Video-Fahrbericht: VW T6.1 Kastenwagen
Viele Neuerungen im VW T6.1 – wir geben einen Überblick über die Wichtigsten.

Viele Neuerungen im VW T6.1 – wir geben einen Überblick über die Wichtigsten. (Foto: © Martin Bärtges)

Fahrbericht: VW Transporter 6.1 – Bulli goes digital

Seit gut sieben Jahrzehnten ist er auf dem Markt, und längst eine Legende. Der VW Transporter - oder der Bulli, wie ihn seine Fans nennen.

Mittlerweile ist er als T 6.1 zu haben. Die Ziffernkombination deutet darauf hin, dass die aktuelle Modellversion keine komplette Neuentwicklung ist. Aber Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat dem Transporter ein umfassendes digitales Update gegönnt - und dazu eine elektromechanische Lenkung spendiert.

Neue Technik und Optik

Größerer Kühlergrill am T6.1 damit der neue Motor genug Luft bekommt. Foto: © Martin BärtgesGrößerer Kühlergrill am T6.1 damit der neue Motor genug Luft bekommt. Foto: © Martin Bärtges

Die neue Lenkungstechnik ist Voraussetzung für eine ganze Reihe aktiv mitlenkender Fahrer- und Assistenzsysteme, wie etwa den - bereits aus dem Crafter bekannten - per Drehknopf bedienbaren Rangier-Assistenten für Anhänger. Er nimmt dem Fahrer das Umdenken zum Gegenlenken beim Rangieren ab. Das Spurhaltesystem "Lane Assist" ist dem Fahrer beim Halten der Spur behilflich. Und der "Park Assist" fädelt den T6.1 halbautomatisch in eine Parklücke ein und parkt auch aus. Praktisch und hilfreich im Alltag sind der serienmässige Seitenwindassistent oder die Verkehrszeichenerkennung. So weiss man jederzeit, ob man sich etwa auf einer geschwindigkeitsbegrenzten Strecke oder im Überholverbot befindet.                                                 

Optisch ist der kompakte Transporter (Außenlänge 4.904 mm beim kurzen Radstand) an seiner veränderten Frontpartie erkennbar - wenn man genau hinschaut und um die Änderungen weiß. Da die neuen Motoren im T6.1 jede Menge Luft brauchen, verstecken sich in der Front deshalb neue und größere Lufteinlässe. Dazu haben die Designer dem T6.1 flachere Scheinwerfer spendiert und den Kühlergrill minimal verändert. Zudem verbinden zwei verchromte Querspangen die neuen Scheinwerfer optisch mit dem Kühlergrill.

Versionen für jeden Anwendungsbereich

Lieferbar ist der VW Transporter als Pritschenwagen, als Einfach- und Doppelkabine (auch für die Fahrgestell-Varianten), als Kastenwagen mit kurzem (3.000 mm) oder langem (3.400 mm) Radstand (den "langen" Transporter gibt es auch mit Hochdach) oder als Transporter Kastenwagen Plus mit bis zu sechs Sitzplätzen und Platz für zwei Europaletten. Bestellbar ist er zudem als Transporter Kombi mit leicht ausbaubaren Sitzreihen für den wahlweisen Transport von bis zu neun Personen oder Ladung.

Neben den Transporter-Modellen bietet VWN den T6.1 auch in weiteren Grundmodell-Versionen an: Zur Wahl stehen neben dem Transporter der Multivan, die Caravelle und der California. Dabei übernimmt der Multivan die Rolle des Vans für Familie oder Business. Auf Personenbeförderung spezialisiert ist die bis zu neunsitzige Caravelle, lieferbar in zwei Radständen. Absoluten Kultstatus genießt unter seinen Fans seit mehr als drei Jahrzehnten der California, das Reisemobil unter den VW Bussen.

Kein Benziner dafür neue Diesel mit mehr Leistung

Blick unter die Motorhaube des neuen T6.1. Foto: © Martin BärtgesBlick unter die Motorhaube des neuen T6.1. Foto: © Martin Bärtges

Vier Dieselmotoren - allesamt Turbodieseldirekteinspritzer - sind lieferbar, wegen der eher geringen Nachfrage hat VWN die Benziner aus dem Programm genommen. Die Selbstzünder decken eine Leistungsspanne von 90 bis 199 PS ab. Die beiden schwächeren Motoren (mit 66 kW / 90 PS und 81 kW / 110 PS) sind immer an ein Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Das Antriebsaggregat mit 110 kW /150 PS ist wahlweise als Sechsgang-Schalter oder optional mit dem Siebengang-DSG zu haben, das mit 146 kW / 199 PS leistungsstärkste Aggregat wird immer mit dem Siebengang-DSG ausgeliefert. Alle Motoren erfüllen Euro 6d Temp.

