Ein Auslandsaufenthalt in Spanien hat Sabrina Bettray während der Ausbildung sehr motiviert. Severin Bettray freut sich darüber, dass seine Tochter nicht nur Innungsbeste der Bäcker geworden ist, sondern sich inzwischen auch zur ambitionierten Konditorin entwickelt hat.

Ein Auslandsaufenthalt in Spanien hat Sabrina Bettray während der Ausbildung sehr motiviert. Severin Bettray freut sich darüber, dass seine Tochter nicht nur Innungsbeste der Bäcker geworden ist, sondern sich inzwischen auch zur ambitionierten Konditorin entwickelt hat. (Foto: © Ingo Lammert)

Auslandspraktikum gibt den richtigen Kick für die Ausbildung

Nach ihrem Auslandsaufenthalt in Vigo (Spanien) ist Sabrina Bettray durchgestartet. Die anfangs eher zögerliche Auszubildende mit mittelmäßigen Noten hat sich im Endspurt ihrer Bäckerlehre letztlich noch zur Innungsbesten entwickelt.

"Viele Jugendliche wissen nach dem Schulabschluss oftmals gar nicht, wie es weitergehen soll", stellt Bäckermeister Severin Bettray fest. Ein Beispiel, um diese Behauptung zu stützen, wohnt in demselben Haus wie der Betriebsinhaber aus Kalkar-Hönnepel – seine Tochter Sabrina. Vor etwas mehr als zwei Jahren stand sie nach dem Abitur ebenfalls vor der schwierigen Frage nach der beruflichen Zukunft. Praktika in verschiedenen Berufssparten führten nicht zum gewünschten Erfolg. "Fang doch erstmal eine Ausbildung als Bäckerin bei uns an. Dann kannst du dir immer noch im Klaren darüber werden, was du später machen willst", bot Severin Bettray seiner Tochter kurz vor dem Weihnachtsgeschäft an. Gesagt, getan. 

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Der Anfang verlief schwieriger als erwartet. "Das frühe Aufstehen hat Sabrina gar nicht geschmeckt", erinnert sich der Bäckermeister an die ersten Wochen. Auch der Versuch, sie möglichst früh zu fordern und ihr verantwortungsvolle Aufgaben in der Backstube zu übertragen, führte nicht zum erhofften Ergebnis. "Sie war lange Zeit sehr zögerlich und hat immer wieder nachgefragt, ob sie auch wirklich alles richtig berechnet, abgewogen und hergestellt hat." Da sie wegen ihres Abiturs das erste Ausbildungsjahr überspringen darf, steht bereits nach sechs Monaten die Zwischenprüfung auf dem Programm. Das eher ernüchternde Resultat: "Eine Zwei in der Theorie, eine Vier in der Praxis. Zu diesem Zeitpunkt hat sich überhaupt nicht abgezeichnet, dass sie die Ausbildung als Innungsbeste abschließen wird", erklärt Severin Bettray.

Voller Euphorie nach Vigo gefahren

Das Blatt wendet sich schnell. Im Frühjahr 2018 erfährt Sabrina Bettray über das Berufskolleg Geldern von einem Auslandsaufenthalt für Bäcker und Konditoren in Vigo (Spanien), den die Handwerkskammern Düsseldorf und Augsburg zum ersten Mal anbieten. Am Gymnasium hatte sie Spanisch als Leistungskurs belegt und schon nach dem Ende der Schulzeit mit einem Jahr im Ausland geliebäugelt. "Sabrina ist voller Euphorie losgefahren. Sie hat sich in ihrem Praktikumsbetrieb bewährt, durfte viel selbst machen und hat viele tolle Eindrücke der galicischen Backkultur mitgebracht", fasst der stolze Vater den dreiwöchigen Aufenthalt zusammen.

Seine Tochter ist wie ausgewechselt: viel motivierter, viel selbstbewusster, viel neugieriger. Sie fordert mehr Verantwortung, und Severin Bettray lässt sie gewähren. "So, jetzt backst du mal das, was du in Vigo gelernt hast!", fordert er sie auf. Einige Produkte aus Spanien kommen bei den Niederrheinern zunächst gut an. Dauerhaft schaffen sie es allerdings nicht ins Sortiment. "Unsere Kunden sind leider eher konservativ. Dreimal kaufen sie das neue Brot aus Galicien, doch beim vierten Mal greifen sie lieber wieder auf Altbewährtes zurück." 

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Sabrina Bettray lässt sich davon nicht entmutigen. Ihr Elan hält weiter an. Sie entdeckt ihre Liebe für feines Gebäck. In der Vorweihnachtszeit unterstützt eine Konditorin aus dem Nachbarort die kleine Bäckerei. Lebkuchen, Printen, Zimtsterne und Spekulatius werden in beachtlichen Mengen produziert – seit vorigen Winter mit tatkräftiger Unterstützung. "Als die beiden zusammen am Backtisch gestanden haben, ist mit einem Mal so eine Power entstanden. Sabrina wollte das Gebäck genauso gut machen wie die Konditorin", hat der Bäckermeister beobachtet.

Motivationsschub für die Prüfung

Dass seine Tochter die Gesellenprüfung als Innungsbeste mit der Note 1,0 abgeschlossen hat, führt Severin Bettray vor allem auf die drei Wochen in Vigo zurück. In barer Münze dürfte sich der Spanien-Trip für die Bäckerei kaum ausgezahlt haben. Das Betriebswirtschaftliche ist für den Unternehmer aber nicht alleine entscheidend. Ihm geht es um die langfristige Perspektive. "Wenn das Handwerk an neue Facharbeiter kommen möchte, dann müssen wir die Jugendlichen packen und sie für unsere Berufe begeistern."

Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ kann aus seiner Sicht dabei helfen. Um Nachwuchs zu akquirieren, müssten auch Auszubildende die Chance erhalten, berufliche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. "Ich finde es toll, dass die Handwerkskammer diese Auslandsaufenthalte organisiert. Sabrina hat die Zeit in Spanien den richtigen Kick für den Endspurt auf die Gesellenprüfung gegeben", ist Severin Bettray überzeugt.

Seit dem Jahr 2009 ist "Berufsbildung ohne Grenzen" das Bundesprogramm zur betrieblichen Beratung für die Umsetzung von Auslandspraktika in der beruflichen Bildung. Initiiert wurde es vom Deutschen Industrie- und Handels­kammertag sowie dem Zentralverband des ­Deutschen Handwerks und wird vom ­Bundeswirtschaftsministerium finanziell gefördert. Im Fokus stehen dabei besonders kleine und mittlere Unternehmen. Ziel ist es, Auszubildenden – ähnlich wie im Studium – eine berufliche Lernerfahrung im Ausland zu ermöglichen. Damit das gelingt, stehen in ganz Deutschland über 50 Mobilitätsberatende mit umfassenden Informationen und Know-how als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Sie beraten und unterstützen Auszubildende, junge Fachkräfte und Berufsbildungspersonal zu Auslandsaufenthalten – von der Planung über die Durchführung bis hin zur Aus­wertung – sozusagen ein "All-Inclusive-Paket".

Text: / handwerksblatt.de

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