Den Meister als anspruchsvollen Bildungsabschluss nur mit "Junior Professional" zu bezeichnen, wertet die Meisterausbildung eindeutig ab. Der BWHT lehnt die von zwei baden-württembergischen Ministerien vorgeschlagenen Bezeichnungen "Junior Professional" und "Senior Professional" kategorisch ab. (Foto: © Elena Nichizhenova/123RF.com)

Junior oder Senior Professional? Bloß nicht!

Es ist geplant, dass sich Meister künftig auch "Bachelor Professional" nennen dürfen. Eine Ergänzung wie "Junior Professional" lehnt der Handwerkstag in Baden-Württemberg kategorisch ab.

Zurzeit wird das Berufsbildungsgesetz (BBiG) modernisiert. Ein wichtiger Teil der Novelle ist die Einführung ergänzender Berufsbezeichnungen. Abschlüsse wie der Meister sollen den Zusatz "Bachelor Professional" tragen dürfen. Für Fortbildungen auf dem Niveau des Betriebswirts ist außerdem die Bezeichnung "Master Professional" vorgesehen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will damit die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium verdeutlichen. "Weil die Bezeichnungen international verständlich sind, fördern sie die Mobilität für berufliche Aufsteigerinnen und Aufsteiger", argumentiert sie. 

Abwertung der Meisterausbildung?

Wichtige Infos zur BBiG-NovelleEin Vorstoß der baden-württembergischen Ministerien für Kultus und Wissenschaft geht dem Handwerk im Ländle deutlich zu weit. Sie wollen diese "in langen Beratungsprozessen gefundenen Begriffe nun durch 'Junior Professional‘ und 'Senior Professional‘" ergänzen. "Damit es international vergleichbarer wird, haben wir uns für die zusätzlichen Bezeichnungen 'Bachelor Professional‘ und 'Master Professional‘ ausgesprochen", erklärt der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT), Rainer Reichhold. Den Meister als anspruchsvollen Bildungsabschluss nur mit "Junior Professional" zu bezeichnen, wertet die Meisterausbildung aus seiner Sicht aber eindeutig ab.

Unübersichtlich und verwirrend

Auch der Mehrwert einer besseren Vergleichbarkeit beruflicher und akademischer Bildungsabschlüsse sei hier nicht mehr gegeben, weil die bekannten Begriffe "Bachelor" und "Master" wegfallen würden. Stattdessen würden neue und in keiner Weise etablierte Bezeichnungen eingeführt, die zu einer weiteren Unübersichtlichkeit von Berufsbezeichnungen führen und Verwirrung stiften würden. "Von den falschen Vorstellungen, die diese Bezeichnungen bei den Kunden hervorrufen, wollen wir erst gar nicht reden", kritisiert Reichhold. Der BWHT erwarte von der baden-württembergischen Landesregierung, dass sie von ihren Planungen, "Junior/Senior Professionals" einzuführen, Abstand nimmt und dies auch im Bundesrat so durchsetzt. BWHT-Präsident Reichold: "Wir lehnen diese Begriffe kategorisch ab!"

Deutliches Veto vom ZDH

Vorschläge des Bundesrates unter TOP 32"Junior Professional" statt "Bachelor Professional"? "Senior Professional" als Alternative zum "Master Professional"? Nicht mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks! Der ZDH lehnt die Vorschläge der Ländervertreter kategorisch ab. "Das käme einer Abwertung der beruflichen Bildung und ihrer Abschlüsse gleich", bemängelt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Der Bundestag solle sich nicht dem Druck der Akademikerwelt beugen. Dies gelte umso mehr, als Meister und akademischer Bachelor im Deutschen Qualifizierungsrahmen auf einem Niveau eingestuft sind.

"Junior Professional" ist "eine Katastrophe"

Den Handwerksmeister künftig als "Junior Professional" zu bezeichnen, hält der Westdeutsche Handwerkskammertag für "eine Katastrophe". Der Vorschlag des Bundesrates konterkariere sowohl die Ziele der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung als auch die Koalitionsvereinbarungen vieler Landesregierungen. "Die Stärkung der beruflichen Bildung ist ein klar formuliertes Ziel, nicht nur der Regierung in Nordrhein-Westfalen."

Im September geht's weiter

Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz (BBiMoG) haben sich der Bundestag und Bundesrat vor der Sommerpause in erster Lesung beschäftigt. Wie geht es nun weiter? Als nächstes dürfte darüber am 25. September im Bildungsausschuss des Bundestages beraten werden. Die zweite und dritte Lesung des Bundestages könnte für den 24. und 25. Oktober terminiert werden. Am 29. November wäre der Bundesrat an der Reihe. Es ist geplant, dass das Gesetz zum 1. Januar 2020 in Kraft tritt.