Das Einstiegsaggregat mit seinen 90 Pferdestärken ist im T6.1 für den innerstädtischen oder den Betrieb auf Kurzstrecken ausreichend, die Version mit 110 PS dürfte für den Einsatz als Nutzfahrzeug die gefragteste sein. Die beiden stärkeren Varianten werden wohl vor allem in den für den Personentransport gedachten Varianten und den Reisemobil-Versionen zum Einsatz kommen. Neben den Modellen mit Frontantrieb bietet VWN den Transporter - ab 150 PS - auch mit traktionsförderndem Allradantrieb an, für den Einsatz abseits des Asphalts oder in Regionen mit häufig winterlichen Bedingungen.

Hochwertige Ausstattung im Klassiker

Volkwagen Nutzfahrzeuge hat alle Ausstattungsversionen aufgewertet. So sind beim Transporter 6.1 jetzt serienmäßig elektrische Fensterheber, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Zentralverriegelung, neue H7-Scheinwerfer, Innenleuchten in LED-Technik sowie das Radiosystem "Composition Audio" inklusive Bluetooth-Freisprecheinrichtung und USB-, SD- sowie iPod/iPhone- Schnittstelle an Bord. Praktisch sind optionale Features wie eine am Fahrersitz installierte 230 V Steckdose und ein abschließbares, großes Fach unter der Beifahrerdoppelsitzbank (Aufpreis 476 Euro).

Laderaumkonzepte

Gewohnt viel Platz im Laderaum des Kleintransporters. Foto: © Martin BärtgesGewohnt viel Platz im Laderaum des Kleintransporters. Foto: © Martin Bärtges

Der Laderaum beim Transporter ist (beim kurzen Radstand) zwischen 2.450 und - mit Unterladefunktion - 2.800 mm lang, beim langen Radstand liegen die Werte zwischen 2.900 und 3.300 mm. Beim kurzen Radstand hat der Laderaum eine Fläche von 4,3 Quadratmeter. das Laderaumvolumen liegt - je nach Radstand - zwischen 5,8 und 9,3 Kubikmeter. Die Zuladung liegt, je nach Version, bei bis zu 1,4 Tonnen. Alle Modelle der Baureihe haben bis zu 2.500 kg Anhängelast.

Die seitliche Schiebetür gibt eine Öffnung von knapp über einem Meter Breite frei, bei der Heckklappe sind es fast anderthalb Meter. Für Transporter mit Trennwand ist der Laderaum serienmäßig mit einer separaten Schließung versehen. So können Laderaum und Fahrerhaus separat voneinander verschlossen werden.

Digitalisierung im Bulli

Ausgestattet ist der VW T 6.1 mit zahlreichen digitalen Helferlein. Selbstverständlich lassen sich Smartphones per Bluetooth oder "App-Connect" mit dem Infotainmentsystem des Fahrzeugs koppeln. Beim VW Transporter kann das Infotainmentsystem - und somit das ganze Fahrzeug - auch ohne gekoppeltes Smartphone online gehen. VWN hat die Infotainmentsysteme neu konfiguriert und um zahlreiche online-basierte Funktionen und Dienstleistung erweitert. Alle im T6.1 eingesetzten Infotainmentsysteme sind mit einer Online-Connectivity-Unit (OCU) und einer integrierten eSIM verbunden. 

Das in allen Transportern sowie im Caravelle 6.1 Trendline und Comfortline serienmäßige Infotainmentsystem "Composition Audio" bietet optional eine eCall-Funktion (automatischer Notruf) und "We Connect" (zeitlich unbegrenzt freigeschaltet). Unter "We Connect" bündelt Volkswagen Nutzfahrzeuge das neue Spektrum der Online-Dienste- und Funktionen. Bereits ab dem "Modularen Infotainmentbaukasten" MIB2-System "Composition Colour" sind eCall und "We Connect" ohne Aufpreis freigeschaltet. Ebenfalls serienmäßig dabei ist im MIB2-System das erweiterte Dienste- und Funktionsspektrum von "We Connect Plus".

