Messen lohnen sich: Ob als Besucher oder als Aussteller. Hier trifft man die Entscheider und sieht die neuesten Trends der Branche.

Messen: Türöffner zu neuen Märkten

Ob auf Gemeinschaftsständen bei großen Auslandsmessen oder bei Fachmessen im Inland: Aussteller können ihren Messeauftritt fördern lassen. Ein Überblick über die Fördermittel von Bund und Land.

Die Kosten sind überschaubar und der organisatorische Aufwand ist vergleichsweise gering. Handwerksunternehmer können ihre Produkte und Dienstleistungen auf Gemeinschaftsständen bei Messen im In- und Ausland präsentieren. Lesen Sie, wie Bund und Länder Aussteller unterstützen, warum die Außenwirtschafts- und Messeberater der Handwerkskammern wichtige Anlaufstellen sind und warum sich Messen ideal fürs Marketing und die Kundenpflege eignen:

Gemeinsam stark: Die German Pavilions

"German Pavilion" nennt sich der offizielle Gemeinschaftsstand deutscher Unternehmen auf Auslandsmessen. Die Firmen präsentieren dort ihre Produkte und Dienstleistungen unter der Marke "made in Germany". Das Ganze läuft im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundes, bei dem auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Messen beantragt.

Die Unternehmen beteiligen sich dann zu Sonderkonditionen an den Kosten für die Standfläche, bei Bedarf am Standbau und an der Betreuung des Gemeinschaftsstandes. Das ist nicht vergleichbar mit den Kosten und dem Organisationsaufwand, den ein eigener Stand mit sich bringen würde.

Zum Messekalender für das Handwerk 2019

"Die Unternehmen können sich das hohe Ansehen der Marke ,Made in Germany‘ zunutze machen, die im Ausland für Qualität, Engagement, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit steht. Das ist ein wichtiger Türöffner, um sich somit neue Märkte zu erschließen", sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gegenüber dem Handwerksblatt.

"Für einen erfolgreichen Messeauftritt sind allerdings die richtigen Vorüberlegungen, eine gute Organisation und eine gründliche Messenachbearbeitung notwendig. Unterstützung können die Betriebe dabei durch die Messe- und die Auslandsberater an den Handwerkskammern erhalten."  

Ein Beispiel:

Man muss schon ein großes Unternehmen für die Denkmalpflege und Restaurierung betreiben, um einen Messestand auf der Fachmesse "Heritage Preservation International (HPI)" in Shanghai (China) Ende Oktober auf die Beine zu stellen. Man kann sich aber auch an einem vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) initiierten "German Pavilion" beteiligen.

Die Aussteller zahlen dann pro Quadratmeter 240 Euro inklusive Standbau und müssen dafür mindestens neun Quadratmetern buchen. Wer sich selbst um die Standgestaltung kümmern möchte, zahlt 230 Euro pro Quadratmeter und bucht mindestens 50 Quadratmeter.

Das Auslandsmesseprogramm des Bundes für 2020 steht fest. Besondere Aufmerksamkeit kommt wieder der Region Süd-Ost- und Zentral-Asien zu. Fast die Hälfte der geplanten Ausstellungen für 2020 ist für diese Region angedacht. Insgesamt sind 260 Ausstellungsbeteiligungen in 47 Ländern geplant. Das BMWi setzt ein Etat von 42,5 Millionen Euro für 2019 und 45,5 Millionen Euro für 2020 an.

Handwerker und Handwerksorganisationen können sich noch günstiger präsentieren, indem sie am Informationszentrum der Bundesrepublik Deutschland teilnehmen. Das kostet 650 Euro pro Teilnehmer plus der für alle anfallenden Registrierungsgebühr (250 Euro). Dafür bekommt man zwei Quadratmeter Präsentationsfläche für sein Infomaterial. Und man ist vor Ort in China präsent.

Bei der handwerklichen Restaurierung und Denkmalpflege meldet immer der  ZDH in Abstimmung mit den Außenwirtschaftsberatern der Kammern und Fachverbände die German Pavilions an. Das betrifft dann 2019 nicht nur die Messe in Shanghai, sondern auch die "Denkmal" in Moskau und 2020 die "Monumento" in Salzburg.

Spannenes Rahmenprogramm und Betreuung vor Ort

Für die Teilnehmer wird sogar ein Rahmenprogramm organisiert. So wird zum Beispiel ein Empfang durch die deutsche diplomatische Vertretung vor Ort gebucht und es gibt Fachvorträge bei Symposien des Messeveranstalters. Vor Ort werden die German Pavilions dann von Außenwirtschafts- und Messeberatern der Handwerksorganisation oder des ZDH betreut. 

Der ZDH beantragt gerne auch weitere Messen im Rahmen des Auslandsmesseprogramms, bevorzugt im außereuropäischen Ausland. Voraussetzung ist, dass sich mindestens zehn Unternehmen mit Sitz in Deutschland am Gemeinschaftsstand beteiligen.Für Kunsthandwerker und andere Gewerken des Handwerks – von Augenoptik bis Kfz – gibt es ebenfalls interessante Auslandsmessen mit German Pavilions. Aktuell meldet der ZDH zum Beispiel auch Firmengemeinschaftsstände und Sonderschauen für die Messe für Kunsthandwerk und Design New York Now (USA; jährlich im Februar und August), die Interior Lifestyle China in Shanghai, die Interior Lifestyle Tokyo (Japan) und die Integration Moskau (Russland) an.


Gemeinschaftsstände im Inland: Zusammen ist man weniger allein

Voraussetzung für alle Zuschüsse des Bund und der Länder ist unter anderem ein Firmensitz in Deutschland beziehungsweise dem entsprechenden Bundesland. Viele Bundesländer beziehen sich bei ihren Förderprogrammen zudem auf das Programm des Verbands der deutschen Messwirtschaft (AUMA).Wem Shanghai oder New York doch zu weit weg sind, der kann sich auch an Firmen-Gemeinschaftsständen auf Inlandsmessen beteiligen.

In enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Münster koordiniert der ZDH zum Beispiel seit Jahren den Gemeinschaftsstand der handwerklichen Zulieferbetriebe auf der Hannover Messe. Ansprechpartner hier ist der stellvertretende Geschäftsführer der HWK Münster Thomas Melchert.

Gut besuchte Firmengemeinschaftsstände für Handwerksbetriebe aus dem ganzen Land gibt es natürlich auch Jahr für Jahr auf den großen Handwerksmessen wie der "IHM" in München ("Land des Landwerks"), oder der "mitteldeutschen handwerksmesse" in Leipzig.

Förderung der Länder:

Nordrhein-Westfalen:

Das NRW-Wirtschaftsministerium beteiligt sich mit eigenen Landesgemeinschaftsständen auf verschiedenen internationalen Leitmessen in Deutschland, etwa der "bauma", der "IAA" oder der "Hannover Messe". Man will damit kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg ins Messegeschäft erleichtern.

Die Firmen werden an den Kosten pauschal beteiligt. Die Differenz zwischen der Kostenbeteiligung (5.200 Euro netto) und den tatsächlichen Kosten wird als "de-minimis-Beihilfe" gewährt. Für Start-ups gibt es günstigere Konditionen.

Außerdem können kleine und mittlere Unternehmen in NRW eine Förderung über eine Beteiligung am Auslandsmesseprogramm des Landes sowie als eigenständige Kleingruppe beziehen. Koordiniert wird das von der NRW.International GmbH.

Als Kleingruppe gilt ein Zusammenschluss von mindestens drei und höchstens zehn Betrieben. Diese bekommen vom Land bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten für den eigenen Gemeinschaftsstand erstattet. Bei der Partnersuche vermitteln Wirtschaftsverbände und die Kammern. Jedes Unternehmen kann nur einmal im Jahr bis zu 5.000 Euro Förderung beantragen. Insgesamt kann man die Förderung aber dreimal beantragen.

Im Auslandsmesseprogramm NRW 2019 war zum Beispiel Anfang des Jahres die "BouwBeurs", die Fachmesse für Bauwirtschaft in den Niederlanden. Im Oktober wird es eine Messebeteiligung auf einer Fachmesse für Erneuerbare Energien in Japan geben. Die Stände werden den Ausstellern immer schlüsselfertig übergeben, es gibt begleitende Marketingmaßnahmen und einen Dolmetscherdienst.

Nicht förderfähig sind Auslandsmessen, bei denen sich NRW oder der Bund bereits mit einem Gemeinschaftsstand für Unternehmen beteiligen.

www.nrw-international.de/messen

Saarland:

Das Saarland fördert Gemeinschaftsstände auf internationale Leitmessen im Inland und auf grenzüberschreitenden regionalen Ausstellungen. Die Förderung ist speziell auf kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern und einem Umsatz unter 50 Millionen Euro ausgelegt. Als nächstes besteht im September die Möglichkeit, sich am saarländischen Gemeinschaftsstand auf der IAA in Frankfurt zu beteiligen.

Wer zum ersten Mal auf einer Messe im In- und Ausland ausstellt, der kann einen Zuschuss vom Land beantragen, der bis zu 3.000 Euro betragen kann. Voraussetzung ist eine internationale und fachspezifische Ausrichtung der Veranstaltung. Einen Überblick über Fördermöglichkeiten im Saarland ist im Internet zu finden.

www.saaris.de

Rheinland-Pfalz:

Die Innovations- und Strukturbank Rheinland-Pfalz unterstützt Einzelstände von kleinen und mittleren Unternehmen auf Messen im Ausland. Unternehmen können bei einer Teilnahme einen Festbetrag in Höhe von 3.000 Euro innerhalb Europas und 5.000 Euro außerhalb Europas beantragen.

www.isb.rlp.de/foerderung

 

Unterstützung für Gründer

- Die Webseite www.auma.de hält eine Übersicht der Bundes- und Landeszuschüsse bereit.
- Gemeinschaftsstände auf Messen im Ausland werden vom Bund gefördert.
- Für inländische Messen stellen der Bund und Rheinland-Pfalz keine Gelder zur Verfügung.
- Hamburg hat als einziges Bundesland kein Förderprogramm für Messen.
- Alle anderen Bundesländer fördern unter bestimmten Bedingungen die Beteiligung an in- und ausländischen Messen.
Junge und innovative Unternehmen, die noch nicht älter als zehn Jahre sind und weniger als 50 Mitarbeiter haben, können eine Förderung beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) für Gemeinschaftsstände auf inländischen Messen beantragen.

Voraussetzung ist ein Jahresumsatz unter zehn Millionen Euro. Unterstützt werden ausschließlich Unternehmen, die Produkte, Verfahren und Dienstleistungen entwickelt oder wesentlich verbessert haben sowie deren Markteinführung.

Die Standmiete und der Standbau sind bei der ersten und zweiten Teilnahme an einer Messe mit bis zu 60 Prozent förderfähig. Ab der dritten Beteiligung werden noch 50 Prozent bezuschusst und bis maximal 7.500 Euro pro Aussteller und Messe. Dieses Förderprogramm läuft bis 2023.

Teilnahmebedingungen, Förderkonditionen und eine aktuelle Liste mit den Messen, auf denen 2019 geförderte Gemeinschaftsstände geplant sind, unter

www.bafa.de

Text: Melanie Minges und Kirsten Freund

 

Text: / handwerksblatt.de

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