Mit länderübergreifender Zusammenarbeit gegen den Fachkräftemangel: Bei einem Austausch in der Handwerkskammer Trier stand die Anerkennung des Luxemburger Meisterbriefs in Deutschland im Mittelpunkt.

Mit länderübergreifender Zusammenarbeit gegen den Fachkräftemangel: Bei einem Austausch in der Handwerkskammer Trier stand die Anerkennung des Luxemburger Meisterbriefs in Deutschland im Mittelpunkt. (Foto: © Constanze Knaack-Schweigstill)

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Luxemburger Meister in Deutschland willkommen

Zu einem Austausch hat die Handwerkskammer Trier eine achtköpfige Delegation der Chambre des Métiers Luxembourg und des luxemburgischen Bildungsministeriums empfangen.

Gegenstand der Gespräche zwischen der Handwerkskammer Trier und der der Chambre des Métiers Luxembourg waren die Berufsbildungssysteme von Luxemburg und Deutschland. Das Treffen fand vor dem Hintergrund statt, dass die Handwerkskammer Trier neuerdings Leitkammer für die Anerkennung luxemburgischer Berufsabschlüsse im deutschen Handwerk ist. Im Mittelpunkt der Begegnung stand vorrangig das Ziel, das Länderprofil im digitalen Berufsqualifikationsportal für Luxemburg aufzubauen. Zudem standen praktische Einblicke in das Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse an der Handwerkskammer Trier sowie Gespräche über die wesentlichen Unterschiede insbesondere bei der deutschen und luxemburgischen Meisterprüfung auf dem Programm.

Bei dem Treffen ging es insbesondere um die Frage, unter welchen Bedingungen in Luxemburg abgelegte Meisterprüfungen künftig in Deutschland anerkannt werden könnten. "Wer sein Handwerk im Ausland erlernt hat, ist im deutschen Handwerk willkommen. Ausländische Fachkräfte bereichern schon heute so manchen Betrieb. Künftig wird der Bedarf nach qualifizierten Fachkräften – egal woher sie stammen – noch wachsen", erklärte Jürgen Rauschenbach, der bei der Handwerkskammer Trier die Stelle für Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen der Handwerkskammer Trier leitet. "Täglich erreichen mich Anfragen von Betriebsinhabern, die händeringend Fachkräfte suchen und zum Teil schon eine Betriebsschließung in Betracht ziehen, sollten sie keine neuen Mitarbeiter einstellen können. Mittelfristig wollen wir eine Ausgleichmöglichkeit für den Luxemburger Meisterbrief schaffen, damit er in Deutschland als gleichwertig anerkannt wird. Daher sind wir mit den anerkennenden Stellen im ständigen Austausch."

Vernetzung zu "Leitkammersystem"

Um die Kräfte in Sachen Anerkennungsverfahren zu bündeln, haben sich die mehr als 50 deutschen Handwerkskammern in einem "Leitkammersystem" vernetzt. So können alle Handwerkskammern auf die Fachkenntnisse von Experten zurückgreifen, die auf bestimmte Herkunftsländer spezialisiert sind. Die Handwerkskammer Trier hat neben der Slowakei und Kasachstan seit diesem Jahr nun auch die Leitkammerfunktion für das Herkunftsland Luxemburg übernommen. Die so zusammengetragenen Informationen bündeln die beteiligten Akteure bundesweit auf einem digitalen Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen (BQ-Portal) und Berufsbildungssysteme.

Als "lernendes System" trägt es dazu bei, kontinuierlich Wissen und Information zu diesen Themen aufzubauen. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Ländern und Berufsgruppen, aus denen besonders viele Anträge auf Berufsanerkennung kommen oder noch kommen werden. Bewertungsverfahren werden durch die Abstimmung über diese Plattform einheitlicher und transparenter. Die Plattform optimiert den Informationsaustausch sowie die Vernetzung der beteiligten Kammermitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich 103 veröffentlichte Länderprofile mit mehr als 5.390 Berufsprofilen im BQ-Portal. Darüber hinaus interessierten sich die Gäste aus dem luxemburgischen Bildungssektor dafür, wie das Anerkennungsverfahren von ausländischen Gesellenprüfungen an der Handwerkskammer Trier in der Praxis abläuft. Dazu erhielten sie im neuen Handwerkskammer-Berufsbildungszentrum Campus Handwerk "live" Einblicke in Qualifikationsanalysen: In den Handwerkskammer-Werkstätten für Friseur/-innen und Elektroniker/-innen für Energie- und Gebäudetechnik erlebten sie fünf Antragstellende in Aktion, die gerade anhand eines Probearbeitens mit anschließendem Fachgespräch ihre Qualifikation überprüfen ließen.

 

Hintergrund: Anerkennungsverfahren Hintergrund Die Qualifikationsanalyse ist ein Verfahren nach dem Anerkennungsgesetz zur Feststellung beruflicher Kompetenzen und Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses, wenn Unterlagen fehlen. Dies gilt für alle dualen Ausbildungsberufe und Meisterberufe. Wenn Anerkennungsinteressierte keine ausreichenden Nachweise über ihre Qualifikationen erbringen können, weil beispielsweise Unterlagen über abgeschlossene berufliche Qualifikationen, Arbeitszeugnisse oder Angaben zu den Ausbildungsinhalten fehlen, wird das Verfahren angewendet.
Online Hier geht es zum BQ-Portal.
Kontakt Jürgen Rauschenbach, Handwerkskammer Trier, E-Mail: jrauschenbach@hwk-trier.de, Telefon: 0651 207265

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Text: / handwerksblatt.de

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