Text: / handwerksblatt.de

4 Kommentare

R.

Redaktion

Bachelor/Master Professional Leztendliche Bildungsbewertung ist die Zulassung zu den behördlichen Laufbahnsystemen. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach: D.h. die Zulassung zum gehobenen Dienst für Meister mit Fortbildung z.B. Betriebswirt des Handwerks. Joachim Schroeder


Sehr geehrter Herr Schroeder,

vielen Dank für Ihren Kommentar zu unserem Beitrag.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Redaktion handwerksblatt.de

Unsere Redaktion können Sie auch per Telefon oder E-Mail erreichen: http://www.handwerksblatt.de/kontakt.html

R.

Redaktion

Erst einmal eine schönen guten Tag, und dann zum Thema: gelinde gesagt , es k.zt mich an dass alles immer irgendwie... na nennen wir es mal umgestellt werden muß ( so auch bei unserem Innungszeichen... der letzte M..t). wir haben hier in unserem Heimatland eine lange und altehrwürdige Tradition der Handwerksberufe , in alle Himmelsrichtungen und daß.. ist auch gut so. Auf meinem Meisterbrief aus 1993 ( und dem meines Vaters aus 1977 )steht noch "Elektroinstallateurhandwerksmeister" was für ein schönes Wort !!! und : ...ich bin stolz darauf. Es hat mich viel Zeit, Geld und auch Mühen gekostet bis ich diesen Brief entgegen nehmen konnte. Keine Frage, daß Handwerk scheinbar unter den derzeitigen angehenden Erwachsenen keinen hohen Stellenwert mehr zu haben scheint .. der allgemeinen Politik sei Dank ...aber warum müssen wir jeden Sch...xx mitmachen. Wir .. die Handwerksbetriebe dieses Landes sind die Stütze der Nation, ..ohne uns läuft hier nix. wenn alle Handwerkbetriebe diese Landes komplett für 3-Wochen (Jahresurlaub) die Arbeit nieder legen würden, ...bricht Caos aus. Und : was heißt hier eigentlich... die Zulassung zum gehobenen Dienst für Meister mit Fortbildung z.B. Betriebswirt des Handwerks Handwerksmeister ist kein Beruf... sondern eine Berufung !! in diesem Sinne Handwerksmeister ..bis ins Grab. Bachelor/Master... für mich ein absolutes .. gehrt gar nicht ( no-go) Thomas Stange


Sehr geehrter Herr Stange,

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ST.

Stange Thomas

Erst einmal eine schönen guten Tag, und dann zum Thema: gelinde gesagt , es k.zt mich an dass alles immer irgendwie... na nennen wir es mal umgestellt werden muß ( so auch bei unserem Innungszeichen... der letzte M..t). wir haben hier in unserem Heimatland eine lange und altehrwürdige Tradition der Handwerksberufe , in alle Himmelsrichtungen und daß.. ist auch gut so. Auf meinem Meisterbrief aus 1993 ( und dem meines Vaters aus 1977 )steht noch "Elektroinstallateurhandwerksmeister" was für ein schönes Wort !!! und : ...ich bin stolz darauf. Es hat mich viel Zeit, Geld und auch Mühen gekostet bis ich diesen Brief entgegen nehmen konnte. Keine Frage, daß Handwerk scheinbar unter den derzeitigen angehenden Erwachsenen keinen hohen Stellenwert mehr zu haben scheint .. der allgemeinen Politik sei Dank ...aber warum müssen wir jeden Sch...xx mitmachen. Wir .. die Handwerksbetriebe dieses Landes sind die Stütze der Nation, ..ohne uns läuft hier nix. wenn alle Handwerkbetriebe diese Landes komplett für 3-Wochen (Jahresurlaub) die Arbeit nieder legen würden, ...bricht Caos aus. Und : was heißt hier eigentlich... die Zulassung zum gehobenen Dienst für Meister mit Fortbildung z.B. Betriebswirt des Handwerks Handwerksmeister ist kein Beruf... sondern eine Berufung !! in diesem Sinne Handwerksmeister ..bis ins Grab. Bachelor/Master... für mich ein absolutes .. gehrt gar nicht ( no-go) Thomas Stange

JS.

Joachim Schroeder

Bachelor/Master Professional Leztendliche Bildungsbewertung ist die Zulassung zu den behördlichen Laufbahnsystemen. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach: D.h. die Zulassung zum gehobenen Dienst für Meister mit Fortbildung z.B. Betriebswirt des Handwerks. Joachim Schroeder

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