Strukturreformen statt Einschnitten bei der Hilfsmittelversorgung
Die Hilfsmittelversorgung braucht strukturelle Veränderungen statt undifferenzierter Einschnitte. Das fordert WvD anlässlich der Vorstellung der Hilfsmittelstudie 2026 mit dem Titel "Care-Navigation. Die Zukunft der Hilfsmittelversorgung".
Die Hilfsmittelstudie 2026 untersucht die Zukunft der Hilfsmittelversorgung in Deutschland. An der Befragung der Branche nahmen rund 1.000 Mitarbeitende aus Sanitätshäusern und Homecare-Unternehmen teil. Die Studie mit dem Titel "Care-Navigation. Die Zukunft der Hilfsmittelversorgung" wurde nun veröffentlicht. Ein Ergebnis ist: Bereits vor der geplanten pauschalen Drei-Prozent-Kürzung im Entwurf des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sehen rund 76 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe durch die bestehende Vergütungsstruktur langfristig gefährdet.
"Die Hilfsmittelversorgung braucht strukturelle Veränderungen statt undifferenzierter Einschnitte", betont deswegen das Bündnis "Wir versorgen Deutschland" (WvD), zu dem auch der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) gehört. WvD fordert, die Kürzung ersatzlos zu streichen. Die Studie wurde von der opta data Zukunfts-Stiftung gemeinsam mit dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement (IZZ) in Zusammenarbeit mit dem BIV-OT und dem Verband Versorgungsqualität Homecare durchgeführt.
Keine undifferenzierten Sparmaßnahmen
Hilfsmittelstudie 2026Hier können Sie die Hilfsmittelstudie runterladen.Die Studie zeige auch, dass die Herausforderungen der Hilfsmittelversorgung vom Fachkräftemangel bis zum demografischen Wandel nicht mit undifferenzierten Einsparmaßnahmen gelöst werden können. "Die Hilfsmittelversorgung arbeitet seit Jahren unter enormem wirtschaftlichem Druck. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Belastungsgrenze vieler Unternehmen bereits vor den aktuellen Reformplänen erreicht war: Rund 76 Prozent der Befragten geben an, dass die bestehende Vergütungsstruktur langfristig die Existenz vieler Betriebe gefährdet", erklären die WvD-Generalsekretäre Kirsten Abel und Dr. Henning Schweer.
"Die Folgen sind schon heute sichtbar: Bei etwa 56 Prozent der befragten Inhaberinnen und Inhaber wurden wirtschaftlich besonders aufwendige Versorgungsfälle bereits bewusst vermieden. Rund 43 Prozent der Befragten gaben an, Innovationen nicht umgesetzt zu haben, weil sie wirtschaftlich nicht refinanzierbar waren. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in Hightech-Produktion, digitale Diagnostik oder IT-Infrastruktur. Das sind alarmierende Warnsignale. Wer in dieser Situation pauschale Vergütungskürzungen beschließt, gefährdet nicht nur die Zukunft vieler Betriebe, sondern auch die wohnortnahe Versorgung von Millionen Patientinnen und Patienten."
Geplante Kürzung zurücknehmen
Die Branche definiere sich nicht nur über eine bessere Finanzierung. Auch das sei ein Ergebnis der Studie. "Die Befragten sehen erhebliche Potenziale in einer konsequenten Digitalisierung von Prozessen, einem spürbaren Bürokratieabbau und einer engeren Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe. Investitionen in digitale Vernetzung und eine moderne Versorgungssteuerung würden Fachkräfte entlasten, ihnen wieder mehr Zeit für die Patientenversorgung geben sowie Unter- und Fehlversorgungen vermeiden und damit langfristig Kosten sparen", so Abel und Schweer.
WvD sieht die Politik in der Pflicht, die Drei-Prozent-Kürzung in der Hilfsmittelversorgung zurückzunehmen. Stattdessen brauche es Bürokratieabbau, eine konsequente Digitalisierung, mehr Vertrauen in die Kompetenz der Leistungserbringer und die zügige Einführung der elektronischen Hilfsmittelverordnung. "Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft, des Anstiegs chronischer Erkrankungen sowie der politisch gewollten Ambulantisierung braucht Deutschland eine leistungsfähige Hilfsmittelversorgung."
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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