Kammerpräsident Rudi Müller im Interview (Foto: © Yousef Hakimi – Fotostudio Yaph)

"Handwerk muss sich gut aufstellen"

Im Dezember wurde Kammerpräsident Rudi Müller von der Vollversammlung für eine vierte Amtszeit wiedergewählt.

Kammerpräsident Rudi Müller geht in seine vierte Amtszeit. Die Vollversammlung wählte ihn im Dezember wieder. Im Gespräch mit dem DHB beleuchtet er, was das regionale Handwerk derzeit bewegt.

DHB: Wie ist das Handwerk in der Region zum Jahresbeginn 2020 aufgestellt?
Müller: Der Stellenwert des Handwerks in der Gesellschaft steigt weiter an. Ein wichtiges politisches Signal ist die Rückvermeisterung von zwölf Berufen. Die Auftragslage ist bei den meisten Betrieben gut. Aber der Fachkräftemangel setzt die Betriebe unter Druck. Vor allem Gesellen und Lehrlinge fehlen.

DHB: Was sollten die Betriebe jetzt also tun?
Müller: Sie müssen sich als attraktive Arbeitgeber und Ausbilder präsentieren. Es gilt, sich modern und familienfreundlich aufzustellen und gegenüber Mitarbeitern Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört auch eine gute Bezahlung. Bei der Personalsuche müssen wir neue Wege gehen und zum Beispiel die klassische Stellenanzeige mit Facebook, Youtube und Instagram kombinieren. Darüber hinaus müssen wir bisher oft verpasste Gelegenheiten ergreifen: etwa das Praktikum als Chance nutzen, die Mädchen und Jungen für den Beruf und den eigenen Betrieb zu begeistern. Stärker bemühen sollten wir uns außerdem um ältere Mitarbeiter und Migranten.

DHB: Welche Rolle spielt das neue Berufsbildungszentrum bei der Fachkräftesicherung?
Müller: Das ist unser wichtigster Beitrag! Die berufliche Bildung ist der entscheidende Weg, um die Unterversorgung der Wirtschaft mit Fachkräften anzugehen. Mit unserem neuen Zentrum haben wir die besten Voraussetzungen für eine Aus- und Weiterbildung sowie Meisterkurse auf dem neuesten Stand geschaffen. Diese Chance müssen wir nutzen! Auch die Kreishandwerkerschaften, Innungen und Fachverbände sind aufgerufen, das neue BTZ mit Leben zu füllen und dort Bildungsmaßnahmen und Unternehmerabende auf die Beine zu stellen. Alle müssen sich hier einbringen: Das neue Handwerkszentrum haben wir nicht für die Kammer gebaut, sondern für das gesamte Handwerk in unserer Region.

DHB: Ist der Umzug ins neue BTZ schon abgeschlossen? Wie ist der Stand der Dinge?
Müller: Alle Gewerke sind inzwischen im Neubau. Einzelne Baumaßnahmen laufen aber noch. In den nächsten Monaten steht der Abriss des alten Zentrums an. Eine große Einweihung mit vielen Aktionen in Kooperation mit unseren Partnern aus dem Handwerk ist in der Woche vom 14. bis 20. September vorgesehen. Unter dem Motto "Faszination Handwerk" wollen wir unsere Betriebe, ihre Mitarbeiter und die Öffentlichkeit im neuen Treffpunkt des Handwerks begeistern.

DHB: Mit welchen Themen beschäftigt sich das Handwerk außerdem?
Müller: Der Klimaschutz und die Energiewende werden immer wichtiger. Das Handwerk führt die dafür erforderlichen Investitionen aus. Das bringt zukunftssichere Arbeitsplätze für eine gute Sache. Gleichzeitig sind die Betriebe in der Pflicht, auch im eigenen Unternehmen umweltschonend zu handeln. Ein Megatrend ist die Digitalisierung. Wer sich hier qualifiziert und für die neuen Techniken öffnet, verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit. Das reicht von der Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern über die Produktion bis hin zur Verwaltung und zum Rechnungswesen. Alle Bereiche sind im digitalen Wandel.

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Text: / handwerksblatt.de

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