Die Bundesregierung hat ihre Herbstprognose vorgestellt und rechnet darin mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr um 2,6 Prozent.

Die Bundesregierung hat ihre Herbstprognose vorgestellt und rechnet darin mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr um 2,6 Prozent. (Foto: © VIKTOR Zadorozhniy/123RF.com)

Neue Regierung soll Betriebe durch Entlastungen stärken

Die Bundesregierung sieht Deutschland in ihrer Herbstprognose wieder auf Wachstumskurs. Das Handwerk warnt dennoch vor einer Überforderung der Betriebe. Wirtschaftlich bleibe die Lage weiter fragil.

Die Bundesregierung hat ihre Herbstprognose vorgestellt. Darin sagt sie ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr um 2,6 Prozent voraus. Im kommenden Jahr sei ein Wachstum von 4,1 Prozent möglich. 2023 soll sich die Wachstumsrate bei 1,6 Prozent normalisieren. "Die Herbstprojektion zeigt, dass Deutschland nach der Corona-Krise wieder auf dem Wachstumspfad ist", sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Zwar falle der Endspurt wegen der Lieferengpässe in diesem Jahr aus, 2022 gewinne die Wirtschaft aber deutlich an Fahrt. "Einerseits hat sich die Stimmung der Dienstleister durch den Impffortschritt in den letzten Monat stark verbessert. Der private Konsum ist im Moment die Triebfeder der wirtschaftlichen Erholung. Andererseits leidet das Verarbeitende Gewerbe angesichts der nach dem Corona-Krisenjahr 2020 weltweit anziehenden Konjunktur unter einer historisch einmaligen Knappheit an Vorleistungsgütern."

Betriebe noch nicht über dem Berg

Hans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Boris TrenkelHans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Boris Trenkel

Das bremse die Wirtschaftsentwicklung besonders in der zweiten Jahreshälfte. Altmaier: "Die Nachfrage nach deutschen Produkten auf den Weltmärkten bleibt aber nach wie vor hoch. Wenn sich die Lieferengpässe schrittweise auflösen, kommt es in 2022 zu deutlichen Aufholeffekten." Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sieht die Betriebe des Handwerks naoch der Corona-Krise noch nicht über dem Berg. Die wirtschaftliche Lage bleibe für viele weiter schwierig.

Wollseifer warnt deshalb vor einer Überforderung der Leistungsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen. "Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt." Vielmehr müsse die Politik sie durch Entlastungen stärken. Lieferengpässe, explodierende Preise in verschiedenen Bereichen und der Mangel an Fachkräften bringe die Betriebe bereits an ihre Belastungsgrenze.

Berufsbildung stärken

Klimaschutz dürfe nicht auf Kosten des wirtschaftlichen Erfolgs betrieben werden: "Die Kostenbelastungen durch Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende dürfen nicht aus dem Ruder laufen. Denn nur mit einer starken Wirtschaft und starken Handwerksbetrieben werden wir in der Lage sein, die Klimaschutzherausforderung zu finanzieren und zu bewältigen." Außerdem müsse die neue Regierung ihre Bemühungen, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu stärken und sie auch finanziell gleichwertig zur akademischen Bildung zu fördern, "erheblich vergrößern".

Bie berufliche Ausbildung sei der zentrale Schlüssel zur Fachkräftesicherung. "Wir brauchen faire, vergleichbare Ausgangsbedingungen auch in der Bildung – keine erste und zweite Klasse, sondern einzig Weltklasse. Diese Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung muss gesetzlich festgeschrieben und im politischen Alltag gelebt werden", fordert Wollseifer. Infrastrukturen und Verwaltungen müssten endlich konsequent auf die Erfordernisse der Digitalisierung hin angepasst und auf den neuesten Stand gebracht werden.

Zusätzliche Investitionen auslösen

Entlastungen im Steuerrecht, wie durch verbesserte Abschreibungsbedingungen, könnten schnell Anreize für zusätzliche Investitionen setzen. Eine mittelstandsfreundliche Verbesserung der Thesaurierungsrücklage könne die Innenfinanzierung und die Investitionskraft des Handwerks stärken. "Eine künftige Regierung muss alles daran setzen, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei 40 Prozent des Bruttolohns dauerhaft auch über das Jahr 2021 hinaus zu stabilisieren, damit Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gerade im lohnintensiven Handwerk nicht noch weiter belastet werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht abnimmt."

Quellen: BMWi / ZDH

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Text: / handwerksblatt.de

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