Mit der Entdeckung der Vulkanisation durch Charles Goodyear begann die Erfolgsgeschichte der Gummistiefel.

Mit der Entdeckung der Vulkanisation durch Charles Goodyear begann die Erfolgsgeschichte der Gummistiefel. (Foto: © animaflorapicsstock/123RF.com)

Wasserfeste Stiefel: Gib Gummi!

Uni, schwarz, gelb oder pink. Gepunktet, gestreift und bedruckt mit bunten Abbildungen: Gummistiefel sind weit davon entfernt, très chic zu sein.

Bei Regenwetter oder Wattwanderungen sind die wasserfesten Stiefel unentbehrlich. Die Grundlage für den klobigen Schuh schuf Charles Goodyear. Er fand um 1839 herum ein Verfahren, wie aus Kautschuk Gummi hergestellt werden konnte. Wobei die Entdeckung mehr einem Zufall geschuldet war. Eine Mischung aus Schwefel und Kautschuk landete auf einer heißen Herdplatte. Durch die Erhitzung entstand ein neuer Stoff: Gummi. Goodyear gründete ein Unternehmen, mit dem Ziel, Gummischuhe herzustellen. Doch erfolgreich und reich sollte der Erfinder mit seiner Entdeckung nicht werden.

In einer Zeitung hieß es: "Wenn ihr einen Mann seht, in Schuhen, mit Mantel und Hut aus Kautschuk, aber ohne einen Cent in der Tasche, dann habt ihr Charles Goodyear vor euch." Goodyear steckte all sein Geld in seine Tüftelei. Der Amerikaner war auch dafür bekannt, dass er gerne in Kleidung und Schuhen aus Gummi durch die Straßen New Yorks marschierte.

Auf den Weg gebracht

Hiram Hutchinson war begeistert von dem biegsamen, wasserdichten Material. Er erwirbt von Goodyear eine Lizenz zur Herstellung der neuen Schuhgeneration.

Das Patent "zur Verbesserung der Herstellung von Stiefeln, Halbschuhen, Holzschuhen und Schuhen" begeisterte vor allem die Bauern und Fischer Mitte des 19. Jahrhunderts, da sie ihre Füße bei der Arbeit wunderbar trocken und warm hielten. Geboren in England, siedelte Hutchinson nach Frankreich um. 1853 gründete er 100 Kilometer von Paris das Unternehmen Aigle. Ein Jahr später werden täglich 5.000 Paare in Châlette-sur-Lo hergestellt. Das Unternehmen ist auf der Überholspur. 1860 folgt die Gründung einer Filiale in Mannheim.

Auch Henry Lee Norris ging einen Vertrag mit Goodyear ein. Die Lizenz im Gepäck, machte er sich auf den Weg nach Schottland. Seine Zielgruppe waren jedoch nicht die Bauern und Fischer des Landes. Mit den Schuhen aus Kautschuk wollte er vor allem die Adeligen und Offiziere begeistern. Großbritannien machte sich gerade zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Namen als Militärmacht. Im gleichen Zeitraum findet in der Herrenmode eine Veränderung statt. Betroffen ist auch das Schuhwerk. Die sogenannten Hessenstiefel passten jedoch nicht zu den neuen, engen Beinkleidern.

Der Herzog von Wellington, Sir Arthur Wellesley, ein erfolgreicher Militärführer, beauftragte seinen Schuster, einen Stiefel zu entwickeln, der bequem ist und zugleich so eng geschnitten, dass er unter den Beinkleidern getragen werden konnte. Der Londoner Schuster kreierte einen Gummistiefel, der nicht nur wasserdicht war, sondern zugleich schick, dass er sogar zur Abendgarderobe passte. Der Wellingtonstiefel war erfunden. Die "Wellies" gehörten viele Jahre zum Lieblingsschuhwerk der Queen.

Doch zurück zu Henry Lee Norris. Er gründet das Unternehmen North British Rubber Company. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges beginnt der Boom der Gummistiefelfabrik. Die britische Regierung beauftragte Norris, die Soldaten mit kriegstauglichen Gummistiefeln auszustatten. Die Maschinen in der Produktionsstätte liefen Tag und Nacht. Insgesamt wurden 1.185.035 Stiefelpaare zum Schutz vor den schlammigen Böden an der Front produziert. Das Unternehmen firmiert ab 1958 unter dem Namen Hunter Rubber Co. Ltd., Hoflieferant des englischen Königshauses.

Der tanzende Gummistiefel

Wie vielseitig der biegsame Schuh sein kann, beweist der "Gumboot dance" aus Südafrika. Der Gummistiefel-Tanz wurde von den schwarzen Minenarbeitern in den Goldminen von Johannesburg entwickelt. Ihre Lebensbedingungen waren so hart, dass der Tanz ihre Antwort auf die Unterdrückung während der Apartheid war. Mit dem einzigen "Instrument", das sie hatten, fanden sie eine Sprache aus Rhythmus und Musik. Da es den Arbeitern untersagt war, untereinander zu kommunizieren, entstand mit dem rhythmischen Schlagen der Hände auf die Gummistiefel, dem Aufstampfen und Kettenrasseln eine ganz eigene Klangsprache. Auf dem Album "Graceland" des Sängers Paul Simon ist unter dem Titel "Gumboots" die Musik aus Südafrika zu hören.

Eine ganz andere Anwendungsform sollen dagegen die Finnen Ende des 19. Jahrhunderts gefunden haben: der Gummistiefelweitwurf. Ganz sicher ist das allerdings nicht. Seit 1975 jedoch wird diese Sportart als Mannschaftssport in dem nordischen Land ausgetragen. Damit noch mehr Menschen Vergnügen an den Wettbewerben finden konnten, wurde eigens ein überregionaler Weltverband gegründet. Im Jahr 1992 fand die erste Weltmeisterschaft statt. Aktuell liegt der Weltrekord bei den Männern bei 68,03 Metern. Bei den Frauen bei 49,35 Metern. Die Männer werfen mit einem linken oder rechten Gummistiefel der Größe 43 so weit wie sie können. Auch die Frauen können zwischen links und rechts entscheiden. Allerdings liegt die Größe des Schuhs bei eher zarten 38.

182 Jahre nach der Entdeckung der Vulkanisation hat sich der wasserfeste Gummistiefel vom Funktionsschuh zum trendigen Schuhwerk gemausert. Es gibt sie für Männer, Frauen und Kinder, für Hobby, Beruf oder Freizeit, für Sommer, Herbst und Winter und bei dem Design gibt es nahezu keine Grenzen. Wie universell der Schuh sein kann, zeigt auch das große Angebot im Bereich des Sicherheitsschuhwerks. Für jedes Gewerk ist etwas dabei. Damit steht fest: Gummistiefel sind einfach wahre Alleskönner.

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Text: / handwerksblatt.de

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