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Weiterbildung neu gedacht: Digitale Lernplattformen mit KI

Handwerk 4.0: Regelmäßige Weiterbildungen sind für Handwerksbetriebe oft eine Herausforderung.Einfache Lösungen versprechen digitale Lernplattformen mit KI. Doch wie funktionieren sie? Und worauf sollten Betriebe achten?

Die Qualifizierung von Auszubildenden und Mitarbeitern gehört zu den konstanten Aufgaben von Handwerksbetrieben. Neben gesetzlich vorgeschriebenen Themen wie Daten-, Arbeits- und Brandschutz müssen auch gewerkspezifische Kenntnisse kontinuierlich aktualisiert werden.

Klassische Schulungsformate stoßen dabei zunehmend an Grenzen: Sie sind zeitaufwendig, unterbrechen den Arbeitsalltag und gehen meist nicht auf individuelle Lernstände ein. Digitale Lernplattformen auf Basis künstlicher Intelligenz setzen genau an dieser Stelle an: Sie bieten eine zentrale Umgebung, in der Schulungen erstellt, verwaltet und für jeden Mitarbeiter individuell durchgeführt werden.

Eigene Kurse per KI erstellen

Ein Vorteil für Betriebe: Plattformen wie 360Learning.com oder Coursebox.ai nutzen generative KI, um aus vorhandenen Dokumenten, Bedienungsanleitungen oder Sicherheitsdatenblättern innerhalb weniger Sekunden strukturierte Kurse zu generieren. Oft ist auch die Erstellung von Lernvideos per Mausklick möglich – dazu genügen einfache Texte. Handwerker profitieren davon besonders, da sich spezifische Arbeitsabläufe einer Werkstatt oder Baustelle ohne großen Aufwand digitalisiert darstellen lassen. Möglich sind auch Lernvideos mit digitalen Avataren oder eine automatische Übersetzung aller Inhalte in die jeweilige Muttersprache des Lernenden. So wird Weiterbildung auch für multinationale Teams gleichermaßen zugänglich und verständlich.

Azubis und Mitarbeiter profitieren so von besonders flexiblen Weiterbildungsmöglichkeiten: Im Gegensatz zu traditionellen Schulungen, die meist in Gruppen und zu festen Zeiten stattfinden, erlauben digitale Plattformen den zeitlich und räumlich unabhängigen Abruf aller Inhalte – zum Beispiel per Tablet oder Smartphone. Die künstliche Intelligenz analysiert dabei Lernverhalten, Testergebnisse und Bearbeitungszeiten, um den Wissensstand einzelner Personen zu erkennen. Auf dieser Basis werden alle Lerninhalte angepasst, vertieft oder wiederholt. So lassen sich Lernlücken frühzeitig erkennen und schließen.

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Motivation statt Pflichtprogramm

Ein wesentlicher Vorteil von digitalen Lernplattformen im Vergleich zum klassischen Lernen liegt in der Motivation: Gamification-Elemente wie Punktesysteme, Abzeichen oder kleine Wissens-Challenges sorgen für spielerische Anreize. So werden Lernfortschritte sichtbar und Erfolge messbar.

Gleichzeitig lassen sich Lernzeiten flexibel in den Arbeitsalltag integrieren, zum Beispiel in kurzen Einheiten zwischen Werkstatt, Baustelle oder Kundentermin. Lernen wird so nicht mehr als Unterbrechung, sondern als selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit wahrgenommen.

Rechtssicherheit und Kosten

Für Betriebe spielt auch die rechtssichere Dokumentation von Pflichtunterweisungen eine wichtige Rolle. Deshalb protokollieren KI-Plattformen automatisch, wer wann welche Schulung absolviert hat. Dashboards bieten zudem einen schnellen Überblick über Qualifikationsstände, offene Schulungen und Zertifikate. Damit sensible Mitarbeiterdaten geschützt bleiben, sollten Betriebe ausschließlich auf professionelle Anbieter setzen, die Datenschutz und DSGVO-Konformität garantieren.

