Die meisten  Betriebe im  Handwerk verfügen bereits über eine  eigene Website und sind damit  jederzeit für Kunden präsent.

Die meisten Betriebe im Handwerk verfügen bereits über eine eigene Website und sind damit jederzeit für Kunden präsent. (Foto: © rh2010/123RF.com)

Handwerksbetriebe nutzen digitale Technologien

Die Digitalisierung im Handwerk kommt voran. Laut einer aktuellen Studie setzt mittlerweile mehr als jeder zweite Betrieb auf digitale Technologien und Anwendungen. Gleichzeitig bleibt die Fachkräftesicherung eine Herausforderung: Es fehlen vor allem Mitarbeiter mit Digitalkompetenz.

Das Handwerk in Deutschland wird digital: 53 Prozent aller Betriebe nutzen bereits digitale Technik. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die der Digitalverband Bitkom und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin vorstellten. Die Verbreitung einzelner Anwendungen ist allerdings noch ausbaufähig: Am häufigsten eingesetzt wird Cloud-Computing (27 Prozent), auf Platz zwei und drei folgen smarte Software (13 Prozent) und Trackingsysteme (12 Prozent).

Jeder zehnte Betrieb setzt auf vorausschauende Wartungssysteme, bei denen mittels Sensoren und Datenanalysen drohende Anlagenausfälle frühzeitig erkannt werden können. "Es gibt inzwischen viele positive Beispiele dafür, wie die Digitalisierung erfolgreich im Handwerk umgesetzt wird", erklärt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte. "Wichtig ist, dass sich alle Betriebe mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, um auch künftig am Markt bestehen zu können."

Digitalisierung als Chance

Grundsätzlich steht das Handwerk in Deutschland der Digitalisierung aufgeschlossen gegenüber: 66 Prozent der Betriebe sehen Digitalisierung als Chance. 54 Prozent sehen diese sogar als existenzsichernd für das eigene Unternehmen an. Doch der Weg ist für viele nicht leicht: 56 Prozent der Handwerksbetriebe betrachten die Digitalisierung als Herausforderung, 36 Prozent haben bei der Umsetzung im eigenen Unternehmen sogar Probleme.

Außerdem gibt es Kritiker: 13 Prozent sehen Digitalisierung als Risiko. In vielen Betrieben überwiegen jedoch die positiven Faktoren: Bei 19 Prozent hatte die Digitalisierung sogar Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell, rund 21 Prozent bieten neue Produkte und Dienstleistungen an. ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte sieht hier allerdings noch großes Potenzial: "Die Unternehmen können ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung auf ganz neue Weise anbieten. Dadurch werden sie nicht nur serviceorientierter, sie bleiben vor allem wettbewerbsfähig." 

Doch es gibt auch Bereiche, in denen das Handwerk digital gut aufgestellt ist: 97 Prozent der Betriebe verfügen bereits über eine eigene Website, außerdem sind 84 Prozent in digitalen Verzeichnissen wie Google Maps oder werliefertwas.de zu finden. Soziale Netzwerke wie Pinterest, Facebook, Instagram oder YouTube werden hingegen erst von 30 Prozent der Betriebe genutzt. Und nur 23 Prozent sind bei Bewertungsplattformen gelistet. Bei Auftragsplattformen wie MyHammer oder Treatwell ist aktuell jeder sechste Betrieb aktiv.

"Die Digitalisierung verändert nicht nur das Handwerk, sie verändert auch die Anforderungen und Wünsche der Kunden, die mit ihrem Smartphone immer und überall online sind", erläutert Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. "Darauf müssen sich die Betriebe einstellen, indem sie auf allen relevanten Kanälen erreichbar sind." Zu den größten Bremsen der Digitalisierung zählen für 76 Prozent der Betriebe zurzeit die Investitionskosten. Dahinter folgen die Sorge um IT- und Datensicherheit (74 Prozent), mangelnde Digitalkompetenz der Mitarbeiter (65 Prozent) und eine unzureichende Internetversorgung (53 Prozent). 

Dringend gesucht: Digitalkompetenz

Die größte Herausforderung ist für viele Betriebe aktuell der Fachkräftemangel: 72 Prozent haben Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Dabei wünschen sich Chefs außerdem mehr Digitalkompetenz: Rund 45 Prozent sehen bei ihren derzeitigen Mitarbeitern in diesem Bereich Entwicklungspotenzial, wohingegen 34 Prozent sofort mehr Angestellte mit digitalen Kompetenzen benötigen würden. Karl-Sebastian Schulte: "Die Digitalisierung verändert auch das Arbeitsumfeld im Handwerk. Neue Berufszweige entstehen, bestehende Berufe verändern sich. Dem müssen wir Rechnung tragen und digitale Aspekte in der Ausbildung stärker in den Fokus rücken." 

 

Hintergrund: Für die Studie wurden 502 Geschäftsführer und Mitglieder der Unternehmensleitung von Handwerksunternehmen ab einem Mitarbeiter befragt. Weitere Zahlen und Grafiken stellt das ZDH online zum Download bereit.

Text: / handwerksblatt.de

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