Um wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, wird die Aktion "Sommer der Berufsbildung" gestartet.

Um wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, wird die Aktion "Sommer der Berufsbildung" gestartet. (Foto: © Senad Karcic/123RF.com)

Ausbildung: "Eine noch nie dagewesene Herausforderung"

Bildung

Der Ausbildungsmarkt musste coronabedingt erhebliche Einbußen verkraften. Für BIBB-Präsident Esser ist Ausbilden das Gebot der Stunde. Über die Aktion "Sommer der Berufsbildung" sollen neue Bewerber gewonnen werden

"Die Rückgänge am Ausbildungsmarkt sind nicht ausschließlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Schon vor Corona hatte das BIBB mit Blick auf die sinkende Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger sowie des anhaltenden Trends zu höheren Bildungsabschlüssen Rückgänge bei Angebot und Nachfrage sowie bei der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge prognostiziert", erklärte Friedrich Hubert Esser anlässlich der Veröffentlichung des Datenreports zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung.

Eine noch nie dagewesene Herausforderung 

Für den Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bedeuten die starken Rückgänge im Jahr 2020 mit Blick auf die zukünftige Fachkräftesicherung eine noch nie da gewesene Herausforderung. Diese müsse man entschlossen und gemeinsam angehen. "Denn nur wer gerade jetzt in berufliche Aus- und Weiterbildung investiert, wird morgen bei wieder anspringender Konjunktur über die dringend benötigten Fachkräfte verfügen und so unseren Wohlstand dauerhaft sichern", meint Esser.

Den Fachkräftebedarf durch berufliche Aus- und Weiterbildung zu sichern, sei und bleibe die beste Strategie. Dadurch gewännen die Unternehmen genau die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den eigenen betrieblichen Anforderungen am besten entsprechen. Umso wichtiger sei es, vor allem diejenigen Branchen zu unterstützen, die von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind, damit auch sie ihr Ausbildungsengagement in möglichst großem Umfang aufrechterhalten können.

Erhebliche Einbußen

Seit mehr als einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie maßgeblich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland. So musste auch der Ausbildungsmarkt erhebliche Einbußen verkraften. Im Vergleich zum Vorjahr sank das Ausbildungsangebot 2020 um 50.700 Stellen (-8,8 Prozent) auf 527.400. Die Zahl der jungen Menschen, die eine Ausbildungsstelle nachfragten, verringerte sich um 53.000 (-8,9 Prozent) auf 545.700. Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt nahmen zu, auch weil viele Maßnahmen zur Berufsorientierung und zur Zusammenführung von Angebot und Nachfrage nicht oder nur eingeschränkt stattfinden konnten.

In der Folge fiel die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2020 deutlich niedriger aus als im Jahr zuvor. Mit 467.500 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurden 57.600 Verträge (-11,0 Prozent) weniger abgeschlossen als 2019. Der Rückgang fiel somit höher aus als während der Weltfinanzkrise zwischen 2008 und 2009 (-52.000 bzw. -8,4 Prozent). Hintergrund: Der Datenreport des BIBB ergänzt den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Er enthält umfassende Informationen und Analysen zur Entwicklung der Berufsbildung in Deutschland.

Ausbildungsmarkt: große Herausforderungen durch Corona-Pandemie

Der Berufsbildungsbericht für das Jahr 2020 zeigt, dass die Corona-Pandemie den Ausbildungsmarkt vor große Herausforderungen gestellt hat", so Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Im vergangenen Jahr seien sowohl das Ausbildungsangebot der Betriebe als auch die Nachfrage junger Menschen nach einer Ausbildung nahezu parallel zurückgegangen. Die Folge: Der Ausbildungsmarkt sei im Gesamten geschrumpft. Dies bedeute einerseits, dass junge Menschen im Jahr 2020 gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz im dualen System hatten. Auf 100 Bewerberinnen und Bewerber kamen 106 Ausbildungsstellen.

Andererseits seien insgesamt weniger Fachkräfte ausgebildet worden. "Die Schrumpfung des Ausbildungsmarktes besorgt mich zutiefst. Denn wir brauchen dringend gut ausgebildete Fachkräfte, damit unsere Wirtschaft nach der Pandemie schnell wieder wächst", erklärte Anja Karliczek. Es bedürfe der gemeinsamen Anstrengung aller an der beruflichen Bildung beteiligten Akteure.

