Niklas Koop gefällt die Arbeit auf der Baustellen und in der Werkstatt besser als das stupide Sitzen in der Schule.

Niklas Koop gefällt die Arbeit auf der Baustellen und in der Werkstatt besser als das stupide Sitzen in der Schule. (Foto: © Frank Homann)

Weg vom Stift, hin zum Stuckeisen

Nach der Fachhochschulreife hatte Niklas Koop genug vom Schulalltag. Über das zwölfmonatige Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege hat er seinen Traumberuf als Stuckateur gefunden.


Da ist es. Das Leuchten in den Augen, von dem jeder Ausbilder träumt. Wenn Niklas Koop über seine Arbeit spricht, strahlt das ganze Gesicht. Er schwärmt von den schönen Details, die zum Vorschein kommen, wenn er in der Werkstatt an einem alten Stuckelement den Schmutz und die Farbe entfernen darf. Er freut sich darüber, dass ihm der Altgeselle viele Tricks und Kniffe zeigt, die ein Handwerker in der Denkmalpflege braucht. Und voller Stolz erinnert sich der junge Bonner daran, wie er auf Montage in Göttingen seine erste Silikonform für Zierleisten angefertigt hat. "Nach einem Jahr dürfte Niklas schon weiter sein als mancher Stuckateur-Auszubildende im dritten", sagt sein künftiger Chef Michael Christmann, denn noch ist Niklas Koop eine Art freundliche Leihgabe.

Etwas Praktisches sollte es sein

Sie kommt von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd), bei denen der 20-Jährige bis Ende August sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolviert. Nachdem Niklas Koop die elfte Klasse mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife beendet hatte, wusste er zunächst nur eines: "Ich habe nicht mehr so den Sinn darin gesehen, weiter in der Schule zu sitzen." Etwas Praktisches sollte es sein. Etwas, bei dem Ergebnisse nicht ewig auf sich warten lassen – so wie er es beim Betriebspraktikum in einer IT-Firma erlebt hatte.

Seine Mutter hatte von den Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gehört, die in Trägerschaft der ijgd sind. Ein kurzer Imagefilm im Internet machte ihn neugierig. Er ließ sich eine Liste mit Einsatzorten zuschicken. Seine Wahl fiel auf die Firma Stuck Belz.

Bewerber einen Tag zum Probearbeiten eingeladen

Alle vier Bewerber hat Inhaber Michael Christmann für einen Tag zum Probearbeiten eingeladen. Nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern machte Niklas Koop das Rennen. "Das Feedback ist bei ihm ausführlicher als bei den anderen ausgefallen. Sie haben Niklas als außerordentlich aufmerksam bezeichnet, der sofort gesehen hat, wo es noch etwas zu tun gibt", erinnert sich der Stuckateurmeister. Der positive Eindruck beruhte auf Gegenseitigkeit. "Der Probetag hat mir megagut gefallen. Stuck sieht einfach megaschön aus", fasst Niklas Koop überschwänglich die ersten Eindrücke zusammen. Und die anfängliche Begeisterung hält an. Nach zwei, drei Monaten steht für ihn fest, dass er die Ausbildung bei Stuck Belz machen möchte – sehr zur Freude von Michael Christmann.

Freiwilliges Soziales Jahr als Einstieg ins Handwerk

"Das Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege ist super. Einen besseren Einstieg ins Handwerk kann man sich kaum wünschen", meint der Stuckateurmeister. Einen besseren Einstieg hätte es aber auch für ihn nicht geben können. Niklas Koop ist der erste FSJ-Teilnehmer, den der Bonner Betrieb, der 80 Prozent des Umsatzes in der Denkmalpflege erwirtschaftet, betreut. Die ijgd hatten Stuck Belz vor einem Jahr als potenziellen Einsatzort ins Auge gefasst. Dass Michael Christmann regelmäßig über seine aktuellen Projekte bloggt und den Facebook-Auftritt der Firma mit Fotos und Texten füttert, dürfte die Neugier der Denkmalschützer geweckt haben.

Anfang September startet Niklas Koop in die Stuckateur-Lehre. Dann könnte der nächste FSJ-Teilnehmer beginnen. Die erste Bewerbung hat Michael Christmann schon bekommen. Vielleicht ist beim zweiten Durchgang wieder ein Niklas dabei.

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: