Das E-Learning macht Lernen flexibler. Auf die Inhalte kann im Büro, bei der Bahnfahrt oder von zu Hause aus zugegriffen werden.

Das E-Learning macht Lernen flexibler. Auf die Inhalte kann im Büro, bei der Bahnfahrt oder von zu Hause aus zugegriffen werden. (Foto: © georgejmclittle /123RF.com)

Handwerk 4.0: Mitarbeiter gezielt weiterbilden mit E-Learning

Mit individuellen Schulungsangeboten können Handwerksbetriebe ihre Mitarbeiter gezielt fördern. ­Besonders beliebt sind Maßnahmen aus dem Bereich E-Learning. Doch wie können Betriebe mit der neuen Form des Lernens Zeit und Geld sparen?

Und was sind die Vorteile für Mitarbeiter? Zur Erweiterung des eigenen Wissens muss heute niemand mehr die Schulbank drücken: Per E-Learning ("elektronisches ­Lernen") werden beliebige Lerninhalte ganz einfach per Internet vermittelt. So können sich Mitarbeiter zum Beispiel Arbeitsschutzmaßnahmen per Video-Tutorial aneignen oder Gesellen gelangen per Mausklick zum Meisterwissen. 

Von E-Learning profitieren Betriebe und Mitarbeiter gleichermaßen: Zum einen entfallen lange Fahrten zur Bildungseinrichtung, denn das Wissen wird vorrangig online vermittelt. So lassen sich Fehlzeiten im Betrieb deutlich reduzieren. Außerdem können Mitarbeiter einfach überall und auch zwischendurch lernen – zum Beispiel in Pausen, unterwegs oder auf dem Weg zur Arbeit. Deshalb legen gerade Auszubildende und junge Fachkräfte besonderen Wert auf eine zeitgemäße Wissensvermittlung per E-Learning. Doch auch für erfahrene Mitarbeiter bietet sich die digitale Form des Lernens an, denn die Halbwertszeit des eigenen Wissens wird immer kürzer. Außerdem sind durch die fortschreitende Digitalisierung ganz neue Kompetenzen gefragt, um effektiver zu arbeiten und moderne Technologien zu nutzen. 

Überschaubare Technik

Zur digitalen Wissensvermittlung gibt es verschiedene Konzepte: Von Online-­Seminaren (Webinare) über Podcasts und Video-Tutorials bis hin zu Blended-Learning-Maßnahmen, die On- und Offline-Unterricht miteinander kombinieren. Die nötige technische Ausstattung ist überschaubar: Zum Abrufen von Online-Inhalten genügt ein einfacher Office-PC, ein Notebook oder – je nach E-Learning-Maßnahme – auch ein Tablet oder Smartphone. Für interaktive Webinare am PC sollten außerdem eine Webcam, Lautsprecher und Mikrofon oder alternativ ein Headset zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird eine stabile Internetanbindung benötigt – am besten mit mindestens sechs Megabit Geschwindigkeit, damit die Datenübertragung nicht zur Geduldsprobe wird.

Checkliste: Voraussetzungen für E-Learning

  • Die Mitarbeiter verfügen über die technische Ausstattung fürs E-Learning: zum Beispiel PC, Notebook oder Tablet/Smartphone plus Internet­anschluss
  • Die Mitarbeiter haben ausreichend Vorwissen und Erfahrung in den Bereichen Computeranwendung, Kommunikation und Selbst­motivation
  • Zeitaufwand und Lernziele für die E-Learning-Maßnahme sind klar vorgegeben
  • Mitarbeiter erhalten konstruktives Feedback über ihre Lernerfolge
  • Bei Rückfragen im Bereich E-Learning steht den Mitarbeitern ein fester Ansprechpartner zur Verfügung
  • Alle geltenden Gesetze sind ­um­fassend ­berücksichtigt, wie die ­DSGVO

Wenn Betriebe die digitale Wissensvermittlung nutzen wollen, gibt es zwei Möglichkeiten: Mit professionellen E-Learning-Angeboten, zum Beispiel von Handwerkskammern oder Zentralfachverbänden, können sich Mitarbeiter gezielt fortbilden und Zertifikate oder Meisterabschlüsse erwerben. Die Kosten variieren je nach Kurs und Länge der Maßnahme. Eine weitere Möglichkeit ist der Aufbau einer eigenen betrieblichen digitalen Lernplattform: Zu diesem Zweck können Unternehmen Lernmanagementsysteme mieten oder kaufen, auf denen dann eigene Lerninhalte abgelegt werden. Entsprechende Inhalte, wie Videos, Tutorials, Anleitungen oder Vorschriften, können Betriebe wahlweise selbst produzieren, bei professionellen Dienstleistern kaufen oder in Auftrag geben. 

