In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Betriebe im Lebensmittelhandwerk um 40 Prozent zurückgegangen.

In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Betriebe im Lebensmittelhandwerk um 40 Prozent zurückgegangen. (Foto: © goodluz/123RF.com)

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Grüne wollen das Lebensmittelhandwerk stärken

Die Bundestagsfraktion der Grünen will das Lebensmittelhandwerk als systemrelevant einstufen – auch für Ernährungssicherheit in Krisen. Außerdem wollen sie kleine Betriebe von Bürokratie entlasten.

Frische Brötchen vom Handwerksbäcker um die Ecke gibt es immer seltener. Die Metzgerei im Ort schließt wegen Nachwuchsmangel. Der Milchviehbetrieb von nebenan ist jetzt abhängig von einer weitentfernten Großmolkerei, weil die letzte Molkerei in der Region dichtgemacht hat. So verändert sich die Struktur in der Lebensmittelverarbeitung – und genau das gefährdet die regionale Versorgung

Handwerksbetriebe in der Lebensmittelverarbeitung sichern eine vielfältige, regionale und krisenfeste Versorgung – vom Acker bis zum Teller. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen setzen viele Betriebe unter Druck, sodass immer mehr Lebensmittelhandwerker aufgeben müssen. Fakt ist: In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Betriebe im Lebensmittelhandwerk um dramatische 40 Prozent zurückgegangen.

Lebensmittelhandwerk als systemrelevant einstufen

Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen will deshalb das Lebensmittelhandwerk stärken, unter anderem, um in Krisenzeiten die Ernährung zu sichern. So steht es in ihrem Antrag (21/6664), den sie am 29. Juni 2026 im Bundestag stellte. Darin fordern die Abgeordneten die Bundesregierung unter anderem auf, das Lebensmittelhandwerk als systemrelevant anzuerkennen, und es zu schützen, indem sichergestellt wird, dass nur Betriebe diesen Begriff verwenden dürfen, die tatsächlich handwerklich produzieren und damit zur Anwendung von regulatorischen Ausnahmen und Bagatellgrenzen berechtigt sind.

Außerdem fordern die Abgeordneten die Bundesregierung auf, bestehende Förderinstrumente auf die Praxistauglichkeit für Kleinst- und Kleinbetriebe zu überprüfen und sich auch auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass Binnenmarkt- und Beihilferegeln so ausgestaltet werden, dass handwerkliche Betriebe und regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden.

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Kleinbetriebe entlasten

Dabei fordern die Grünen, auf bürokratische Anforderungen wie Doppeldokumentationen und -meldungen – etwa bei Kühltemperaturen – zu verzichten. Oder Widersprüche zwischen Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften aufzulösen. Das Prinzip "think small first" soll auch zur Richtschnur für die parlamentarische Arbeit gelten: Gesetzliche Vorgaben und Regelungen sollen bei Einhaltung von Arbeits-, Umwelt-, oder Gesundheitsstandards an die Betriebsgrößen angepasst werden. Nur so könnten die zurzeit übermäßig belasteten Kleinst- und Kleinbetriebe entlastet werden, betont die Fraktion in ihrem Antrag.

Zur Begründung erklärten die Parlamentarier, das Lebensmittelhandwerk erfülle entscheidende Funktionen für die Vielfalt der Ernährungsversorgung: "Wenn etwa für regional erzeugtes Getreide kein Getreidelager in der Region mehr zu finden ist, die Transportwege zur nächsten Mühle zu lang werden oder keine Bäckerei vor Ort mehr Willens oder in der Lage ist, Lebensmittel aus regionalen Rohstoffen herzustellen und zu vermarkten, werden Wertschöpfungsketten zwischen regionaler Landwirtschaft und Verarbeitung unterbrochen, die Nahrungsvielfalt begrenzt und die Nahversorgung bedroht. Die dezentralen Strukturen und Flexibilität werden in geopolitisch angespannten Zeiten und zunehmend hybrider Kriegsführung immer wichtiger."

Quelle: Bundestag 

Antrag der Grünen im Bundestag Hier finden Sie den > Antrag im Wortlaut zum kostenlosen Herunterladen

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Text: / handwerksblatt.de

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