Zwweiradmechaniker-Meister Jens "Doc Jensen" Koch mit einem Moto Guzzi Cafe-Roadster, den er im Kundenautrag entwickelte.

Zwweiradmechaniker-Meister Jens "Doc Jensen" Koch mit einem Moto Guzzi Cafe-Roadster, den er im Kundenautrag entwickelte. (Foto: © Doc Jensen/Jens Koch)

Guzzi-Doc aus Elmenhorst

Zweiradmechaniker-Meister Jens Koch ist seit der Kindheit vom Biker-Virus infiziert und in Schrauberkreisen als "Doc Jensen" bekannt wie ein bunter Hund. Seine Berufung fand er aber erst spät.

"Als ich zehn Jahre alt war, hat mich mein Onkel auf seiner Honda CB 500 Four mitgenommen, ohne Helm, meine Mutter hat mir nur die Kapuze fest zugeschnürt", erzählt Jens Koch. "Wir hatten höchstens 80 Stundenkilometer drauf, aber mir kam es vor wie der Ritt auf einer Kanonenkugel", ergänzt er im typischen Hamburger Dialekt.

Vom Biker-Virus befallen

2014 entwickelte Jens Koch mit der Moto Guzzi Scrambler 1100 sein erstes eigenes Modell. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch
2014 entwickelte Jens Koch mit der Moto Guzzi Scrambler 1100 sein erstes eigenes Modell. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch

Zu jener Zeit ahnte der im niedersächsischen Nordheim geborene, aber in der Hansestadt aufgewachsene Koch nicht, dass ihn das Biker-Virus infiziert hatte und ihn sein Leben lang begleiten sollte. Dazu trug auch sein Nachhilfelehrer bei, der ihn häufig auf einer Honda CB 200 mitfahren ließ. Sogar auf dem kleinen Zweizylinder mutierten gefahrene 60 km/h schnell zu gefühlten 200

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Und nachdem Koch zum 12. Geburtstag ein Abo für eine Motorrad-Zeitschrift geschenkt bekommen hatte, wartete er stets sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Zeitschrift ins Haus kam – um den Inhalt dann förmlich aufzusagen. 1983 dann endlich nach Sachs-Mofa und KTM-50MS-Mokick die erste eigene Maschine, die schneller als 40 km/h lief, eine KTM 50RLW. Innerhalb eines Jahres fuhr Koch 15 000 Kilometer, ein Höhepunkt: die Fahrt zum Conti-Treffen im Contidrom 1984, das seinerzeit größte Motorradtreffen Europas mit fast 30 000 Besuchern in der Südheide bei Hannover.

Mit dem Motorrad in der Bahn

Passt so ein Motorrad in eine Bahn? Jens Koch und ein Kumpel machten es möglich. Foto: ¬© Doc Jensen/Jens Koch
Passt so ein Motorrad in eine Bahn? Jens Koch und ein Kumpel machten es möglich. Foto: ¬© Doc Jensen/Jens Koch

Sein erstes "richtiges Bike" hatte Koch als "Bengel" beim Zeitung austragen gesichtet. Regelmäßig kam er staunend an einer ‘76er Yamaha XS 500 vorbei. Irgendwann steckte er einen Zettel an den Zweizylinder und kaufte ihn bald darauf, obwohl er eigentlich kein Geld hatte. Die Maschine transportierte er anschließend zusammen mit einem Freund zum Erstaunen von Schaffner und Fahrgästen in der U-Bahn.

"Um die XS zu bezahlen, habe ich mit einem Kumpel nahe Lübeck eine Baugrube ausgeschachtet und so die Kohle verdient", erinnert sich Koch, der zu dieser Zeit seine später erfolgreich absolvierte Maschinenschlosser-Ausbildung begann. Weitere Yamahas wie eine XS 850 und eine XS 1100 folgten, bevor sich Koch 1988 eine Moto Guzzi LM2 aus Einzelteilen selbst aufbaute.

Kein Bock mehr auf Schlosser

Jens Doc Jensen Koch von Comic-Zeichner Holger Aue porträtiert. Foto: ¬© Doc Jensen/Jens Koch
Jens Doc Jensen Koch von Comic-Zeichner Holger Aue porträtiert. Foto: ¬© Doc Jensen/Jens Koch

Eine Zäsur bedeutete für den Schrauber sein einjähriger Zivildienst in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung, in der er weitere drei Jahre arbeitete. In seinen Lehrberuf kehrte Koch danach nicht zurück. "Ich hatte 1996 kein Bock mehr auf Schlosser und habe dann in Lüneburg Sozialwesen studiert, die Schlosserei betrieb ich nur noch mit eigenen Motorrädern", sagt der Diplom-Sozialpädagoge, den Comic-Zeichner Holger Aue ("MOTOmania") gegen Ende der 90er Jahre so treffend porträtierte.

Klassikerparade: Einige der Maschinen, die Jens Koch im Laufe seiner Karriere aufgebaut hat. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch
Klassikerparade: Einige der Maschinen, die Jens Koch im Laufe seiner Karriere aufgebaut hat. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch

Damals florierte bereits Kochs Nebenbei-Bike-Teile-Handel "Doc Jensen" aus seiner Schrauberbude aus einer Hamburger Tiefgarage heraus. Die berufliche Erfüllung fand er aber weder in der Sozialarbeit in einer evangelischen Stiftung, noch während eines weiteren Studiums der Sozialökonomie an der Universität Hamburg.

Mit der Harley nach Las Vegas

In Drive-Thru in Las Vegas gaben sich Martina und Jens auf zwei Harleys das Ja-Wort. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch
In Drive-Thru in Las Vegas gaben sich Martina und Jens auf zwei Harleys das Ja-Wort. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch

Privat hingegen lief es äußerst rund, denn seit Ende 2003 ist Koch mit seiner heutigen Frau Martina zusammen. Drei Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken, die beiden buchten eine Motorradreise in die USA, reservierten die Little-White-Wedding-Chapel in Las Vegas. 

Mit zwei Harley Road Kings machten sich von Los Angeles/Kalifornien auf den staubigen Weg nach nach Las Vegas/Nevada auf, wo sie sich im Drive-Thru auf den Harleys das Ja-Wort gaben.

Berufung Meister

Die Berufung gefunden: Jens Koch mit seinem Zweiradmechaniker-Meisterbrief. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch
Die Berufung gefunden: Jens Koch mit seinem Zweiradmechaniker-Meisterbrief. Foto: © Doc Jensen/Jens Koch

Nach dem Umzug von Hamburg nach Elmenhorst, wo sich die beiden ein Haus bauten, fand Koch schließlich seine Berufung. Nach zwei Jahren erneuten Büffelns ist er seit 2012 Zweiradmechaniker-Meister und betreibt zusammen mit seiner Frau seit 2013 die freie Motorrad-Werkstatt "Doc Jensen".

Die hat sich erfolgreich der Veredelung und der Reparatur der italienischen Traditionsmarke Moto Guzzi verschrieben. Und wenn sich Koch heute zur Probefahrt auf eine seiner zahlreichen exklusiv gefertigten, zweirädrigen "Kanonenkugeln" setzt, erinnert er sich oft an seine ersten Bike-Erlebnisse – jetzt aber mit Helm.

 

Text: / handwerksblatt.de

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