Felix Willeke

Felix Willeke (Foto: © Lernidee )

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Mit Lernidee Erlebnisreisen neue Welten entdecken

Neue Welten entdecken, Kulturen erleben, Menschen begegnen: Erlebnisreisen von Lernidee eröffnen neue Perspektiven auf die Welt, die weit über klassische Urlaubsangebote hinausgehen.

Bei einer Flussfahrt über den Mekong oder einer Zugreise durch Vietnam begleitet das Berliner Unternehmen Lernidee dabei Menschen in kleinen Gruppen zu kaum bekannten und beeindruckenden Welten. Im Gespräch mit dem Deutschen Handwerksblatt beschreibt Geschäftsführer Felix Willeke das Erfolgsrezept und stellt die neue Mekong Star vor.

DHB: Wie entstand das Lernidee-Konzept?
Felix Willeke: 
Das Unternehmen Lernidee Erlebnisreisen hat seine Wurzeln in einer Sprachschule: 1986 gründete Hans Engberding, Russischlehrer in Westberlin, die Sprachschule "Lernbrücke". Seine eher unorthodoxe Art stieß damals im Staatsdienst auf Widerstand, weshalb er sich selbstständig machte. Aus klassischen Sprachkursen entstand bald ein Reisesprachkurs Russisch, unter anderem als Sprachkurs auf der Transsibirischen Eisenbahn – ein wagemutiges Projekt zur Zeit des Eisernen Vorhangs. Diese Idee wurde als "gute Lernidee" verstanden und bildet die Keimzelle des Unternehmens.

In den Folgejahren lösten wir uns zügig von reinen Sprachreisen und interpretierten "Lernen" neu: nicht als belehrende Wissensvermittlung, sondern als Kennenlernen und "Begegnungen schaffen". Unser Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Erlebnisse zu ermöglichen, die mit Geld nicht zu kaufen sind. Statt langer, akademischer Vorträge über die besuchten Sehenswürdigkeiten bevorzugen wir ausgewählte, intensive Momente. Das kann beispielsweise ein Besuch einer Familie zu Hause für eine Wodka-Probe sein oder ein Mini-Praktikum bei einem Goldschmied in Usbekistan.

Um Missverständnisse zu vermeiden, wurde 2002 der Name zu "Lernidee Erlebnisreisen" erweitert: Der Anspruch, nicht belehrend und nicht wie eine Studienreise aufzutreten, ist zentral. Unsere typischen Gäste sind neugierig auf Geschichte, Kultur und vor allem auf die Menschen vor Ort. Sie bringen häufig eine Technikaffinität mit und interessieren sich für Details, wie zum Beispiel den Stahl des Schiffsrumpfes oder Spurweiten bei Bahnreisen. Entspannung im Sinne klassischer Erholungsreisen spielt eine untergeordnete Rolle, denn das Unternehmen positioniert sich bewusst zwischen Studienreise und Boutique-Erlebnis, ohne reiner Studienreiseanbieter zu sein.

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DHB: Welche Länder waren im Programm und welche Länder sind hinzugekommen?
Willeke:
In den 1980er-Jahren lagen die Schwerpunkte in den Staaten der ehemaligen UdSSR, also Russland, Ukraine, Baltikum, Zentralasien mit Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, dazu die Mongolei und China. Die Transsibirische Eisenbahn wurde vor allem für die Strecke Moskau – Peking organisiert und schuf eine starke Affinität zum südöstlichen bzw. östlichen Asien. In den 1990er-Jahren unternahmen wir dann auch Ausflüge in andere Regionen wie zum Beispiel Ägypten, Kuba, Südafrika. Jedoch mit wechselhaftem Erfolg.

Um 1999/2000 kam der Wendepunkt: Eigene Sonderzüge wurden konzipiert. Dadurch gewannen wir die Freiheit, Fahrpläne selbst zu bestimmen, dort zu halten, wo es etwas zu sehen gibt, und eintönige Abschnitte zügig zu durchfahren. Das Bahnreise-Konzept wurde als "Kreuzfahrt auf Schienen" weiterentwickelt: ein rollendes Hotel, in dem das Gepäck an Bord bleibt. Ab 1999/2000 wurde dies in verschiedenen Regionen ausgerollt. Dazu zählten die Länder entlang der Transsibirische Eisenbahn, Zentralasien, südliches Afrika, Indien, Kanada, Spanien. Weitere südostasiatische Destinationen kamen hinzu und stärkten unsere Position als Zugexperte in der Branche.

Parallel beschleunigte sich von 2005 bis 2006 das Geschäft mit Kreuzfahrten in Europa. Daraus resultierte der Bau des ersten Mekong-Schiffs, der Mekong Sun. Lernidee bewegt sich traditionell mitunter in wirtschaftlich, ökonomisch oder politisch weniger stabilen Regionen. Wir sind es gewohnt, mit "Kummer in Zielgebieten" umzugehen. Daher sind die Mekong-Schiffe seit 2005 ein wichtiger Bestandteil unseres Portfolios. Spätestens mit der Krim-Annexion 2014 gewann die Diversifizierung strategischen Vorrang, da wir eine Idee davon bekamen, wie fragil die geopolitischen Gegebenheiten von einem Tag auf den anderen sein können!.

Ab 2016 wurden neue Marken und Reiseformen entwickelt, unter anderem Belvelo, um weitere Zielgruppen und Gebiete zu erschließen. Firmengründer Hans Engberding ist mit seinen 74 Jahren weiterhin als Reiseentwickler aktiv. Außerdem entwickeln wir neue Reisen und Zielgebiete. Aktuell werden Charter auf Papua-Neuguinea und rund um

Madagaskar angeboten, ebenso eine neue Zugreise in Vietnam, der Bau des dritten Mekong-Schiffes wurde soeben abgeschlossen und eine mögliche Verstärkung am Amazonas mit einem Partner wird geprüft.

