Mögliche Verkaufserlöse sollte man zunächst in Termin- oder Festgeldkonten bei sicheren Finanzinstituten "parken".

Mögliche Verkaufserlöse sollte man zunächst in Termin- oder Festgeldkonten bei sicheren Finanzinstituten "parken". (Foto: © pedrosek/123RF.com)

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Kapitalgewinne vor der Krise retten

Mit welcher Strategie Anleger sich von geopolitischen Entwicklungen an den Geld- und Kapitalmärkten weitgehend unabhängig machen können, erklärt ein Finanzexperte.

Wer glaubte, dass sich zum neuen Jahr in der Zinslandschaft ein wenig mehr Sicherheit einstellen würde, dürfte einmal mehr enttäuscht sein. Im Gegenteil: Die Unsicherheiten an den Geld- und Kapitalmärkten scheinen vor allem wegen der weltpolitischen Lage eher noch zuzunehmen. Es ist daher für Betriebsverantwortliche durchaus sinnvoll, strategische Überlegungen über die weitere Vorgehensweise anzustellen. Vor allem, wenn man als Altersvorsorge oder für den persönlichen Kapitalaufbau in Aktien, Wertpapierfonds oder andere spekulativere Anlageformen investiert hat.

Besonders sollte man – bisherige Gewinne vorausgesetzt – auf die "Glattstellung" achten, also den gewinnbringenden Verkauf zumindest eines Teils dieser Wertpapiere mit anschließendem "Parken" des Geldes auf einem Termin- oder Festgeldkonto. So kann man sich von geopolitischen Entwicklungen weitgehend unabhängig machen. Wie dies im Einzelfall anhand einer strategischen Vorgehensweise geschehen kann, zeigt der folgende Beitrag.

Was sind spekulativen Anlageformen?

Zuerst einmal sollten Anleger individuell definieren, was sie unter spekulativen Anlageformen verstehen. Grundsätzlich gehören dazu Aktien und Investmentfonds, einschließlich Immobilienfonds. Hilfestellung zu einer sachgerechten Beurteilung können die Risikobeurteilungen der Bankinstitute geben. Letztlich ist es aber selbstverständlich der individuellen Risikostruktur des Anlegers vorbehalten, sich hierzu endgültig festzulegen.

Überblick verschaffen

Im nächsten Schritt sind Aufstellungen der verschiedenen zu disponierenden Geldanlagen erforderlich, geordnet nach unterschiedlichen Bankinstituten, Investmentgesellschaften und sonstigen Finanzdienstleistern. Dies kann anhand eigener Fortschreibungen bereits vorhandener Daten ebenso erfolgen wie durch die Informationen der Finanzinstitute selbst.

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Ergänzt werden müssen diese Aufstellungen durch die Wertentwicklungen jeder einzelnen Anlageform, idealerweise seit dem jeweiligen Beginn des ersten angelegten Betrages. Dazu gehören nicht nur die jeweiligen Kursentwicklungen und Ausschüttungen etwa bei Aktienanlagen, sondern auch die Gesamtkosten, die zu einer Reduzierung der Gewinne führen. Im Ergebnis ist somit die Nettorendite nach Abzug sämtlicher Kosten entscheidend. Auch hierzu können die Finanzinstitute Informationen liefern.

Auswahl treffen

Liegen sämtliche Daten vor, beginnt der vielleicht schwierigste Teil: die Auswahl jener Wertpapiere, die tatsächlich verkauft werden sollen und bei denen dadurch angemessene Gewinne gesichert werden können.

Der Ansatz, dass zunächst Investitionen für die Altersvorsorge durch Verkäufe abgesichert werden sollten, dürfte nicht falsch sein. Es wäre fatal, wenn bisher erwirtschaftete Gewinne durch unübersehbare konjunkturelle Entwicklungen förmlich dahinschmelzen und die eigene finanzielle Altersvorsorge erhebliche Beulen bekäme. Hier sollte der Grundsatz "Sicherheit zuerst" gelten.

Sicherheit geht vor!

Aber auch bei Geldanlagen, die "nur" dem allgemeinen Vermögensaufbau dienen, ist in unsicheren Zeiten Vorsicht geboten. Diese häufig zu späteren Konsum- oder Investitionszwecken gebildeten Rücklagen haben auch ihre Berechtigung und sollten ebenfalls einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden.

Weiterhin hängt es von der jeweiligen Interessenlage ab, welcher Anteil spekulativer Anlagen durch Verkäufe glattgestellt werden soll. Anleger, denen etwa weitere Einnahmen wie Mieterträge oder eine zu erwartende Erbschaft zur Verfügung stehen, werden hier sicher anders agieren als Investoren, die später einmal auf jeden Euro angewiesen sind. Im Zweifel sollte also auch hier gelten: Sicherheit geht vor!

Steuern einkalkulieren

Schließlich sollte die bei Verkäufen möglicherweise anfallende Einkommensteuer nicht außer Acht gelassen werden. Hier sollte man eine Steuerberatung hinzuziehen.

Zum Abschluss noch ein deutlicher Hinweis: Es ist dringend davon abzuraten, auch in den kommenden Jahren davon auszugehen, dass sich mögliche Kursgewinne der Vergangenheit fast schon "automatisch" in der Zukunft fortschreiben lassen. Die politische und damit einhergehend die wirtschaftliche Lage hat sich bekanntermaßen weltweit massiv verändert. Auf diese Veränderungen sollten auch und gerade Anleger angemessen reagieren. Wie dies funktionieren kann, wurde hier dargestellt.

Vorsicht vor Kombinationsprodukten!

Mögliche Verkaufserlöse sollte man zunächst in Termin- oder Festgeldkonten bei sicheren Finanzinstituten "parken". Aus Sicht des Autors zählen dazu aber in aller Regel keine sogenannten "Kombinationsprodukte", bei denen ein bestimmter Betrag zwar als Termin- oder Festgeld, ein weiterer Betrag jedoch in einem Investmentfonds anzulegen ist. Diese Produktkombination wirft meist mehrere Fragen auf, mit denen sich Interessierte ausführlich beschäftigen sollten:

  1. Wie hoch sind die Kosten einer solchen Kombination, insbesondere der zu kaufenden Investmentfonds während des zu investierenden Zeitraums? Informationen bietet hierzu die jeweilige Kosteninformation des Anbieters. Dem werden die Zinserträge aus dem Termin- oder Festgeldkonto gegenübergestellt. Ob diese ausreichen, um die Kosten mindestens zu kompensieren, ist keineswegs sicher und daher ebenfalls zu prüfen.

  2. Wenn das jeweilige Termin- oder Festgeldangebot zeitnah befristet ist, besteht darüber hinaus regelmäßig die Gefahr, dass bei Ablauf dieses Anlagezeitraumes unsicher ist, wie der dann gültige Zinssatz tatsächlich aussehen wird. Mit welchen Zinssätzen rechnet der Anleger also nach Ablauf des ursprünglich vereinbarten Anlagezeitraumes?

  3. Investmentfonds bieten grundsätzlich keine Gewinngarantien. Das sollte sich jeder potenzielle Anleger sehr bewusst machen. Es handelt sich also nahezu ausnahmslos um eine spekulative Anlageform, die unter dem Vorbehalt einer möglicherweise jahrelangen Anlagedauer stehen sollte. Auch hier stellt sich also die berechtigte Frage, ob man vornehmlich die Risiken des zweiten Teils dieser Kombinationsprodukte, den Investmentfonds, tatsächlich in Kauf nehmen will.

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Text: / handwerksblatt.de

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