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Eine Ladesäule zu finden, ist dank vieler Apps und Navigationshinweisen kein Problem mehr. Aber eine Garantie, dass sich an ihr ein Elektroauto auch tatsächlich laden lässt, gibt es nicht. (Foto: © nerthuz/123RF.com)

Kein Anschluss an dieser Säule!

Kundennummer nicht erkannt, Störungen, nicht existente oder zugeparkte Säulen: Es ist oft nicht einfach, Strom aus einer Ladesäule zu zapfen.

Die Frage des Kollegen brachte mich in Schwierigkeiten: "Sag mal, wo sind denn die Ladekabel?" Auch eine gemeinsame Suche förderte sie nicht ans Tageslicht – erst ein Anruf in der Presseabteilung half weiter. Sie waren raffiniert unter dem Fahrersitz versteckt. Egal, die Kabel waren da. Dumm nur, dass der Kollege vorher zwischen Köln und Düsseldorf gependelt war, ich dringend weg musste und die Batteriereichweite bei 34 Kilometern stand. Mein simpler Job: Meine Gattin von Düsseldorf bis 14 Uhr zu einem Termin nach Köln zu bringen, eine Strecke von rund 45 Kilometern und damit jenseits der Kapazität.

Meine Strategie schien durchdacht: Ich sammele die Gattin auf, fahre zu Nissan, um meinen e-NV 200 an deren Schnellladestation zu laden. Gedacht, getan, um 11:10 Uhr fuhr ich beim Händler am Höher Weg vor. Doch es gab ein Problem. Nach kurzer Überlegung ("Ladestation? Welche Ladestation? Da war mal was …") fiel den Meistern in der Kfz-Werkstatt ein: Ja, das ist die Ladestation drüben bei der Schwesterfirma Kia. "Aber die ist kaputt, da können Sie nicht laden!" Nach mehreren wortreichen Entschuldigungen verwiesen mich die beiden Nissan-Mitarbeiter an VW: "Sind nur 500 Meter – und die haben auch eine Schnellladestation."

Verfluchte Normen

Kein schlechter Gedanke. Die Distanz hatte ich schnell überbrückt, brauchte aber zehn Minuten, um die Station zu finden und weitere fünf, um von den zuständigen VWlern die Erlaubnis zu ergattern, mit meinem Nissan vorzufahren. Doch ich hatte nicht mit den Normen gerechnet – und hinter meiner schweißnassen Stirn dämmerte erst die Erkenntnis, dass Nissan und VW auf unterschiedliche Stecker setzen, als ich den Wagen anschließen wollte. Keine Chance.

Mittlerweile war die erste Stunde verstrichen, aber das Navi im Nissan verriet mir, dass im 4,4 Kilometer entfernten Aldi-Süd die nächste Schnellladestation auf mich wartete. Gut, die Entfernung war nicht ganz präzise; sie lag bei echten sechs Kilometern – und die Reichweitenanzeige im Nissan verabschiedete sich auf dem Weg dahin mit zwei kleinen Balken, weil der Reichweitenwert unter zehn Kilometer gefallen war. Macht nichts, dachte ich noch, ich stehe ja vor der neuen Zapfsäule. Schön Sonne tanken, wie der Slogan verhieß.

Keine Sonne tanken bei Aldi

Doch statt blinkender Dioden, die den Ladevorgang anzeigen, brach das System den Ladevorgang ab. Biep, biep, biep. Es liegt eine Funktionsstörung vor, hieß es im Display, mit der Bitte, eine 0800er-Nummer zu kontaktieren. Wie sich herausstellte, eine Service-Hotline, die mich in die Warteschleife schickte, ehe ich nach sechs Minuten aufgab. Die Entscheidung war dann schnell gefällt: Fahr an die nächste Ladestation, die nur 2,2 Kilometer entfernt war.

