Die Baukosten sollen sinken
Das Bauministerium hat einen Aktionsplan zur Baukostensenkung vorgelegt. Das Baugewerbe bewertet das positiv, sieht aber auch Raum für Verbesserungen.
Das Bundesbauministerium hat verschiedene Maßnahmen gebündelt, um die Baukosten zu senken und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu legt es ihren Aktionsplan zur Baukostensenkung mit kurz- und mittelfristig wirkenden Instrumenten um nach eigener Aussage Kostentreiber systematisch zu adressieren, Effizienzpotenziale zu heben und Investitionen wieder attraktiver zu machen.
Damit will das Ministerium gegen die steigenden Preise angehen, um private Bauherren, Investoren und die öffentliche Hand zu entlasten und so den Wohnungsbau zu beschleunigen und das Volumen zu erhöhen. Der Aktionsplan enthält 13 Maßnahmen. Das Bauen soll digitaler werden und Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen schneller ablaufen. Zusätzlich gibt es Maßnahmen zum Gebäudetyp E, ein Neubau-Förderprogramm und neue steuerliche Anreize.
Die Maßnahmen:
- Digitalisierung des Bauens
Mit der konsequenten Einführung von Building Information Modeling (BIM) soll die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg digital vernetzt und damit effizienter werden. Dazu soll die Initiative "BIM Deutschland" beitragen. Geplant ist ein Bonus-System für den Einsatz von BIM und offene Standards für eine übergreifende Dateninteroperabilität, um eine breite Anwendung von BIM in der Praxis zu ermöglichen. - Digitaler Bauantrag
Der digitale Bauantrag soll weiterentwickelt werden. Ziel ist eine durchgängige, medienbruchfreie Digitalisierung von der Antragstellung bis zur Genehmigung. Teilautomatisierte Verfahren sowie BIM-basierte Anträge und Prüfungen sollen dabei einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung leisten. Der Bund will die Länder bei der Umsetzung durch Vernetzung, fachliche Begleitung und gezielte Förderung unterstützen. Ziel der Länder beim digitalen Bauantragsverfahren ist es, die digitale Antragstellung bis 2028 zum verbindlichen Regelweg zu machen. Papieranträge sollen dann nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein. - Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung
Mit standardisierten Datenmodellen und einer digitalen Verfahrensampel soll das Bauleitplanverfahren im Rahmen des Baugesetzbuch-Upgrades transparenter und effizienter gestaltet werden. Ziel ist es, die Dauer von Bauleitplanverfahren auf maximal zwei Jahre zu begrenzen. - Serielles und modulares Bauen
Das serielle und modulare Bauen soll ausgebaut werden, denn standardisierte Prozesse, harmonisierte Schnittstellen und digitale Planungsmethoden verkürzen Bauzeiten, erhöhen die Planungssicherheit und stabilisieren Kostenstrukturen. Das Ministerium will für die Neubauförderung ein Bonus-System für verkürzte Bauzeiten und reduzierte Baukosten durch serielles und modulares Bauen entwickeln. Es will außerdem Hemmnisse für die Nutzung von Typengenehmigungen in der Praxis identifizieren, mit dem Ziel, dadurch systemische Bauweisen zu erleichtern. - Nutzung von sekundären Bauteilen und Materialzulassung
Hemmnissen bei der Zulassung neuer Baumaterialien sollen entfallen, um die Kreislaufwirtschaft und Innovationen beim Bauen zu fördern. Ressourcen sollen effizienter genutzt werden. Die verstärkte Verwendung von Sekundärrohstoffen und wiederverwendbaren Bauteilen ermögliche Kosteneinsparungen, reduziere die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und mache den Bausektor widerstandsfähiger gegen globale Lieferkettenprobleme und Ressourcenknappheit. Mit der Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens für Wiederverwendung und Recycling im Gebäudebereich sollen Hemmnisse für den Einsatz gebrauchter Bauprodukte abgebaut werden. - Plattform kostenreduziertes Bauen
Das Bauministerium will eine Plattform für kostenreduziertes Bauen einrichten, die Bund und Länder gemeinsam betreiben. Sie soll bewährte Lösungen bündeln und für alle Akteure leicht zugänglich machen. - Gebäudetyp E
Es soll regulatorische Spielräume geben. Mit dem Gebäudetyp E soll es erleichtert werden, rechtssicher von Standards und technischen Normen abzuweichen. Einen Gesetzentwurf soll das Justizministerium noch in diesem Jahr vorgelegen. Das Bauministerium will gleichzeitig Maßnahmen zur schnelleren Etablierung des Gebäudetyps E auf den Weg bringen. - Planen und Bauen besser verzahnen
Mit integrierten und kooperativen Projektansätzen sollen Planung und Ausführung künftig enger verzahnt und alle wesentlichen Beteiligten frühzeitig eingebunden werden. Der Bund will die Verbreitung dieser Ansätze gezielt unterstützen und bestehende Initiativen stärken. Ziel ist es, Bauprojekte wirtschaftlicher umzusetzen und Baukosten nachhaltig zu senken. - Kostenkontrolle bei Normen und technischen Anforderungen