Checkliste: Qualitätskriterien für E-Learning-Angebote

  • Informationen: Welche fachlichen Vo­raussetzungen müssen Teilnehmer ­mitbringen? Gibt es klare An­gaben zu Inhalten, Zielen, technischen ­Voraussetzungen, Kosten und Dauer der ­Weiter­bildungs­maßnahme? 
  • Standards: Über welche ­Qualifikationen ­verfügen die Lehrkräfte? Liegt eine ­Zulassung laut Fernunterrichtsschutzgesetz (­FernUSG) vor? Wird die DIN-Norm ISO 29990 (­Qualitätsmanagementsystem für Bildungs­träger) eingehalten?
  • Vorab-Test: Können Ihre Mitarbeiter die Lernsoftware/-plattform vorab testen, um technische Probleme auszuschließen?
  • Betreuung: Wie realisiert der An­bieter die Betreuung der Lernenden, zum Beispiel per ­Videokonferenz, Chat oder E-Mail? Gibt es einen persönlichen ­Ansprech­partner?
  • Online-Austausch: Können sich die ­Teilnehmer bei Fragen oder für gemeinsame Lernerfolge untereinander ­austauschen, zum Beispiel in Foren oder Chats?
  • Ziele: Wie erfolgt eine Überprüfung des ­Lernerfolgs? Welcher Abschluss/welches Zertifikat wird durch die E-Learning-Maßnahme erworben? Wie sieht die ­Abschlussprüfung aus? Sind Kosten für Prüfung und/oder Zertifikat bereits ­inbegriffen?
  • Hilfe: Gibt es einen Support bei ­technischen Problemen?
  • AGB/Kündigungen: Können Ihre ­Mitarbeiter vom Vertrag zurück­treten, wenn diese nach kurzer Zeit merken, dass die Erwartungen an die E-Learning-Maßnahme nicht ­erfüllt werden?

Beim Lernen der selbst hinterlegten Inhalte winkt den eigenen Mitarbeitern zwar kein offizieller Abschluss, dafür erhalten sie aber wichtige Informationen, die für ihren Arbeitsbereich relevant sind. Die Möglichkeiten reichen von der Einweisung neuer Mitarbeiter über Tutorials zu Arbeitstechniken bis hin zu Anleitungen zur Bedienung von Werkzeugen und Maschinen. Oft legen Betriebe auf den Lernplattformen auch wichtige Gesetze und Vorschriften ab, zum Beispiel zum Bereich Arbeitsschutz oder DSGVO. Zur Prüfung des Lernerfolgs sind auch abschließende Online-Tests möglich, zum Beispiel per Multiple-Choice-Antworten oder über freie Eingabefelder, in denen Mitarbeiter ihre Antworten frei formulieren können.

Förderprogramme und Beratung

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Rahmen der "Nationalen Weiterbildungsstrategie" verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen, die Unternehmen und Arbeitnehmer unterstützen, zum Beispiel durch die anteilige Übernahme von Lehrgangskosten oder Arbeitsentgeltzuschüsse. Aktuelle Informationen gibt es online nach einem Klick auf "Ausbildungsförderung" oder "Weiterbildungsförderung". Detaillierte Beratungen zu Weiterbildungsmaßahmen und Fördermöglichkeiten erhalten Betriebe unter anderem bei Handwerkskammern und Fachverbänden.

Ausgewählte Anbieter von E-Learning-Maßnahmen im Handwerk

  Handwerkskammern Zentralfach­verbände Web Kolleg NRW Die Handwerksschule Fleischer.training IKZ Select Verlagsanstalt Handwerk GmbH
Angebot Beratungen, eigene E-Learning-Angebote, Empfehlungen und ­Fördermöglichkeiten Beratungen, eigene E-Learning-Angebote, Empfehlungen und ­Fördermöglichkeiten Prüfungsvorbereitungen und Kurse im Handwerk Aus- und Weiterbildung für Energieberater und ­Schornsteinfeger Online-Lernportal für das ­Fleischerhandwerk Webinare zu Themen aus der SHK-Branche Lernportal für Nutzer des Lehrbuchs Sackmann III und IV, Übungen, Tests, Videos zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung
Internet Link Link Link Link Link Link Link

Tabelle: Stand 10. Juni 2020. Alle Angaben ohne Gewähr.

Ausgewählte Lernplattformen für E-Learning-Projekte

  Blink.it Moodle Weka E-Learning
Angebot Lernplattform zur ­Gestaltung eigener ­digitaler Lerninhalte oder Online-Kurse Lernplattform zur ­Gestaltung eigener ­Online-Lernseiten Lernmanagementsysteme, ­individuelle E-Learning-­Konzepte und Lerninhalte für Unternehmen und Verbände
Preis auf Anfrage kostenlos auf Anfrage
Internet Link Link Link

Tabelle: Stand 10. Juni 2020. Alle Angaben ohne Gewähr.

Text: / handwerksblatt.de

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