Immerhin lotste mich das Navi souverän zur Stiftung NRW und der grünen Zapfsäule der Stadtwerke Düsseldorf. Mein Bezahlchip, der mir Zugang zum Stromanschluss verschaffen sollte, war schnell vor die Leseeinheit gehalten. Doch statt einer freundlichen Begrüßung hieß es nur: "Kundennummer nicht erkannt." Immerhin, das System bot mir an, per Paypal den Ladevorgang bezahlen zu dürfen. Einfach per QR-Code. Der navigierte mich im Internet durch den Bezahlvorgang, ich landete auf Paypal, versuchte die verlangten 5,70 Euro zu bezahlen – nur um zu erleben, wie der Bezahlvorgang einfach stehen blieb. Gut, auch dafür gibt es eine Hotline, eine kostenpflichtige. Getippt, gewartet und dann das übliche Spiel: "… alle Plätze belegt, haben Sie etwas Geduld. Das System verbindet Sie, sobald ein freier Platz …", flötete mir eine weibliche Stimme ins Ohr.

Dauerschleife in der Hotline

Nach fünf Minuten kam ein Anruf auf meinem Handy, ich musste unterbrechen und startete einen zweiten Anlauf. Doch auch hier erreichte ich nur das Band und ich fühlte mich in eine Endlosschleife versetzt. Derweil pressierte es, schließlich musste die Gattin ja nach Köln.13 Uhr, sagte mir mein Handy, laden dauert auch – so bin ich nicht mehr pünktlich. Per Taxi ging es zum Verlag und nach weiteren 20 Minuten und einer Rechnung von 25 Euro konnten wir aus dem Taxi in einen Verbrenner umsteigen.

Mittlerweile war ich so geladen, dass meine Gattin, die normalerweise ab Tempo 150 mahnt, nicht so schnell zu fahren, sogar bei Tempo 240 nichts sagte und pünktlich in Köln einlief. Ich hingegen war gegen 15 Uhr und 50 Euro ärmer wieder vor der Strom-Zapfsäule. Auch ein neuer Versuch der Chipkarte, Strom zu entlocken, wurde zurückgewiesen. Der nächste Versuch, die Hotline zu erreichen, fand nach 7 Minuten und 24 Sekunden ein Ende, als mich das System selbstständig aus der Warteschleife warf. In Gedanken verwandelte sich mein e-NV 200 in eine Planierraupe, die die Ladestation gnadenlos umfuhr.

Baustelle statt Zapfsäule

Ich warf eine Münze, die mir dann beschied: Fahr die nächste Station an. 800 Meter, sagte das Navi, ich freute mich solange, bis ich auf die angegebene Straße fuhr. Die Stadtwerke hatten die Straße komplett aufgerissen und für den Autoverkehr gesperrt, damit war diese Ladestation unerreichbar. Die nächste Suche im Navi nach einer nahen Säule ergab sieben Treffer – die aber alle die in der Baustellenstraße meinten. Erst die Suche nach weiter entfernten Stationen brachte ein Ergebnis: Ab in die Marc-Chagall-Straße, einem Neubaugebiet. Wieder zwei Kilometer, wieder hartes Nerventraining, wie lange mich noch die Balken anblinkten, bis der Wagen final liegen blieb. Aber der Duracell-Gott meinte es gut mit mir.

Dort hing schon ein Tesla am Strom, während die andere Seite ein Möbelhaus mit seinem Lkw versperrte. Fünf Minuten später war der Lkw verscheucht und ich stand vor der Zapfsäule, wieder die Stadtwerke Düsseldorf. Die Säule erkannte wieder nicht die Kundenkarte, diesmal fehlt auch der QR-Code für einen Paypal-Versuch. Dafür hatte mein Anruf bei der Hotline jetzt Erfolg. Schon nach dem ersten Klingeln hatte ich einen lebenden Mitarbeiter des Energiekonzerns am Ohr. Doch nach Schilderung der Sachlage und einigen Checks hatte die Dame nach 8 Minuten und 21 Sekunden nur noch einen Rat für mich: "Schauen Sie, dass Sie jemand mit einer Kundenkarte finden, wir haben nämlich seit Juli neue Karten, vielleicht kann der Ihnen dann helfen, ich kann es nicht."