Sommer der Berufsbildung

Auch für das kommende Ausbildungsjahr müsse man mit Herausforderungen rechnen. "Daher treffen wir schon jetzt Maßnahmen für das kommende Ausbildungsjahr, um junge Menschen und Betriebe für die berufliche Bildung zu gewinnen." Zusammen mit den Partnern in der Allianz für Aus- und Weiterbildung will die Bundesbildungsministerin die Information und Werbung zur beruflichen Bildung verstärken.

Als Beispiel nannte sie die Aktion "Sommer der Berufsbildung". Darüber sollen mehr junge Menschen und Betriebe für die berufliche Bildung gewonnen werden. Zugleich stabilisiere man mit dem Programm "Ausbildungsplätze sichern" das Ausbildungsangebot. Eine gute Nachricht ist aus Sicht von Karliczek der Anstieg um fast drei Prozent bei den schulischen Ausbildungen im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen. Die Corona-Pandemie habe gerade die Wichtigkeit dieser Berufsgruppen für unser Gemeinwesen eindrücklich vor Augen geführt.

Hintergrund Berufsbildungsbericht

Der Berufsbildungsbericht beschreibt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt und die Situation zum Beginn des Ausbildungsjahres zum Stichtag 30. September 2020. Neben den Effekten der Corona-Pandemie war der Ausbildungsmarkt im Jahr 2020 geprägt von langfristigen Trends, wie der demographischen Entwicklung und der Verschiebung hin zu höheren Schulabschlüssen sowie zu vollzeitschulischen Ausbildungen. Der Bericht zeigt einen Rückgang des Ausbildungsangebotes der Betriebe um 8,8 Prozent auf 527.400. Gleichzeitig sank die Ausbildungsnachfrage auf 496.800. Das sind 9,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf 59.900 gestiegen. Für die Zahl der unversorgt gebliebenen Bewerberinnen und Bewerber ergab sich ein Anstieg um 19,7 Prozent auf 29.300 Personen. Angestiegen ist die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer schulischen Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen. Zudem verblieben im Vergleich zum Vorjahr mehr junge Menschen im Schulsystem zum Erwerb eines höheren Schulabschlusses.

Berufsbildungsbericht Der Berufsbildungsbericht 2021 der Bundesregierung ist im Internetangebot des Bundesbildungsministeriums abrufbar.
-> bmbf.de

Der vom Bundesinstitut für Berufsbildung verfasste Datenreport zum Berufsbildungsbericht kann als vorläufige Fassung im PDF-Format kostenlos von der Website des BIBB heruntergeladen werden.

Das Thema des diesjährigen Schwerpunktkapitels lautet "Höherqualifizierende Berufsbildung – Wege des beruflichen Aufstiegs". Die Print-Version des BIBB-Datenreports wird voraussichtlich im Juli/August zur Verfügung stehen.
bibb.de/datenreport-2021

Yasmin Fahimi (SPD) zun Berufsbildungsbericht Für Yasmin Fahimi, Mitglied und Obfrau der SPD-Bundestagsfraktion in der Enquetekommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt", unterstreicht der Blick zurück auf das Ausbildungsjahr 2020, wie wichtig der Schutzschirm für Ausbildung ist. "Wir dürfen in den Bemühungen, die berufliche Bildung in Deutschland zu sichern, nicht nachlassen." Der vorliegende Berufsbildungsbericht zeichne ein besorgniserregendes Bild: Erstmals seit der Finanzkrise sei die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge unter 500.000 gesunken. Erschwerend stelle der Bericht fest, dass sich der Ausbildungsmarkt spürbar verkleinert. "Die Lage ist zu ernst, als dass sie mit Euphemismen beschrieben werden sollte", so Yasmin Fahimi. Das auf Initiative von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) initiierte Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" bleibt aus ihrer Sicht deshalb ungebrochen wichtig. Zur Sicherung der Fachkräftebasis von morgen brauche es weiter eine Ausbildungsgarantie. Für die SPD-Fraktion im Bundestag habe die Vermittlung junger Menschen in eine betriebliche Ausbildung oberste Priorität. "Jungen Erwachsenen ohne betrieblichen Ausbildungsplatz wollen wir eine eng an der betrieblichen Praxis angelehnte Ausbildung ermöglichen", erklärt die SPD-Bundestagsabgeordnete.

Text: / handwerksblatt.de

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