Zwischen 2021 und 2024/25 erfolgten drei bis vier kleine Unternehmensübernahmen. Unter anderem haben wir jetzt einen Galapagos-Spezialisten, einen kleinen Veranstalter für Reisen in die Schweiz, einen Nordeuropa-Veranstalter und einen UK-Spezialisten in unserer Firmengruppe.

DHB: Ein Schwerpunkt des Angebots bildet die Mekong-Flotte und das neue Schiff "Mekong Star"?
Willeke:
Unser Mekong-Engagement begann 2005 als Bestandteil der Diversifizierungsstrategie. Lernidee war Pionier auf dem anspruchsvollen nördlichen Flussabschnitt des Mekongs. Entgegen der gängigen Meinung, Kabinenschiffe seien dort nicht realisierbar, wurde 2005 die Mekong Sun gebaut. Heute betreiben wir drei Schiffe auf dem Mekong; die Mekong Star ist das jüngste Schiff und wurde im November 2025 in Betrieb genommen. Im Süden (Vietnam, Kambodscha) verkehren fünfzehn bis zwanzig Schiffe. Wir hingegen sind mit einer Flotte von drei Schiffen auf dem weniger befahrenen nördlichen Teil des Mekongs unterwegs.

DHB: Warum ein drittes Schiff?
Willeke:
In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder das Signal erhalten, dass die bisherigen Schiffe zwar charmant und schön seien, für manche Gäste aber eine Spur zu einfach. Kabinengrößen von 12 oder 16 Quadratmetern reichen für einige der heutigen Zielgruppen nicht mehr aus. Daher wurde ab 2024 die Mekong Star mit dem klaren Anspruch gebaut, den größtmöglichen Komfort auf dem nördlichen Abschnitt zu bieten. Die Kabinen sind 21 bis 39 Quadratmeter groß. Mit der Mekong Star geben wir vielleicht dreißig Prozent Individualität und Charme auf, gewann dafür aber 100 Prozent mehr Komfort.

DHB: Wie lässt sich das Reiseerlebnis auf dem nördlichen Mekong beschreiben und was sehen die Zukunftspläne vor?
Willeke:
Die Reise auf dem nördlichen Mekong zeichnet sich durch einen intensiven, wilden und unverfälschten Flusscharakter aus. In der Regel führt die Fahrt durch weitgehend unbesiedelte Gebiete; die Karstberge zwischen Nordlaos und Südchina bieten eine eindrucksvolle Szenerie. Im Gegensatz dazu ist der südliche Mekong in Vietnam und Kambodscha rund einen Kilometer breit, das Umland flach, mit schwimmenden Märkten und Uferorten, bieten ein klassisches Einsteiger-Erlebnis für Südostasien. Im Norden bleibt die Erfahrung "naturbelassener" und vermittelt das "unentdeckte Südostasien", das im Süden so nicht mehr anzutreffen ist.

Ein aktuelles Element des Reiseerlebnisses ist der Staudamm mit Schleuse, der als Tagesprogrammpunkt dient – besonders reizvoll für technikinteressierte Gäste. Zudem bestehen Möglichkeiten zu individuellen Stopps: An einer Sandbank für ein Barbecue am Abend oder weiter flussabwärts bei einem Dorf. Zwar hat sich seit 2005 eine gewisse Gewöhnung in den Dörfern eingestellt, jedoch bleibt die touristische Prägung gering. Zehn Ankünfte pro Jahr mit jeweils rund 20 Gästen bedeuten "alles andere als Massentourismus", vielmehr "no impact high value" Tourismus.

Aber ja, operativ bleibt die Flotte ausbaubar: Mittelfristig prüfen wir, in Laos ein viertes Schiff zu bauen. Dann eher im Bereich der 4.000 Inseln in Südlaos. Die Navigation ist und bleibt herausfordernd. Es existieren Stromschnellen und keine durchgehende Verbindung vom Himalaya bis in den südlichen Mekong. Ein Schiff im mittleren Abschnitt vom südlaotischen Grenzgebiet bis nach Kambodscha kann nur betrieben werden, wenn es dort gebaut wurde und ausschließlich dort fährt.

DHB: Sie waren bei der Jungfernfahrt der Mekong Star selbst an Bord. Hat alles nach Wunsch geklappt?
Willeke:
Die Jungfernfahrt der Mekong Star erfolgte nach einem sehr knappen Bauprozess. Der wurde noch erschwert durch ein schlimmes Hochwasser in Laos zum Jahreswechsel. Das führte zu Verzögerungen. Ich ging mit einer gewissen Anspannung und einer langen Checkliste an Bord, kam jedoch mit großer Euphorie zurück. Der Anspruch, das beste Schiff auf dem Flussabschnitt zu bauen wurde sehr gut erfüllt. Das, was vor über zwei Jahren mit einem CAD-Programm entworfen wurde, ist im Zeit- und Budgetrahmen Wirklichkeit geworden. Für mich ein Anlass zu Zufriedenheit und einer Spur Stolz.

Info:Auf Einladung von Lernidee erhielt die Redaktion des Deutschen Handwerksblatts die Möglichkeit, auf der Mekong Star von Vientiane bis hin zum Goldenen Dreieck nach Thailand zu reisen. Der Reisebericht und die Bewertung erfolgen unabhängig und spiegelt die persönliche Meinung der Redaktion wider.
lernidee.de

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Text: / handwerksblatt.de

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