Auf zur nächsten Säule

Eine Ladesäule für das E-Auto zu finden, ist nicht schwer. Aber dass sie dann auch funktioniert, dafür gibt es keine Garantie. Foto: © wuk/123RF.comEine Ladesäule für das E-Auto zu finden, ist nicht schwer. Aber dass sie dann auch funktioniert, dafür gibt es keine Garantie. Foto: © wuk/123RF.com

Was mich dazu brachte, weiter auf mein Glück zu vertrauen und die nächste Säule aufzusuchen. Doch an der nächsten Adresse existierte gar keine Säule. Also weiter zur Metro. Noch mal knapp zwei Kilometer Blut und Wasser schwitzen. Immerhin, keine Stadtwerke, sondern eine Station von der Metro in Kooperation mit Innogy. Die verkündete stolz, dass Metro-Kunden kostenlos laden dürfen und sie sich dafür beim Pförtner melden sollten. Nach einer halben Stunde hatte ich endlich einen Pförtner gefunden. Ladestation? Er blickt auf seine Uhr. "Damit haben wir nichts zu tun – und die Leute, die Ihnen helfen können, haben seit 16 Uhr Feierabend."

Zurück zur Säule, es gab ja die Option, ebenfalls per Paypal zu bezahlen, nachdem auch hier die Kundennummer nicht identifizierbar war. Alle gewünschten Daten eingegeben, dann die Meldung: Bezahlart nicht möglich. Okay, schwenken wir auf die App eCharge um, die Möglichkeit stand auch auf der Säule. Zusätzlich zu meinen bisherigen drei die nun vierte App heruntergeladen, Kreditkarteninformationen eingegeben und der QR-Code erkannte tatsächlich die Säule. Sah gut aus, bis auf die Tatsache, dass ich doch nicht mit meiner Kreditkarte zahlen konnte, sondern einen Gutschein-Code eingeben sollte. Den ich natürlich nicht hatte.

Wenigstens das Handy lud schon mal

Das ließ mich dann ziemlich ratlos diesmal die Innogy-Hotline anrufen. Es kam natürlich…alle Plätze belegt und nach zwei Minuten warf mich diesmal mein Handy raus – weil der Akku leer war. 15 Minuten später war ich zu Fuß den Kilometer gegangen und beim Mediamarkt aufgeschlagen, nachdem in der nahen Metro keiner ein iPhone-Ladegerät besaß. Ich kaufte ein Ladegerät und konnte immerhin mein iPhone dort ans Netz hängen. Immerhin, das erste Teil lud schon mal Strom. Eine dreiviertel Stunde später stand ich mit einem zu 25 Prozent geladenen Handy und einem zu 100 Prozent aufgeladenen Fahrer an der Säule. Jetzt klappte auch der Anruf bei der Innogy-Hotline. Fünf Minuten später und nach einem Wechsel an die andere Zapfstelle der Säule – der Wagen konnte tatsächlich keinen Meter mehr fahren – piepte es kurz, der Mensch an der Hotline hatte die Säule freigeschaltet und Strom floss jetzt in die Batterie – um 18:16 Uhr.

Laden ist nicht gleich Tanken, also konnte ich mir die Ladezeit von rund zwei Stunden, solange brauchte die Säule, um eine sichere Reichweite für die Rückfahrt von 77 Kilometern zu erreichen, mit allerlei Bewegung verkürzen. Ein Frustkauf eines Gins, eine Cola, um was zu trinken und etwas Sushi gegen den Hunger. Ich war schließlich seit 11:00 Uhr unterwegs, nur um ein Auto zu laden. Die Überlegung, den Gin zu öffnen, ließ ich dann doch sein. Das habe ich später getan – um 21:30 Uhr, als ich endlich mit dem Stromer zu Hause war. Zwei Tage später erkannte übrigens die Ladestation der Stadtwerke Düsseldorf im Airport Parkhaus die Kundennummer sofort – und ich hatte abends erstmals einen zu 100 Prozent geladenen e-NV 200, was übrigens ein ausgezeichnetes E-Nutzfahrzeug ist. Denn für eine katastrophale Ladeinfrastruktur kann auch das beste E-Auto nichts.

Text: / handwerksblatt.de

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