(Foto: © Statistisches Bundesamt (Destatis) 2024)

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Wohnungsbau weiter auf Talfahrt

Betriebsführung

Der Wohnungsbau bleibt das Sorgenkind der Baubranche. Die Auftragspolster für 2024 sind zu gering. Erste Unternehmen planen schon Personal abzubauen, meldet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die Zahlen für das Bauhauptgewerbe für November veröffentlicht und die zeigen nach wie vor ein gespaltenes Bild der Branche. Vor allem der Wohnungsbau ist und bleibe das Sorgenkind, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Die Auftragseingänge im Wohnungsbau sind im Vergleich zum Vormonat erneut um 6,8 Prozent eingebrochen.

"Seit 19 Monaten sind wir hier schon im Rückwärtsgang unterwegs. Uns fehlen im Vergleich zum Vorjahr bis zum November Baugenehmigungen für gut 83.000 Wohneinheiten. Das ist insgesamt ein Rückgang um etwa 26 Prozent", rechnet Pakleppa vor.

Der Verband fordert deshalb eine temporäre Entlastung für den privaten Wohnungsbau. Der Bund solle mit Förderkonzepten auf EH 55-Niveau helfen. Die Länder die Grunderwerbsteuer absenken. "Nur wenn wir die Beschäftigten in der Branche halten können, werden wir perspektivisch die benötigten mindestens 400.000 Wohnungen pro Jahr auch bauen."  

Die Inflation und die hohen Finanzierungskosten würden die Menschen, die bauen möchten, besonders hart treffen. "Bei den Genehmigungen für Einfamilienhäuser gibt es einen Rückgang um 40 Prozent, bei den Zweifamilienhäusern um 50 Prozent."

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Im Bundeshaushalt 2024 ist zuletzt noch eine Milliarde zusätzlich an Fördermitteln für den klimafreundlichen Wohnungsbau vorgesehen worden. Dies sei offensichtlich für den Mehrfamilienhausbau eingeplant, berichtet Pakleppa.

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Für Eigenheimbauer, deren Umsatzanteil den Wohnungsneubau dominiere seien die Impulse zu schwach. "Das stellt die Bauunternehmen, die hier ihr Geschäftsfeld haben, vor enorme Herausforderungen, aufgebaute Beschäftigung auch zu halten. Die Auftragspolster für das Jahr 2024 sind zu gering. Wir laufen hier deutlich Gefahr, Beschäftigte zu verlieren", warnt der ZDB-Chef.  Nominal liege die Order im Wohnungsbau um 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau, real um über 21 Prozent.

Viele neue Aufträge  im Tiefbau

Ein ganz anderes Bild gibt es im Tiefbau, insbesondere im gewerblichen Tiefbau. Hier legten die Order laut ZDB im Jahresverlauf zum Vorjahr nominal um zirka 27 Prozent zu. Treiber seien der Stromtrassenausbau, aber auch die Umsetzung großer ÖPNV-Projekte und der Schienenbau der Deutschen Bahn.

Pakleppa: "Im Ergebnis bewegt sich die Bauwirtschaft weiter im Spannungsfeld zwischen Fachkräftesuche einerseits und drohendem Kapazitätsabbau andererseits. Die negativen Folgen im Wohnungsbau sind besonders schwerwiegend. Wenn hier die Talfahrt weitergeht, Personal abgebaut werden muss oder es zu Insolvenzen kommt, werden wir auf lange Sicht die Wohnungsnot nicht in den Griff bekommen."

Quelle: ZDB

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Text: / handwerksblatt.de

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