Doch welche Kosten werden für digitales Lernen mit KI-Unterstützung fällig? Die meisten Plattformen fordern für ihre Dienste monatliche Abogebühren von ein- bis zweistelligen Eurobeträgen pro Nutzer. Für Enterprise-Lösungen gelten meist individuelle Preismodelle: Die Kosten hängen dabei unter anderem von der Anzahl der Nutzer, dem gewünschten Funktionsumfang, dem Beratungsbedarf sowie der Integration in bestehende IT-Systeme ab.

Baustein für die Zukunftsfähigkeit

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Fazit: Der besondere Nutzen von intelligenten Lernplattformen liegt in der Zeitersparnis – sowohl für den Betriebschef als auch die Lernenden. Anstatt manuell zu prüfen, welcher Mitarbeiter welche Sicherheitsunterweisung noch benötigt, übernimmt das System das Monitoring, die Fortschrittskontrolle und das Zuweisen der Lerninhalte.

Automatisierte Dashboards geben jederzeit Auskunft über den aktuellen Qualifizierungsstand des Teams. Dies garantiert die Einhaltung gesetzlicher und betrieblicher Regeln gegenüber Versicherungen oder Behörden – ohne administrativen Mehraufwand. Durch die Verlagerung des Wissensmanagements in den digitalen Raum kann die Zeit im Betrieb wieder für das genutzt werden, was das Handwerk ausmacht: die echte PraxisarbeitCheckliste: Einführung intelligenter Lernplattformen in BetriebenBedarfsanalyse
Identifikation der relevanten Pflichtschulungen (zum Beispiel Datenschutz, Arbeitsschutz, Brandschutz) sowie des gewerkspezifischen Fortbildungsbedarfs zur gezielten Plattform-Auswahl.

Plattform-Evaluation
Vergleich von Anbietern hinsichtlich Funktionsumfang, KI-Integration und Branchen-Eignung. Für kleine Unternehmen sind sofort nutzbare Self-Service-Portale empfehlenswert, für mittlere und große Unternehmen eher Enterprise-Lösungen.

Lerninhalte
Entscheidung zwischen ­fertigen Standard-Kursen der Anbieter (zum Beispiel für Arbeitsschutz) und der schnellen Erstellung eigener, gewerk­spezifischer Inhalte mit Hilfe von KI-Autorentools aus vorhandenen Dokumenten, ­Betriebsanweisungen oder Videos.

Infrastruktur
Sicherstellung eines ­stabilen Internetzugangs im Betrieb und Bereitstellung geeigneter Endgeräte (­Tablets, Terminals oder Smartphones) für Azubis und Mitarbeiter.

Wissensanalysen
Nutzung der KI-Funktionen zur automatischen Erkennung von Stärken, Schwächen und individuellen Lernlücken bei Azubis und Mitarbeitern.

Lernzeiten
Festlegung fester Zeitfenster für digitales Lernen, um die theoretische Weiterbildung nahtlos mit der praktischen Werkstatt- oder Baustellenarbeit zu verknüpfen.

Monitoring
Regelmäßige Überprüfung der Lernfortschritte durch automatisierte Dashboards zur Sicherstellung von Richt­linien und Qualifikationszielen.

Motivation
Einsatz von Gamification-­Elementen und interaktiven Inhalten zur Steigerung der Lernbereitschaft innerhalb des Teams.

Rechtssicherheit
Überprüfung der Plattform auf DSGVO-Konformität und eine rechtssichere Dokumentation von Pflichtunterweisungen (zum Beispiel Brandschutz).

Entlastung
Delegierung von Standard-Schulungsprozessen an KI-Systeme zur Rückgewinnung von Kapazitäten.

Verbesserungsprozess
Regelmäßiges Feedback der Nutzer zur Qualität der Lerninhalte einholen. Kontinuierliche Anpassung des digitalen Fortbildungskatalogs an neue Marktanforderungen oder gesetzliche Vorgaben.

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Text: / handwerksblatt.de

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