Noch seien die Zahlen im NRW-Handwerk relativ stabil, aber der zweite Lockdown werde für viele Betriebe zu einer echten Bedrohung, sagt Andreas Ehlert.

Noch seien die Zahlen im NRW-Handwerk relativ stabil, aber der zweite Lockdown werde für viele Betriebe zu einer echten Bedrohung, sagt Andreas Ehlert. (Foto: © ugde/123RF.com)

Die Stimmung im Handwerk wird schlechter

Politik

Bisher seien die Konjunkturzahlen im NRW-Gesamthandwerk stabil. Der zweite Corona-Lockdown treffen nun aber auch die handwerklichen Betriebe empfindlich. Das erklärte Andreas Ehlert bei der Konjunkturpressekonferenz von Handwerk.NRW.

Zwei große Themen gab es für das Handwerk im vergangenen Jahr 2020, sagt Landes-Handwerkspräsident Andreas Ehlert bei der digitalen Konjunkturpressekonferenz von Handwerk.NRW. "Einmal natürlich die Corona-Pandemie mit all den Auswirkungen. Und als zweiter Punkt, heute schon fast in Vergessenheit geraten, die Wiedereinführung von Qualifikationserfordernissen beim Gewerbezugang in zwölf Gewerken." In den wieder meisterpflichtigen Berufen habe es einen drastischen Rückgang der Gewerbeanmeldungen gegeben. Die Entwicklung in den zulassungsfreien Gewerken sei weiterhin dynamisch. Die Anzahl der Betriebe in NRW sei aus diesen Gründen nur moderat gestiegen.

Andreas Ehlert Foto: © HWK DüsseldorfAndreas Ehlert Foto: © HWK Düsseldorf

Die Corona-Pandemie sei aber der "alles beherrschende Faktor". Das Handwerk sei bisher verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. "80 Prozent der Betriebe geht es ziemlich gut und 20 Prozent geht es ziemlich schlecht." Ehlert sprach von einer "dramatischen Spreizung", die ihm große Sorgen bereite.

Dennoch: Aus das Gesamthandwerk bezogen seien die Konjunkturzahlen stabil mit insgesamt nur moderaten Rückgängen. Zum Jahreswechsel liege der Umsatzrückgang bei etwa vier Prozent. Aktuell trifft der zweite Lockdown das Handwerk empfindlich. Die Liquiditätsreserven der Betriebe seien weitgehend aufgebraucht und die Stimmung rutsche immer öfter ins Negative.

Handwerk hofft auf gute Impfpolitik

"Wir brauchen eine konsequente, langfristig angelegte und berechenbare Eindämmungspolitik mit gut begründeten Regeln", forderte Ehlert. Die beste Wirtschaftspolitik sei aktuell eine gute Impfpolitik. Die von der angeordneten Schließung betroffenen Betriebe bräuchten eine Perspektive und es gelte nun aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen eine Wiederöffnung des Geschäftsbetriebs möglich ist. In einem jetzt beschlossenen Positionspapier fordert die Landeshandwerksvertretung außerdem, Überbrückungshilfen schneller zu bewilligen und auszuzahlen, und die Antragsverfahren zu entbürokratisieren. So stießen Betriebe, die wie die Friseure erst im Dezember vom Lockdown betroffen wurden, "auf eine echte Förderlücke", so das Papier.

Die geringe Summe der ausgezahlten Hilfsgelder zeige, dass einige Förderinstrumente zu komplex angelegt seien. Neben Verbesserungen bei den kurzfristigen Krisenhilfen sehe das Handwerk aber auch Bedarf für langfristig wirksame Lösungen im Steuerrecht, von denen alle Betriebe profitierten und die unmittelbar liquiditätssichernd wirkten.

Handwerk.NRW empfiehlt hier Verbesserungen bei den Verlustrückträgen und der Thesaurierungsrücklage oder bei Sonderabschreibungsmöglichkeiten. Auf keinen Fall dürfe es jetzt weitere Belastungen für die Betriebe geben“, betonte Ehlert. Für viele Unternehmen aus dem Handwerk seien die aktuell geschlossenen Schulen und Kitas ein Problem, da dies zu Personalausfällen führe. Unnötige Verzögerungen und Kosten verursache zudem die rückständige E-Government in Gesundheits- und Verwaltungsbehörden.

Versprochenes jetzt umsetzen

Auf Landesebene gebe es aus Sicht des Handwerks noch einige Punkte, die in dieser Wahlperiode auf die Agenda des Landtags gehörten. Ehlert nannte vier Bereiche, die besonders wichtig seien: Die kleine Bauvorlagenberechtigung müsse für qualifizierte Handwerksmeister eingeführt werden. "Und dann kann das Land zwei wirksame Steuererleichterungen selbst durchsetzen." Es gehe hier um die Grunderwerb- und die Grundsteuer. "Die Landesregierung hat das zugesagt und sie soll ihre Zusagen jetzt auch umsetzen. Ehlert mahnte auch eine konsequente Fortsetzung der Entfesselungspolitk an. Hier sei bereits einiges passiert, trotzdem gebe es noch zu große Bürokratiebelastungen. Das Handwerk setze hier auf eine Stärkung der Clearingstelle Mittelstand mit einem Initiativrecht, "damit künftig unmittelbar aus der wirtschaftlichen Praxis heraus Vorschläge zur Bürokratievermeidung und zum Bürokratieabbau vorgelegt werden können."

Positionspapier Das Positionspapier zur Corona-Strategie von Handwerk.NRW finden Sie hier!

Text: / handwerksblatt.de

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