Handwerk

Fabian Kortwittenborg (r.) mit seinen Mitarbeitern und den individuell gestalteten Fahrradrahmen aus seiner Manufaktur Foto: Andreas Buck

Fahrradrahmen ganz nach Maß

Panorama

Ein junger Zweiradmechanikermeister baut in Dortmund individuelle Fahrradrahmen. Inzwischen sind sogar einige große Industriefirmen aufmerksam geworden und lassen bei ihm Prototypen fertigen.


Ein Meisterstück zum Niederknien – im wahrsten Sinne. Denn das raketenförmige Werkstück von Zweiradmechanikermeister Fabian Kortwittenborg ist ein Knie-Fahrrad. In rund 40 Stunden Planung und Bau hat es der 24-Jährige geschaffen. Der Fahrer steigt mit den Füßen zuerst in eine Art Trichter, hockt sich dann auf die Knie und bewegt die vor ihm liegenden Pedale mit den Händen. Sieht unbequem aus, ist es aber nur auf längeren Strecken. Dafür sind die Modelle des Fahrradexperten auch nicht gedacht. Die Spezialanfertigungen helfen zum Beispiel Querschnittsgelähmten, die ihre Beine nicht mehr bewegen können.

Als sich Kortwittenborg vor einem Jahr selbstständig machte, waren diese selbstkonstruierten und gebauten Adaptivbikes – motorgetriebene Fahrhilfen für Rollstuhlfahrer – noch seine wichtigste Spezialität. Inzwischen baut der kleine Handwerksbetrieb im Dortmunder Norden auch Prototypen für die Großen in der Fahrrad-Industrie. So viel Originalität wurde bereits 2013 honoriert: Die „F&A Manufaktur" gewann in diesem Jahr auf Anhieb den „start2grow"-Gründungswettbewerb der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Wer die Manufaktur in Dortmund-Körne betritt, staunt über meterlange, glänzende Alurohre in verschiedenen Durchmessern, Wandstärken und Legierungen. Sie sind das Rohmaterial, aus dem individuelle Fahrradträume gefertigt werden. Kortwittenborg hat es vor allem die sogenannte 7020er-Legierung angetan: „Die wird auch im Flugzeugbau verwendet und ist das härteste Aluminium, das man schweißen kann", erklärt er mit glänzenden Augen. Aluminium-Rahmen für Fahrräder in Handarbeit bauen in ganz Deutschland nur eine Handvoll Betriebe.

Mit Axel Rickel (37), Betriebswirt und nach eigenem Bekunden „Mädchen für alles", hat Kortwittenborg einen kaufmännisch versierten Fahrradkenner an seiner Seite. Rickel ist seit vielen Jahren in der Branche unterwegs und vertreibt unter anderem Lastenräder.
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Haupt-Zielgruppe der F&A Manufaktur sind Kunden, die sich ihr Fahrrad nach Maß bauen lassen wollen – ganz gleich, ob es sich dabei um ein Rennrad, ein Mountainbike oder ein Reiserad handelt. Der potenzielle Fahrrad-Besitzer wird vermessen und nach seinen Wünschen in Sachen Einsatzzweck, Anbauteile und Extras befragt. Auf Basis dieser Daten sucht Kortwittenborg die passenden Alu-Rohre aus. Zunächst werden die Rohre geheftet und danach geschweißt. Bei einem externen Fachbetrieb wird der Rahmen zwei Tage im Ofen zum Glühen gebracht, anschließend folgen Lackierung beziehungsweise Pulverung. Das Fahrrad wird nach den Wünschen des Kunden aufgebaut und mit allen Anbauteilen versehen. „F&A" hat keine aufwendige Lagerhaltung mit unzähligen Anbauteilen, sondern ordert die benötigten Teile direkt.

Zweites und expandierendes Standbein ist die Produktion von Prototypen für die Zubehör- und Fahrradindustrie. Dabei greifen Kortwittenborg und Rickel auf das Wissen von Maschinenbautechniker Felix Resch (25) zurück. Er ist der Dritte im Bund der Dortmunder Fahrrad-Tüftler. „Die großen Firmen geben den Bau von Prototypen nicht mehr so gerne nach Taiwan oder andere Länder in Fernost, sondern greifen auf Know-how hier in Deutschland zurück", sagt Rickel. „Wir sind auf Rahmenbau und Technik spezialisiert, können rasch reagieren und auf ganz individuelle Wünsche der Industrie eingehen – das spricht sich relativ schnell herum."

Optimierung für die Industrie

So optimiert Kortwittenborg gerade den Prototyp eines Rahmens, in den ein Mittelmotor für ein Pedelec integriert werden soll. Auftraggeber ist ein führender Hersteller von Mountainbikes, der unter anderem elektrisch angetriebene Kletterräder im gehobenen Preissegment anbietet.
Der Dortmunder bastelt seit seinem zwölften Lebensjahr an Fahrrädern. Nach seiner Ausbildung zum Zweiradmechaniker beschloss er rasch, die Meisterprüfung abzulegen: „Ich habe viele Ideen und möchte die auch gerne so umsetzen, wie ich mir das vorstelle." Zur Arbeit fährt er selbstverständlich mit dem Rad – einem selbst gebauten, golden glänzenden Renner, der durch äußerst kurzen Radstand und unkonventionelle Führung der Rohre auffällt.

Die Adaptivbikes (elektrische Fahrhilfen für Rollstuhlfahrer), mit denen Kortwittenborg vor mehr als einem Jahr sein Geschäft startete, spielen heute eine eher untergeordnete Rolle. Der Bau dieser Spezialfahrräder ist sehr zeitintensiv und erfordert immer wieder Neuanpassungen – ein Aufwand, den das F&A-Team derzeit nicht leisten kann. Aber auch Radfahrer, die ihr Zweirad nicht in der Manufaktur erworben haben und nur einen Check machen lassen wollen oder bestimmte Ersatzteile benötigen, sind selbstverständlich willkommen. Dieser Service hat sich rasch herumgesprochen und bringt neue Kunden.

Text: Wolfram Lotze/ Foto: Andreas Buck

Die F&A Manufaktur gewann 2013 den mit 15.000 Euro dotierten Gründungswettbewerb „start2grow". Aus der Begründung der Jury: „Das Team beherrscht die Konstruktion, Montage, Wartung und Reparatur jeglicher Zweiräder in Handarbeit bei höchster Qualität." Unter dem Motto „Jede Idee verdient eine Chance!" begleitet der Gründungswettbewerb „start2-grow" angehende Jungunternehmer aus ganz Deutschland auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2001 vom dortmund-project, einem Teil der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Text: / handwerksblatt.de