Die steigenden Energiepreise machen dem Lebensmittelhandwerk besonders zu schaffen.

Die steigenden Energiepreise machen dem Lebensmittelhandwerk besonders zu schaffen. (Foto: © kebox/123RF.com)

Lebensmittelhandwerk in Bedrängnis

Politik

Die Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks fordert Unterstützungsmaßnahmen für die Betriebe, die sie schnell und unbürokratisch abrufen können.

Die etwa 39.000 Betriebe des Lebensmittelhandwerk geraten durch durch steigende Kosten zunehmend in Bedrängnis. Das stellte die Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks bei ihrer diesjährigen Klausurtagung fest. Ein großes Problem seien die explodierenden Energiepreise. Dazu kämen steigende Personalkosten, steigende Rohstoffpreise und drastische Preiserhöhungen bei Verpackungsmaterial und Glasflaschen. Die Politik müsse darauf reagieren und die Betriebe entsprechend unterstützen.

"Wir begrüßen sehr, dass das Energiekostendämpfungsprogramm für weitere Unternehmen geöffnet werden soll", sagt Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischerverbandes und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk. Es sei wichtig, dass auch die Lebensmittelbetriebe die notwendige Unterstützungsleistungen erhalten und so eine Zukunftsperspektive erhielten.

Preisbremse für Gas gefordert

"Die im Rahmen des dritten Entlastungspaketes verkündete Strompreisbremse ist sicherlich ein wichtiges Signal. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, warum diese Preisbremse nicht auch auf das Gas ausgeweitet wird", erklärt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Michael Wippler. "Wir haben die ernsthafte Sorge, dass die mittelständischen Handwerksbetriebe nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren können."

Die Betriebe seien schon heute teilweise mit Strom- und Gaspreiserhöhungen um das Dreifache und mehr konfrontiert, was nicht annähernd durch Preiserhöhungen kompensiert werden könne, ergänzt. Detlef Projahn, Präsident des Verbandes Private Brauereien Deutschland. "Dies ist eine existenziell kritische Situation für unsere Betriebe."

Zunehmende Kaufzurückhaltung

Die Preissteigerungen, die notwendig wären, um die Kostensteigerungen aufzufangen, seien praktisch nicht durchsetzbar, weil auch die Kunden vor großen Herausforderungen stünden. "Wir sehen schon jetzt ein deutlich gewachsenes Preisbewusstsein bei Verbrauchern und eine zunehmende Kaufzurückhaltung", sagt Stefano Bortolot, Präsident der Union der italienischen Speiseeishersteller.

"Denn obwohl die Kunden die qualitativ hochwertigen sowie regionalen Produkte des Lebensmittelhandwerks schätzen und dafür auch gern etwas mehr zahlen, hat dies bei schmalem Geldbeutel auch Grenzen", fügt das Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Mühlen, Karl Ruthardt, an.

Kritik an Obergrenze im Midijob-Bereich

"Auch wenn unsere kleinen Betriebe bereit sind, in dieser Krise ihren Eigenanteil zu leisten, brauchen sie dringend Hilfe. Der Schaden, der sonst entsteht, ist riesig. Wenn ein Betrieb erstmal schließen muss, wird er nicht mehr aufmachen", betont Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes.

Er kritisiert deswegen die vorgesehene Ausweitung der Obergrenze im Midijob-Bereich von 1.600 auf 2.000 Euro. "Hierdurch werden die Betriebe noch zusätzlich belastet, während die Beschäftigten lediglich marginal von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet werden. Haushalte mit niedrigem Einkommen müssen auf anderem Weg zielgenau entlastet werden."

Direkte Hilfsmaßnahmen umsetzen

Die Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks fordert die Umsetzung direkter Unterstützungsmaßnahmen für die Betriebe, um die Preissteigerungen abzufedern. Außerdem müssten die angekündigten Hilfen von den Betrieben schnell und unbürokratisch abgerufen werden können.

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Text: / handwerksblatt.de

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