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Vielversprechende digitale Projekte im Handwerk

Im Handwerk gibt es bereits "vielversprechende Projekte", bei denen digitale Medien in der Aus- und Weiterbildung zum Einsatz kommen. Der ZDH stellt einige davon vor.

Wo digitale Medien Arbeitsmittel sind, ist der Umgang mit ihnen in den Ausbildungsbetrieben und Bildungsstätten des Handwerks selbstverständlicher Lerngegenstand, stellt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fest. So werden beispielsweise im Kfz-, Elektro- und Heizungsbauerhandwerk längst verschiedene Diagnose-Tools verwendet oder digitale Aufmaße und computergestützte technische Zeichnungen (CAD) erstellt.

Der Umgang hiermit werde in der beruflichen Ausbildung erlernt. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, passen die Sozialpartner die Ausbildungsordnungen kontinuierlich und zeitnah an neue digitalisierungsspezifische Anforderungen an. Allein im vergangenen Jahr wurden sechs Ausbildungsberufe des Handwerks modernisiert.

Vielversprechende Projekte im Handwerk

Aus Sicht des ZDH gibt es zahlreiche Beispiele, wie digitale Medien in der Aus- und Weiterbildung zum Einsatz kommen. Eine der neuen Möglichkeiten der Digitalisierung im Bereich der beruflichen Erstausbildung bestehe etwa darin, die drei Lernorte Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Bildungsstätten und die Auszubildenden besser zu vernetzen.

Als weitere, "vielversprechende Projekte" nennt der ZDH das "Kompetenzorientierte Lernen im Arbeitsprozess mit digitalen Medien" (KOLA) der Handwerkskammer des Saarlandes, das Online-Berichtsheft Blok, eine Lernplattform des Druckhandwerks, mit der sich die Auszubildenden etwa auf ihre Prüfungen vorbereiten können, die Europäische Bauinitiative "Build Up Skills", bei der ein Online-Lernmodul zur Gewerkekooperation bei energetischen Bau- und Sanierungsprozessen entwickelt worden ist oder die Lernbegleiter-App für die Fortbildung zum Gebäudeenergieberater (HWK), welche die Handwerkskammer Berlin gegenwärtig testet.

Örtliche und zeitliche Flexibilität beim Lernen

Digitale Medien eignen sich nach Einschätzung des ZDH sehr gut für die Berufsorientierung. So können sich Ausbildungsinteressierte im Internet umfangreich über die vielfältigen Ausbildungsberufe des Handwerks informieren. Des Weiteren können die genannten Tools und auch Lernplattformen wie Moodle und Ilias den "Lernkomfort" erhöhen. "Mit ihnen erübrigt sich zwar nicht das Lernen, es lässt sich aber an verschiedenen Stellen unterstützend respektive attraktiver gestalten."

Ein weiterer Vorteil digitaler Medien sei die örtliche und zeitliche Flexibilität beim Lernen. "Wenn Auszubildende auf dem Weg zur Baustelle oder zur Berufsschule auf ihre Lernunterlagen per Smartphone zugreifen und zeitliche Fenster in Lernphasen umwandeln können, oder wenn voll im Beruf stehende Handwerker ihre Selbstlernphasen für berufliche Fortbildungen digital gestützt optimieren können, dann erhöht dies auch die Attraktivität der beruflichen Bildung insgesamt."

Technischen Voraussetzungen müssen stimmen

Damit digitale Medien vermehrt eingesetzt werden können, müssen die technischen Voraussetzungen stimmen. Um Lernvideos zu schauen oder um auf Lernmaterialien wie ePaper oder Arbeitsblätter zuzugreifen, wird eine schnelle und stabile Internetverbindung benötigt. "Mindestens die Beruflichen Schulen und die Bildungs- und Kompetenzzentren des Handwerks sollten daher flächendeckend mit schnellem W-LAN ausgestattet sein", fordert der ZDH. Die Berufsbildungszentren sollten auch sonst über die neueste digitale Technik verfügen.

Das erfordert für den ZDH ein Bekenntnis der Politik, diese zeitgemäße Ausstattung auch finanziell stärker zu fördern. Darüber hinaus müssen Lehrer und Ausbilder im Umgang mit digitalen Medien und deren Nutzung im Lehr-Lern-Prozess weiter qualifiziert werden. Die Handwerkskammer Dresden führt beispielsweise gegenwärtig erstmalig eine Weiterbildung namens "medienBAR" durch. Dabei wird das Ausbildungspersonal sowohl zur Nutzung und zum Lernen mit digitalen Medien als auch zum Einsatz digitaler Medien in pädagogischen Kontexten der Berufsausbildung befähigt.

Bei aller Euphorie in Sachen Digitalisierung: Der Einsatz digitaler Medien sollte kein "Selbstzweck" sein, warnt der ZDH. Was technisch machbar sei, müsse nicht zwangsläufig didaktisch sinnvoll sein. Die handlungsleitende Frage für den richtigen Medienmix sollte stets lauten: Wie lässt sich das definierte Lernziel bestmöglich erreichen? "Digitale Medien eröffnen hier an vielen Stellen neue Möglichkeiten. Je nach Lernziel und je nach Lernendem können gleichwohl auch nicht-digitale Methoden weiterhin die bessere Alternative darstellen."

Text: / handwerksblatt.de

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