass die Absolventen in größeren Unternehmen, in denen mehrere Betriebe angesiedelt sind, häufig innerhalb der Ausbildungsfirma wechseln. Damit ändert sich zwar der Arbeitsplatz, aber sie bleiben eigentlich bei ihrem alten Arbeitgeber. 

Starke Bindung an Kleinstbetriebe

Dass die Verbleibquoten von Kleinstbetrieben sechs Monate nach der Ausbildung nicht wesentlich unter denen der Großbetriebe liegen, bezeichnen die Verfasser der Auswertung als "bemerkenswert". Sie deuten es als Zeichen, dass es vielen Kleinstbetrieben durchaus gelingt, ihre Absolvent zumindest kurzfristig zu halten. Dies führen sie auf die familiären und lokalen Bedingungen zurück, die eine Bindung zwischen Absolvent und Handwerksbetrieb tendenziell stärken und damit einen reibungslosen Berufseinstieg ermöglichen.

Faktor: Geschlecht

Eine weitere Erkenntnis des Ausbildungspanels: Sechs Monate nach dem Ende ihrer Ausbildung im Handwerk bleiben Frauen seltener im Ausbildungsbetrieb als Männer. Die Quote liegt bei 50 Prozent beziehungsweise 58 Prozent. Nach zwölf Monaten arbeiten noch knapp 44 Prozent der Frauen in ihrem Ausbildungsbetrieb. Bei den Männern sind es 51 Prozent.

Faktor: Schulabschluss

Die schulische Vorbildung der Auszubildenden hat einen "merklichen Einfluss" auf die Verbleibquote: Laut der Auswertung verlassen Absolvent mit Hochschulreife ihren Betrieb in den ersten zwölf Monaten nach Ausbildungsende häufiger als diejenigen mit niedrigeren Schulabschlüssen. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass sie nach der Ausbildung nicht selten ein Studium beginnen.

Wechsel des Arbeitgebers

Ungefähr 80 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs im Handwerk sind laut dem Ausbildungspanel sowohl sechs wie auch zwölf Monate nach Ausbildungsende beschäftigt. Die anderen befinden sich in Ausbildung, sind arbeitslos oder stehen dem Arbeitsmarkt – beispielsweise wegen eines Studiums – nicht zur Verfügung. 

Von den 80 Prozent des Abschlussjahrgangs 2020, die nach sechs Monaten in Beschäftigung sind, arbeiteten insgesamt 69,3 Prozent in Betrieben mit bis zu 49 Beschäftigten, nach zwölf Monaten waren es noch 66,1 Prozent. Diese Anteile lagen 2014 bei 64,5 Prozent beziehungsweise 62,6 Prozent.

Vom Großen zum Kleinen

Wenn Jugendliche nach ihrer Lehre einen großen Ausbildungsbetrieb verlassen und in einen kleineren Betrieb wechseln, könnte dies die Chancen, danach in einem anderen größeren Betrieb anzufangen, schmälern, stellen die Verfasser des Ausbildungspanels fest.

Der Grund: In der Regel könnten größere Unternehmen – auch weil sie häufig überdurchschnittlich gut bezahlen – aus einem größeren Pool an Bewerbenden auswählen als ihre kleineren Konkurrenten.  "Sie sind daher tendenziell zurückhaltender bei der Einstellung von Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen, die ihren Ausbildungsbetrieb verlassen, denn sie könnten dies als Anzeichen dafür werten, dass diese Jugendlichen weniger leistungsfähig sind", so der Bericht des IAB-Forums. 

Dies wird als Chance für kleinere Betriebe betrachtet, um an gut ausgebildete Fachkräfte zu kommen – selbst, wenn diese Jugendlichen möglicherweise nicht in jeder Hinsicht ihrer Idealvorstellung entsprechen. 

Vom Kleinen zum Großen

Zunächst ist der Anteil von Absolventen aus größeren Betrieben, die in kleinere Betriebe wechseln, höher ist als der Anteil derjenigen, die aus kleineren in größere Betriebe wechseln. Dieses Verhältnis ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Je länger das Ausbildungsende zurückliegt, desto besser werden die Aussichten für Absolventen aus kleineren Betrieben, in ein größeres Unternehmen zu wechseln. Dies wird mit der gesammelten Berufserfahrung begründet. Im weiteren zeitlichen Verlauf verschiebt sich das Verhältnis allerdings wieder etwas zugunsten der kleineren Betriebe.

Ausbildungspanel Handwerk Den ausführlichen Artikel "Duale Ausbildung im Handwerk: Der Anteil der jungen Menschen, die nach der Ausbildung im Ausbildungsbetrieb bleiben, steigt" finden Sie auf den Seiten des IAB

Fazit der Auswertung

Um dem wachsenden Fachkräftemangel im Handwerk entgegenzuwirken, muss die Verbleibquote der Auszubildenden weiter erhöht werden, heißt es im Fazit des "Ausbildungspanels Handwerk". Dazu bedürfe es besserer Rahmenbedingungen. Es wird empfohlen, verstärkt auf attraktive Weiterbildungsangebote für junge Menschen zu setzen und digitale Technologien zu nutzen. 

Vor allem kleinere Betriebe müssten in ihren Digitalisierungsbemühungen unterstützt werden. Angeregt werden die Zusammenschlüsse mit anderen Betrieben und die intensivere Nutzung entsprechender Netzwerke. Die Autoren der Auswertung verweisen dabei auf ein Pilotprojekt der niedersächsischen Handwerkskammern und der Bundesagentur für Arbeit. Dessen Ziel ist es, durch verstärkte Beratungsangebote für arbeitssuchende Beschäftigte, Arbeitslose und Schüler sowie den leichteren Zugang zu Praktika perspektivisch mehr Fachkräfte zu gewinnen.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Text: / handwerksblatt.de

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