Die Folgekostenabschätzungen des Deutschen Instituts für Normung sollen künftig zusätzlich von einer unparteiischen Prüfstelle überprüft werden, um weitere Kostensteigerungen durch neue Normen zu verhindern. Zudem soll die Bindungswirkung von Normsetzungen durch Selbstverwaltungsorganisationen überprüft und auf ein sicherheitsrelevantes Maß zurückgeführt werden. - Zentrales Förderprogramm Neubau
Künftig soll die Neubauförderung in einem zentralen Förderprogramm Neubau gebündelt und modular aufgebaut sein, um sie übersichtlicher und einfacher zugänglich zu machen. Der Start des neuen Programms ist für 2027 vorgesehen. - Verbesserung der degressiven AfA und Sonderabschreibung
Das Bauministerium will zur Verbesserung der Investitionsbedingungen die degressive Abschreibung verlängern und verstetigen und die Sonderabschreibung im Wohnungsbau zielgerichteter gestalten. - Sicherstellung effektiver Finanzierungsmöglichkeiten
Es soll einen Fonds für bezahlbares Wohnen als Modellvorhaben zur Mobilisierung privaten Kapitals für bezahlbare und klimafreundliche Wohnungsneubaumaßnahmen geben, der Anleger adressiert, die nach hoher Sicherheit zu moderaten Renditen suchen. Die Bundesregierung will sich dafür einsetzen, dass die Perspektive der Wohnungsbaufinanzierung bei künftigen Anpassungen des Rechtsrahmens angemessen berücksichtigt wird. - Schwerpunkt kostengünstiges Bauen beim Staatspreis
Beim "Deutscher Architekturpreis" soll die Kostenkomponente im kommenden Jahr stärker in den Fokus rücken. Auch in der strategischen Forschungsplanung des BMWSB legen wir einen Schwerpunkt auf kostengünstiges Planen und Bauen. Damit setzen wir klare Impulse für die technologischen und wirtschaftlichen Innovationen von morgen.
"Es ist gut, dass das Bundesbauministerium einen Plan zur Baukostensenkung vorgelegt hat und damit die Wirtschaftlichkeit der Bauprojekte in den Fokus nimmt. Der Bau-Turbo sowie die Novelle des Baugesetzbuches verbessern die Rahmenbedingungen, machen das Bauen für einen Großteil der Bevölkerung aber nach wie vor nicht bezahlbar", erklärt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa.
"Viele Vorschläge des Aktionsplans gehen in die richtige Richtung, aber wir brauchen deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz in der Umsetzung der Vorhaben, damit in dieser Legislaturperiode noch deutlich mehr Wohnungen gebaut werden." Beim Thema Gebäudetyp E sei bereits über ein Jahr verloren worden. Es sei richtig, dass das Bauen günstiger werden muss und dass die Standards flexibilisiert werden. Pakleppa vermisst dazu einen Gesetzentwurf der Bundesregierung.
"Wirtschaftlicher Anreiz fehlt"
"Einen schnell wirksamen Finanzierungsimpuls über die KfW-Förderung haben wir lange klar benannt: die Verlängerung und Aufstockung des Ende Juni auslaufenden KfW-Programms für das Effizienzhaus 55 in Verbindung mit 100 Prozent erneuerbarer Wärme, ausgestattet mit einem langfristig fixierten, unter Marktniveau liegenden Zinssatz und die Koppelung der Sonder-AfA an diesen Standard." Der Aktionsplan greife das bisher nicht konkret genug auf.
Allein über die angepasste Sonder-AfA mit der Kopplung an den EH-55-Standard ließen sich jährlich rund 30.000 zusätzliche Wohnungen aus einem Bauüberhang von über 430.000 Projekten aktivieren. "Die Kapazitäten sind da. Architekten, Planungsbüros und Bauunternehmen sind nicht ausgelastet und könnten sofort beginnen." Was fehlt, sei ein wirtschaftlicher Anreiz, der jetzt wirkt – nicht erst 2027.
"Entscheidend ist das Tempo"
Das serielle und modulare Bauen decke derzeit einen noch ausbaufähigen Anteil am Wohnungsbau. Gerade der serielle Wohnungsbau sei aber nicht für Verdichtung und Aufstockung in Innenstadtlagen geeignet und noch auch nicht kostengünstiger. Ein staatliches Bonussystem käme nur bei einem sehr kleinen Teil der in Deutschland gebauten Wohnungen zum Einsatz.
"Ausdrücklich begrüßen wir den Einsatz von RC-Material, dessen rechtssicheren Einsatz wir seit fast zehn Jahren fordern. Dazu gehört, dass der Abfallstatus in der Ersatzbaustoffverordnung neu definiert wird, damit aufbereitete Baustoffe zum Schutz der natürlichen Ressourcen rechtssicher verwendet werden können. In den beiden vergangenen Legislaturperioden ist dazu nichts passiert." Das Baugewerbe erwartet hier endlich konkrete Schritte.
Pakleppa: "Insgesamt ist der Aktionsplan ein richtiger und überfälliger Schritt. Er benennt die zentralen Hebel und schafft eine gute Grundlage. Entscheidend ist jetzt aber das Tempo. Die strukturellen Maßnahmen verbessern die Rahmenbedingungen, doch ohne einen schnell wirksamen Finanzierungsimpuls bleibt das Bauen unwirtschaftlich und für viele Menschen unbezahlbar."
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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