Bei den MIB3-Systemen "Discover Media" oder "Discover Pro" ist das Funktionsspektrum nochmals erweitert, etwa um Streamingdienste, Webradio, das Buchen von Funktions-On-Demand (nachträgliches Freischalten von Funktionen) und die natürliche Sprachsteuerung. Auf "Hey Volkswagen" hört der T6.1 zu. Statt per Display ein Navigationsziel auszuwählen reicht die Ansage "ich möchte nach Amsterdam zum Flughafen" - und der Bulli startet die Navigation.

We Connect

Display mit vielen Funktionen, die auch per Sprachsteuerung aktiviert werden können. Foto: © Martin BärtgesDisplay mit vielen Funktionen, die auch per Sprachsteuerung aktiviert werden können. Foto: © Martin Bärtges

"We Connect" kann im Bulli 6.1 direkt über das Infotainmentsystem genutzt werden. Dazu muss sich der Fahrer lediglich einmal im Ecosystem von "Volkswagen We" anmelden. Dort bekommt er seine "Volkswagen ID", mit der er auf die mobilen Online-Dienste von "We Connect" oder "We Connect Plus" zugreifen kann. Zu den Funktionen von "We Connect" zählen beispielsweise die Personalisierung, das Notrufsystem eCall und der Pannen- sowie Inforuf, der Fahrzeugstatus, Türen und Licht, die automatische Unfallmeldung, Fahrzeugzustandsbericht und Fahrdaten, die Parkposition oder die Planung von Service-Terminen.

"We Connect Plus" bietet darüber hinaus weitere Funktionen wie die Gebiets- und Geschwindigkeitsbenachrichtigung, die Online-Diebstahlwarnanlage und die Online-Standheizung, Ver- und Entriegeln, Online-Verkehrs- plus Gefahreninformation, Online-Routenberechnung, Tankstellen und Ladestationen, Parkplätze, Online-Sprachbedienung sowie  Webradio und WLAN-Hotspot. Als optionales Paket können mit "We Connect Fleet" Features für das Fuhrpark-Management wie das digitale Fahrten- und Tankbuch, Verbrauchsanalyse und Fahreffizienz, GPS-Ortung und Routenverlauf oder das Wartungsmanagement genutzt werden.

Fahrkomfort wie ein PKW

Der Transporter 6.1 fährt sich wie ein Pkw. Mit den 150 Pferdchen unter der Motorhaube lässt er sich sogar durchaus flott bewegen, die Federung ist dennoch komfortabel. Der Kraftstoffverbrauch liegt bei acht bis neun Litern für 100 Kilometer Fahrstrecke.

Die aufgeräumte Fahrerkabine bietet ausreichend Platz für drei Personen und zahlreiche praktische Ablagen, die Ergonomie ist auf Anhieb passend. Der Bulli ist kompakt in seinen Außenabmessungen, handlich und wendig und schafft reichlich was weg. Seine zahlreichen Assistenzsysteme sorgen für Komfort und Sicherheit in einem bisher im Transporter-Segment nicht gekannten Maße. Ganz klar, der VW Transporter 6.1 ist in der Klasse bis rund eine Tonne Nutzlast aktuell eindeutig der Maßstab, an dem sich seine Wettbewerber messen lassen müssen.

Er hat allerdings auch seinen Preis. Ab 27.358 Euro ist der Transporter 6.1 zu haben, in der Einstiegsversion als "EcoProfi" mit 66 kW / 90 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe. Für den Testwagen mit dem 110 kW / 150 PS starken Motor und dem Sechsgang-Schaltgetriebe liegt der Grundpreis bei annähernd 37.000 Euro, mit etlichen Extras - wie Discover Media Navigationssystem, Park- und Front-Assist und dem Multifunktions-Lenkrad - kommt das Fahrzeug auf einen Endpreis von 48.659 Euro. Der erfahrungsgemäß gute Wiederverkaufswert mindert den Schmerz beim Blick in die Preisliste ein wenig.

Weitere FahrberichteFahrbericht Renault Trafic L2H1 lesen oder Video-Fahrbericht anschauen!
Fahrbericht VW California 600 lesen oder Video-Fahrbericht anschauen
Fahrbericht Toyota Proace City Duty lesen oder Video-Fahrbericht anschauen
Fahrbericht Fiat Ducato lesen oder Video-Fahrbericht anschauen!
Fahrbericht Mercedes-Benz eVito Tourer lesen oder Video-Fahrbericht anschauen
Fahrbericht Dacia Dokker Express lesen oder Video-Fahrbericht anschauen

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: